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Mönchengladbach
Im Einsatz für den saubersten Wald der Stadt

Mönchengladbach: Im Einsatz für den saubersten Wald der Stadt
Heinz-Horst Bähren hat sogar die Erlaubnis, Anzeigen zu schreiben, wenn sich jemand falsch verhält. Aber den Block lässt er lieber daheim. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Heinz-Horst Bähren hat ein waches Auge auf das Gelände des Dohrer Buschs - weil er ihn liebt, seit er denken kann. Von Arnold Küsters

Der Weg in seinen Wald ist kurz. Nur ein Trampelpfad. Aber den hält er sauber: "Wie ,Beckers Büürke' das getan hat. Der Bauer kam freitags vom anderen Ende des Waldes hier entlang, mit Weißbrotteig. Den hat er sich beim Bäcker Stenz backen lassen." Heinz-Horst Bähren kennt einige solcher Geschichten. Alle haben mit dem Dohrer Busch zu tun.

Der 76-Jährige ist unmittelbar an dem Waldstück zwischen Dohr und Giesenkirchen groß geworden. Viel hat sich seither verändert: "Wir haben als Kinder zwischen den Birken unsere Häuschen gebaut. Von den Bäumen gibt es nur noch wenige. Keine Ahnung, warum sie verschwunden sind."

Kurz vor Weihnachten 2009 kam von der Stadt per Post die Bestätigung, dass sich der pensionierte Feuerwehrmann mit Zustimmung der Unteren Landschaftsbehörde um das Landschaftsschutzgebiet Dohrer Busch kümmern darf. Seither ist er ehrenamtlich mindestens zwei- bis dreimal in der Woche im Wald: "Ich will, dass der in Ordnung bleibt. Ich sammele zuerst den Müll auf, vom Hundetütchen bis zum Kühlschrank, der in den Wald gekippt wird." Im Vorbeigehen hebt er diesmal eine Bierflasche auf, die im Gras liegt. Er schmunzelt: "Das Pfandgeld ist quasi mein Lohn."

An einer umgestürzten Buche bleibt er stehen. Den mächtigen Stamm wird er nicht selbst zersägen können, das werden wohl die Männer vom Grünflächenamt tun. Bähren hat aber schon die Krone des Baumriesen entfernt: "Der Wurzelteller stört mich. Der muss noch weg. Das sieht nicht schön aus." Er mag es aufgeräumt in seinem Dohrer Busch. Beim nächsten Mal will er seine Axt mitbringen, denn einige Wurzeln könnten Stolperfallen sein. Sicherheit im Wald ist für ihn oberstes Gebot. So räumt er auch regelmäßig Äste von den Wegen.

Der Dohrer hat die Erlaubnis, Anzeigen zu schreiben, wenn sich jemand falsch verhält. Aber den Block lässt er daheim, "ich mache das lieber auf meine Art und rede mit den Menschen." Der bedächtig wie gemütlich wirkende Ehrenamtler hat auch diesmal Erfolg. Während er noch über die nächsten anstehenden Arbeiten nachdenkt, tobt eine Kinderschar des nahen Kindergartens Altenbroicher Straße vorbei. Freundlich klärt er die Erzieherinnen auf, dass der Dohrer Busch kein guter Spielplatz ist und sie besser den Wald verlassen sollten: "Sehen Sie hinauf in die Baumkronen. Da hängt viel Totholz. Das kann jeden Moment herunterfallen." Die Frauen bedanken sich und gehen, "auch wenn unsere Kinder gerade auch diesen Baumstamm lieben."

Majestätisch muten die Buchen an. Hohe Bäume, mächtige Kronen. Zu ihnen haben sich Eichen gesellt, Eschen und Ebereschen, aber auch Nussbäume: "Die haben die Eichhörnchen gesät." Der Wald spielt an diesem Morgen mit dem Licht. Durch das frische Grün sprudelt es förmlich zu Boden. Lichtflecke und Schatten. Das Muster ist ständig in Bewegung. Aber die Idylle trügt, meint Bähren: "Der Zustand des Dohrer Buschs war mal besser." Aber der Wald sei ja ständig in Bewegung: "Früher waren die Buchenbäume im Inneren des Busches gesünder, jetzt sind es die am Rand."

Bähren liebt den Wald, seit er denken kann. Deshalb hat er sich sofort gemeldet, als er damals den Aufruf in der Zeitung gelesen hat. Die Arbeit war ihm von Anfang an egal. Auch die Anfeindungen, die er immer wieder erlebt: "Es kommen immer wieder Sprüche wie ,Warum bist du so blöd und machst das?' Aber, was soll's?"

Wie groß das Waldstück ist, um das er sich kümmert, vermag er nicht zu sagen. Auch die Zahl der früheren Besitzer kennt er nicht, dazu sei die Aktenlage nicht eindeutig, "es waren sicher mehr als 50." Er weiß nur so viel: "Seit gut zwei Jahren gehört der Dohrer Busch der Stadt." Der Förster bat ihn damals, die Mitarbeiter des Umweltamtes zu begleiten - "er meinte, dass ich mich hier am besten auskenne".

Sich für den Dohrer Busch stark zu machen, sich für das Wohl anderer einzusetzen - das liegt ihm wohl im Blut. Bähren ist nicht nur bekennender Wanderfreund. Immer noch ist er in der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Über Jahrzehnte war er zudem Mitglied im Dohrer Fußballverein, "bis kurz vor dessen Auflösung, unter anderem Kassierer." Er ist auch im Vorstand des Dohrer Bürgervereins. Um den Dohrer Busch will er sich so lange kümmern, "wie ich kann." Und so lange wird man ihn dort antreffen. Vielleicht auf der Bank, die er mit einem Freund gebaut hat. Und vielleicht erzählt er dann von der "Driet Eek" im Garten von Illers - der älteste Baum im Dohrer Busch. Oder nochmal vom Beckers Büürke: "Den haben sie mal in der Badewanne aus dem Haus gezogen, als dort alles unter Wasser stand. Ein Boot gab es damals nicht." Möglich, dass er auch verrät: "Hinten im Busch gibt es eine Kuhle. Da lagen früher die Liebespärchen."

Quelle: RP
 
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