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Mönchengladbach
Impfung ist auch für Erwachsene wichtig

Mönchengladbach. Immer wieder sorgen Masern-Ausbrüche wie jetzt in der Stadt Duisburg für Aufregung. Jeder sollte seinen Impfstatus überprüfen. Eine Empfehlung, die die Mönchengladbacher Mediziner Ralph Köllges und Klaus Laumann aussprechen. Von Angela Rietdorf

Masern gelten als Kinderkrankheit. Der Ausdruck klingt harmlos und fast verspielt. "Masern sind aber nicht harmlos", betont Ralph Köllges, Mönchengladbacher Kinder- und Jugendarzt und Präventionsbeauftragter der nordrheinischen Kinderärzte. "Sie werden Kinderkrankheit genannt, weil sie so hochansteckend sind, dass fast jeder, der nicht geimpft ist, sie im Kindesalter bekommt." Seit längerem versucht die WHO, die Weltgesundheitsorganisation, die Masern auszurotten. In den USA ist das gelungen, weil die Impfrate der Bevölkerung hoch genug ist. In Deutschland dagegen kommt es immer wieder zu Ausbrüchen wie zuletzt in Duisburg. Oder 2015 in Berlin, wo sogar ein Todesfall zu beklagen war.

Masern sind als solches schon schlimm genug: die Krankheit geht mit hohem Fieber und schwerem Krankheitsgefühl einher. "Die Kinder sind verrotzt, verheult, verquollen", fasst Ralph Köllges die Symptome drastisch, aber treffend zusammen. Zum Hautausschlag gesellen sich oft Husten und Schnupfen. Dazu kommen bei Masern häufig Komplikationen wie Mittelohr- und Lungenentzündung. Gefürchtet ist die Hirnhautentzündung, die in einem von 1000 bis 5000 Fällen auftritt. Besonders heimtückisch ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (SSPE), die zwar selten auftritt, aber bundesweit immer wieder zu Todesfällen führt. Dabei schläft der Erreger nach einer überstandenen Maserninfektion im Körper des Betroffenen und wird nach einigen Jahren wieder aktiv. Es kommt zur nicht behandelbaren, immer tödlich verlaufenden SSPE. Das müssen all jene wissen, die ihre Kinder nicht impfen lassen. "SSPE tritt nur nach einer Maserninfektion, nicht nach einer Impfung auf", unterstreicht der Impfexperte. Köllges ist - auch aus diesem Grund - ein vehementer Verfechter der Impfung und lässt in seiner Praxis keine Patienten zu, die nicht geimpft sind. "Zwischen dem Abklingen des Netzschutzes, den ein Baby von seiner Mutter mitbekommt, und der ersten Impfung im Alter von elf Monaten entsteht eine Lücke, in der die Babys anfällig sind", erklärt er seine Haltung. Deshalb müsse jeder Kontakt mit Trägern des Masern-Erregers so gut wie möglich verhindert werden.

Die Impfquote in Mönchengladbach ist zufriedenstellend: Bei der Schuleingangsuntersuchung sind mehr als 95 Prozent der Kinder, von denen ein Impfheft vorliegt, zum zweiten Mal geimpft. Eine gute Quote, aber im Vorjahr legten nur 82,5 Prozent ein Impfheft vor. Das heißt, die Anzahl der nicht geimpften Kinder kann höher ausfallen. Außerdem kann es zwischen der ersten und der zweiten Impfung zu einer größeren Lücke kommen. Die zweite Impfung sollte zwischen dem 15. und 23. Monat erfolgen, tatsächlich werden die Kinder oft erst später geimpft. "Bisher hatten wir in Mönchengladbach Glück, der letzte Masernfall liegt drei Jahre zurück", sagt Dr. Klaus Laumen, Leiter des Gesundheitsamtes. "Aber es ist wichtig, dass jeder nach 1970 Geborene seinen Impfstatus überprüft und sich gegebenenfalls impfen lässt." Er hält ebenso wie der Kinderarzt nichts von einer Impfpflicht, weist aber darauf hin, dass es Betreiber von Kindergärten gibt, die keine ungeimpften Kinder aufnehmen. Außerdem gab es schon Fälle, in denen Kitas geschlossen werden mussten, nicht weil das Gesundheitsamt das so wollte, sondern weil nicht nur Kinder, sondern auch Erzieherinnen, die keinen Immunschutz hatten, an den Masern erkrankt waren.

Natürlich ist auch eine Impfung wie alles in der Medizin nie 100-prozentig risikolos. Aber die Impfstoffe in Deutschland werden sehr gründlich geprüft. "Die Behörden sind wirklich pingelig", sagt Laumen. In der Praxis zieht Köllges folgendes Fazit: "Wir impfen im Jahr im hohen fünfstelligen Bereich und haben seit Jahren keine Rückmeldung über echte Probleme bekommen."

Quelle: RP
 
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