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Mönchengladbach
Im Alter ist Essen wie ein Medikament

Mönchengladbach. Unsere Großmütter haben das oft und gern behauptet, jetzt belegt es auch die moderne Wissenschaft mit Zahlen: Wer etwas zuzusetzen hat, lebt länger. Ein leichtes Übergewicht wirkt sich bei Senioren positiv auf die Lebenserwartung aus. "Ein BMI von 25 bis 30 ist bei alten Menschen absolut in Ordnung", sagt Engelbert Zilles, der Leitende Arzt des Netzwerks Altersmedizin im Krankenhaus Neuwerk. Und das ist gut, denn Essen sei im Alter das wichtigste Medikament, erläutert der Mediziner bei einem Vortrag im Rahmen des Aktionsnachmittags Pflege. Von Angela Rietdorf

Die Regeln für gesundes Essen im Alter sind einfach: auf Vielfalt achten, alles in Maßen zu sich nehmen, dabei wenig Fett essen, sich Zeit nehmen und die Mahlzeit genießen. Und: Vitaminpräparate und Nahrungsmittelergänzungen sind im Allgemeinen überflüssig. "Deutschland ist kein Vitaminmangelland", steht dick gedruckt auf einer Vortragsfolie. Nur bei Vitamin D, B12 und Folsäure könne es unter bestimmten Umständen sinnvoll sein, es zusätzlich zuzuführen. Wichtig ist das Essen bei gesunden alten Menschen, noch wichtiger bei kranken. "Der Körper baut zuerst die Muskeln ab, dann erst die Fettdepots", weiß Zilles. Deshalb müssen im Krankenhaus ausreichend Kalorien und Eiweiß zugeführt werden. Im Neuwerker Krankenhaus setzt man gern Smoothies ein: Die schmecken gut, sind vitaminreich und voller wertvoller Inhaltsstoffe.

Das Essenssystem wird auf der Station gerade umgestellt: weg vom Tablett mit vorgegebener Portion hin zum Schöpfsystem, bei dem jeder Patient die Menge Fleisch, Gemüse oder Soße bekommt, die er möchte. Für die Patienten, die es können und wollen, steht der Gemeinschaftsraum für eine gemeinsame Mahlzeit zur Verfügung. Aber auch im Krankenzimmer nehmen sich die Schwestern ausreichend Zeit, um die Mahlzeiten anzureichen. Wenn nötig, werden auch mal Regeln außer Kraft gesetzt. "Wenn wir ein Fest feiern und es gibt Waffeln, dann wird hinterher kein Blutzucker mehr gemessen", sagt Schwester Stefanie Brink. Das Genießen und die Freude sind dann wichtiger. Denn das Alter kann beschwerlich sein. Davon konnten sich die Besucher des Aktionsnachmittages am eigenen Leib überzeugen. Der Anzug, der Altersbeschwerden simuliert, wiegt 20 Kilo und lässt den Träger auf einen Schlag um 40 Jahre altern. Ein Handschuh lässt den Träger die Erfahrung eines Parkinsonpatienten machen. Auch die Schwestern, haben mittels Anzug und Handschuh die Erfahrungen machen können. So etwas verändert den Blickwinkel.

Quelle: RP
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