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Mönchengladbach
Im Namen der verschwundenen Rose

Mönchengladbach: Im Namen der verschwundenen Rose
Wer weiß, wo sie jetzt ist. Ob es sie überhaupt noch gibt? Sicher ist, als der Landschaftsverband das Haus an der Gartenstraße kaufte, wurde im Vertrag die Anwesenheit von Kunst an der Fassade nicht vermerkt. Und dann war sie verschwunden. FOTO: Anja Schurtzmann
Mönchengladbach. Per Zufall wurde die Abwesenheit der Blume, die einst das Gesundheitsamt an der Gartenstraße zierte, entdeckt. Die Verwaltung ging auf die Suche und meldete, das Kunstwerk sei im Haus gelagert und dann gestohlen worden. Von Inge Schnettler

Ob sie wirklich schön war - darüber lässt sich trefflich streiten. Das Gebäude, das sie zu zieren hatte, war es ganz sicher nicht. Das alte Gesundheitsamt an der Gartenstraße wurde umgebaut, hübsch gestrichen und enthält heute eine psychiatrische Tagesklinik des Landschaftsverbandes (LVR). Und die Rose - das Kunstwerk von Anna Woelfle-Fabricius? Weg, verschwunden, nicht mehr da. Aufgefallen ist die Abwesenheit der Blume aus Kupferblech der grünen Bezirksvertreterin Anja Schurtzmann Sie fragte nach. Und bekam eine verblüffende Antwort.

Die Verwaltung teilte nach Rücksprache mit dem LVR sinngemäß mit: Das Kunstwerk wurde abgebaut, im Gebäude gelagert - und bei einem Einbruch gestohlen. Da das Objekt in der Gebäudeakte nicht als Kunst vermerkt war und dies weder beim Verkauf noch bei Gesprächen mit der Entwicklungsgesellschaft EWMG thematisiert wurde, war nicht bekannt, dass es sich hierbei um ein Kunstwerk handelt. Deshalb erfolgte von Seiten der LVR-Klinik auch keine Meldung über den Diebstahl an die Stadt.

Da wird der Stadt ein Kunstobjekt gestohlen, und sie merkt es nicht einmal? Das ist die Reaktion von Anja Schurtzmann, und sie sagt: "Man könnte schmunzeln, wenn es nicht so tragisch wäre." Dank ihrer Anfrage weiß die Kulturverwaltung erst, dass das Kunstwerk abhanden gekommen ist. Wann es nach Mönchengladbach kam, was es gekostet hat? Das weiß im Moment niemand zu sagen.

Über die Künstlerin Anna Woelfle-Fabricius ist ebenfalls nur wenig bekannt. Geboren wurde sie 1906 in Köln, gestorben ist sie 1974 in Krefeld. Ihre künstlerische Ausbildung erhielt sie bei Professor Karl Albiker an der Staatlichen Akademie in Dresden. Das Studium beendete sie mit dem "Großen Preis der Abgehenden". Es folgten Studienaufenthalte in Italien und Griechenland. Seit 1946 lebte Anna Woelfle-Fabricius in Krefeld. In ihrer Werkstatt entstanden zahlreiche Plastiken und Porträts in Eisenguss. Sie schuf Brunnen und Wandgestaltungen in Bronze, Eisen, Kupfer und Edelstahl. So auch die Blüte aus Kupferblech für das Gesundheitsamt.

In diesem Zusammenhang merkt die grüne Ratsfrau Ulla Brombeis an, dass sie nur nach mehrmaligem Nachfragen von Kulturdezernent Dr. Gert Fischer einen "Übersichtskatalog der Kunst im öffentlichen Raum der Stadt Mönchengladbach" zur Verfügung gestellt bekam. Sie bemängelt, dass im Bestandsverzeichnis zahlreiche Kunstobjekte mit dem Vermerk "nicht inventarisiert" versehen sind. "Ich erwarte, dass Herr Dr. Fischer als zuständiger Dezernent dafür Sorge trägt, dieses gravierende organisatorische Defizit umgehend zu beheben. Hierfür ist er verantwortlich", sagt sie. "Alle öffentlichen Kunstobjekte sind zu inventarisieren."

Dazu äußert sich Gert Fischer: "In keiner einzigen Stadt sind alle Objekte im öffentlichen Raum zu 100 Prozent inventarisiert. Das kann niemand leisten." Die Herkunft ungezählter Objekte sei überhaupt nicht rekonstruierbar.

Schon häufiger hat es Knatsch um verlorene beziehungsweise zerstörte Kunst in Mönchengladbach gegeben. Erinnert sei an die Aktion des ehemaligen städtischen Kurators Hubertus Wunschik, der 2007 eine Koffer-Installation des Münchener Künstlers Wolfram P. Kastner auf den Sperrmüll beförderte. Oder - jüngeres Beispiel - das schwarze Wandrelief von Leo Müllenholz im ehemaligen Staatlichen Bauamt an der Viersener Straße, das mit dem Haus zusammen verschwunden ist.

Quelle: RP
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