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Mönchengladbach
Integration verändert die Schule für alle

Mönchengladbach. In der Gesamtschule Espenstraße werden Flüchtlingskinder nach einem eigenen Konzept unterrichtet. Die Schüler sollen möglichst viel Zeit in ihrem Klassenverband verbringen. Denn in der Gemeinschaft gelingt die Integration eher. Von Angela Rietdorf

Drilon ist 13 und erst seit vier Monaten an der Gesamtschule Espenstraße. Der Junge aus dem Kosovo spricht überraschend gut Deutsch und lernt schon auf höherem Sprachniveau als seine Mitschüler in der internationalen Vorbereitungsklasse, die erst seit einigen Wochen dabei sind. Drilon macht Übungen zum Textverständnis und schreibt kleine Dialoge. Zehn Stunden in der Woche hat der Dreizehnjährige, der mit seinen Eltern und einem kleinen Bruder in einem Flüchtlingsheim lebt, intensiven Deutschunterricht. Die anderen Schulstunden macht er in seiner Stammklasse mit.

Mathe und Geschichte sind seine Lieblingsfächer. Er liest viel, er spielt Fußball, und er hat ein großes Ziel: Er will Archäologe werden. Seine Augen leuchten, als er seinen Berufswunsch nennt. Drilon fühlt sich wohl an der Gesamtschule Espenstraße, das merkt man. Ja, er kommt mit seinen Klassenkameraden gut aus, bestätigt er.

Drilon ist einer von 30 Schülerinnen und Schülern, die die internationale Vorbereitungsklasse besuchen. Die Schüler sind denkbar verschieden: Sie stammen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen, sie sprechen verschiedene Sprachen, und sie haben ein unterschiedliches Alter. Keineswegs alle sind Flüchtlinge: Es gibt Kinder aus Polen oder anderen EU-Ländern, deren Eltern zum Arbeiten nach Deutschland gekommen sind, genauso wie Kinder aus dem Libanon, Syrien oder eben dem Kosovo. Die Gesamtschule Espenstraße hat ein eigenes Konzept entwickelt, um diese Kinder und Jugendlichen möglichst gut zu integrieren. Ein Konzept, das auf Dauer allen Schülern zugutekommen soll.

Angefangen hat alles mit einer Vorbereitungsklasse, in der zwanzig Stunden Deutschunterricht erteilt wurden. Nur die Randstunden verbrachten die neuen Schüler mit ihren übrigen Mitschülern. "So blieben die Schüler der Vorbereitungsklasse meist unter sich, auch in der Pause", sagt Ralf Reddmann, der Deutsch als Fremdsprache lehrt und einschlägige Erfahrung aus ähnlicher Tätigkeit in Duisburg mitbringt. "Außerdem brachten sie unterschiedliche Voraussetzungen mit und lernten unterschiedlich schnell."

Also ging man daran, den Stundenplan der Schüler zu individualisieren. Keine leichte Aufgabe, denn die Zeiten der Deutschkurse mussten zum übrigen Stundenplan der Schüler passen. Heraus kam eine Art Kurssystem. "Wir haben immer schon Förderunterricht gehabt", erklärt Schulleiter Peter Blomert. "Aber es ging dabei immer darum, die Schüler möglichst rasch an das existierende System heranzuführen. Jetzt stellt sich im Zusammenhang mit Inklusion und Integration die Frage, wie sich das System Schule ändern muss." Die beiden Zielsetzungen Inklusion und Integration seien damit ein Motor für die Unterrichtsentwicklung. Der individualisierte Unterricht soll nicht auf die Flüchtlingskinder begrenzt bleiben, sondern möglichst auf alle ausgeweitet werden.

Die Schüler der Vorbereitungsklasse haben je nach Bedarf zwischen zehn und fünfzehn Stunden Sprachförderung, die restliche Zeit verbringen sie in ihren Klassen. "Da wurden sie grandios aufgenommen, und auch ohne unser Zutun hat sich eine Art Tutorensystem gebildet, mit dem die neuen Schüler unterstützt werden", stellt Blomert fest. In der Klassengemeinschaft gelingt die Integration schneller. Die Situation ist für die Schule ohnehin nicht ganz neu. An der Gesamtschule Espenstraße werden Schüler aus 37 Nationen unterrichtet, mit unterschiedlichen Sprachen und kulturellen Traditionen hat man also Erfahrung. Und hat darauf mit Förderunterricht und Sozialpädagogen, Beratungsangeboten, Binnendifferenzierung und jetzt mit Individualisierung reagiert. Mit Erfolg, wie es scheint.

Quelle: RP
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