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Mönchengladbach
Impuls für ein verändertes Museumsverständnis

Mönchengladbach: Impuls für ein verändertes Museumsverständnis
Susanne Titz, Leiterin des Museums Abteiberg, referierte im Museum Schloss Rheydt über Gegenwartskunst. FOTO: Detlef Ilgner
Mönchengladbach. Im Museum Schloss Rheydt sprach Susanne Titz über Tendenzen der Gegenwartskunst und erinnerte an Cladders. Von Angela Wilms-Adrians

Das spektakuläre Guggenheim Museum Bilbao wurde zum Glücksfall für die spanische Stadt. Sie steht seitdem beispielhaft dafür, dass Kunst zum wirtschaftlichen Aufschwung führen kann. Beim Gastvortrag über Tendenzen der Gegenwartskunst konzentrierte sich Susanne Titz auf Aspekte des von ihr geführten Museums Abteiberg, doch auf diesen Hinweis mochte sie nicht verzichten. Denn in Mönchengladbach hatte schon wesentlich früher als in Bilbao eine Entwicklung eingesetzt, die 1982 in die Eröffnung des Hollein-Baus mündete und immer noch nachwirkt. Die Referentin war auf Einladung der Otto-Von-Bylandt-Gesellschaft gekommen, die wiederum mit dem Wissenschaftlichen Verein kooperiert. Bei der Begrüßung betone Bylandt-Vorsitzender Rolf Keuchen, dass die Fördervereine der beiden großen Mönchengladbacher Museen eine engere Zusammenarbeit beschlossen haben, um so gestärkt "ein bisschen Kulturpolitik" betreiben zu können.

Titz führte ihre Zuhörer im Rittersaal zunächst zurück in die 1960er Jahre und damit in eine Zeit, als vieles hinterfragt wurde - eben auch die museale Präsentation. Sie berichtete, wie der frühere Museumsleiter Johannes Cladders die Einladung des belgischen Künstlers Marcel Broodthaers ins "falsche Museum", ein Kunstprojekt, angenommen hatte und seinen Text "Schüttelt den Staub ab" vortrug. "Es hat sich in Mönchengladbach ereignet, dass ein Museumsdirektor sagte: ,So kann man Museen nicht mehr bauen'", betonte die Referentin. Dabei verwies sie auf den einst üblichen Museumsbau, der Kunstgeschichte entlang Räumen chronologisch darzustellen versuchte. "Hier ist ein Museum, das ganz anders ist, das nicht mehr auf Abfolge setzt, wo jeder geleitet wird, sondern auffordert, sich zurechtzufinden. Das ist ein Programm, das Cladders in Gesprächen mit Künstlern und dem Architekten Hollein entwickelte", so Titz. Sie erinnerte an Holleins 1970 gezeigte Ausstellung zum Thema Tod im noch alten Städtischen Museum an der Bismarckstraße. Darin habe der Künstler gegenwärtige Dinge wie die Zeugnisse einer archäologischen Suche hinterfragt. Auch daraus habe sich die Idee für das neue Museum entwickelt.

Titz verwies auf die aktuelle Ausstellung "Von da an. Räume, Werke, Vergegenwärtigungen des Antimuseums 1967 - 1978". Dafür sind Räume an der Bismarckstraße temporär wiederbelebt worden, während die Ausstellung einen zweiten Ort im Museum Abteiberg hat. Die Museumsleiterin ist überzeugt, dass dies im Sinne von Cladders ist, der in Ausstellungen alte Sammlungen ins Spiel brachte und Querverbindungen von Zeiten herstellte. Themen ihres Vortrags waren auch die belebende Kraft des Abteiberg-Museums auf junge Künstler und dessen "schwierige Situation in der dritten Reihe". Dank des Rahmenplans Abteiberg sieht die Museumsleiterin eine Bewegung. "Ich bin gespannt, wie diese abläuft", sagte sie und fügte hinzu: "Vielleicht wird das Museum Abteiberg tatsächlich eine Rolle mitten in der Stadt spielen, wie es Hollein wollte."

Quelle: RP
 
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