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Serie Was Macht Eigentlich?
Immer lustig und mit viel Herzblut

Mönchengladbach. Udo Pohlen hat 34 Jahre in der Mönchengladbacher SPD Kommunalpolitik gemacht. Sein Schwerpunktthema: Schulpolitik. Doch der heute 73-Jährige hat noch vielseitige andere Interessen. Er war Bergsteiger, segelte über die Meere - und ist kreativer Geist im Holter Karneval. Von O. E. Schütz

Es waren kaum mehr als einige Minuten. Doch sie waren Auslöser, dass ein junger Mann seine politische Heimat etwas später in der SPD fand. "Ich machte nach dem Abitur 1964 ein neunmonatiges Praktikum in der Maschinenfabrik Monforts", erzählt Udo Pohlen. "Eines Tages ging ein Herr mit roter Nelke im Knopfloch durch den Betrieb. Ich habe ihn nicht weiter beachtet - und bekam anschließend vom Meister tüchtig den Marsch geblasen. Der Herr sei der Kaufmännische Leiter Dr. Reiners, den hätte ich gefälligst zu grüßen."

Udo Pohlen blieb nicht sehr lange bei Monforts. Doch das hatte nichts mit dem "Zwischenfall" und der Art, wie der Meister den unverzeihlichen "Fehltritt" dargestellt hatte, zu tun. Das Praktikum war für Pohlen nur eine geplante Zwischenstation vor dem Studium an der Pädagogischen Hochschule Neuss. Dort engagierte sich der junge Mann bald in der Studentenvertretung. Und weil die kurze Szene bei Monforts und der vom Meister vermittelte Eindruck ihm noch immer im Gedächtnis hafteten, ging er zum Sozialdemokratischen Hochschul-Bund, kurz SHB. Der stand der SPD nahe, geriet später mit ihr in Konflikt und benannte sich in Sozialistischer Hochschulbund um.

Udo Pohlen ist aber kein strammer Linker geworden, sondern ein "normaler", überzeugter Sozialdemokrat. Geschätzt als fairer Verhandlungspartner in den dreieinhalb Jahrzehnten seines Engagements nicht nur bei der eigenen Partei, sondern auch vom politischen Gegner. Ein Kommunalpolitiker, der das Amt als Dienst für die Menschen in der Stadt sieht. Dass dabei das Thema Schule im Vordergrund stand, verwundert nicht bei einem Mann, der Lehrer war - wie schon sein Vater.

Ein Mann, auf dessen Wort man sich verlassen kann. Wenn sie dies nicht längst sicher gewusst hätte - allerspätestens 2004 hätte Barbara Pohlen, Lehrerin wie er, keinen Zweifel mehr daran gehabt. Da nämlich machte ihr Mann das wahr, was er ihr ein paar Jahre vorher "in die Hand versprochen" hatte: "Mit 65 ist für mich Schluss mit der Politik. Sie hat es nicht glauben wollen, aber wir haben es geschafft", erzählt der inzwischen 73-Jährige. Ist es schwergefallen? "Jein", sagt Pohlen: "Ja, weil die Kommunalpolitik mir viel Spaß machte und ich in Partei und Fraktionen im Lauf der Jahre schon einigen Einfluss bekommen hatte. Nein, und das war letztlich ausschlaggebend, weil ich so endlich mal auch Zeit für meine Familie und mich hatte."

Doch er blickt immer noch zufrieden auf das, was er und seine Partei in den drei Jahrzehnten seines politischen Wirkens erreicht haben, ganz besonders in der Schulpolitik mit ihm als Sprecher in den entsprechenden Ratsauschüssen: "Die Entwicklung der Gesamtschule in Mönchengladbach ist mit auf meinem Mist gewachsen", sagt er, einmal nicht so bescheiden. "Dass wir hier heute sechs Gesamtschulen haben, ist eine Mönchengladbacher Erfolgsgeschichte." Die nicht von ungefähr gekommen ist, sondern dank intensiver Arbeit und letztlich Überzeugungskraft in der Diskussion vor allem mit der CDU. "Dass dabei andere Schulen geschlossen wurden, war immer schmerzlich. Doch man kann nicht ständig nur neue Schulen bauen", war ein Argument Udo Pohlens. Fünf der heute sechs Gesamtschulen sind zu seiner Zeit im Stadtrat beschlossen worden: Espenstraße, Volksgartenstraße, Hardt, Neuwerk und Mülfort. Später kam dann noch die Gesamtschule Stadtmitte hinzu.

Die erste in MG war Udo Pohlens letzte berufliche Station: Er war 1986 als Gründungsmitglied des Lehrerkollegiums an der Espenstraße ein Mann der ersten Stunde dieser Schulform in Mönchengladbach und ging 1999 als Rektor und Ganztags-Koordinator in den Ruhestand. "Den Aufbau einer solchen Schule kann man nicht so nebenbei schaffen. Da muss man viel investieren. Es ist sehr zeitaufwendig", sagt er. "Ich bin vom Konzept Gesamtschule überzeugt, war mit sehr viel Herzblut dabei. Das gilt auch für die Sonderschulen, vor allem bei den Schulen für geistig Behinderte, die an der Brückenstraße und an der Dahlener Straße entstanden. "Sehr gefreut habe ich mich über die vorbildliche Zusammenarbeit der Gesamtschule Hardt mit geistig Behinderten."

Udo Pohlen, 1970 in die SPD eingetreten, wurde 1975 nach der Kommunalreform von seiner Partei gleich in zwei Wahlkämpfe geschickt: den für den Stadtrat im Wahlkreis Hermges-Dahl-Ohler, und dann auch noch bei der Landtagswahl. Doch angesichts eines damals in Mönchengladbach noch traditionellen Stimmanteils der CDU von knapp 60 Prozent war Udo Pohlen chancenlos gegen den Christdemokraten Helmut Harbich.

Quelle: RP
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