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Mönchengladbach
Islamisten werben Jugendliche an

Mönchengladbach: Islamisten werben Jugendliche an
Sven Lau attackiert die Medien im Internet. FOTO: Screenshot Youtube
Mönchengladbach. Schon seit Monaten sollen Mitglieder und Anhänger des Vereins "Einladung ins Paradies" für ihr islamisches Zentrum in Mönchengladbach intensiv Werbung machen. Sie richten sich vor allem an Jugendliche und Kinder. Der Verfassungsschutz beobachtet die Aktivitäten genau. Von Gabi Peters und Tina Stockhausen

"Erlebe Promis, Gewinnspiele und vieles mehr. EZP e.V. Mönchengladbach" – so steht es auf der Visitenkarte, die eine Mönchengladbacher Ärztin einem kleinen Jungen in ihrer Praxis abgenommen hat. Die Ärztin praktiziert in dem Stadtteil, in den die umstrittene Islamschule Braunschweig des EZP-Vereins ziehen will.

Sie berichtet, dass bereits im Mai ein Mann in traditioneller muslimischer Kleidung in ihrem Wartezimmer einen zwölfjährigen Jungen angesprochen hatte. "Der Junge war allein da, und meine Mitarbeiterin hörte, wie der Mann ihn einlud vorbeizukommen", erzählt sie. "Es gebe dort tolle Sachen. So könne er zum Beispiel Boxen lernen."

Bereits seit Jahren beobachtet der Verfassungsschutz den EZP-Verein, der die salafistische Ideologie propagiert, die den Nährboden für radikalen und gewaltbereiten Islamismus bieten soll. Mit dem Umzug der Islamschule Braunschweig nach Mönchengladbach will der Verfassungsschutz NRW seine Beobachtungen intensivieren, um zu verhindern, dass vor allem junge Menschen radikalisiert werden. "Die Botschaften salafistischer Prediger sprechen bewusst auch junge Erwachsene an, besonders die, die sich in einer Krisensituation befinden oder deren Selbstfindungsphase noch nicht abgeschlossen ist", sagt Verfassungsschutz-Chefin Mathilde Koller. "Das nutzen Salafisten aus."

Anwohner der Moschee in Mönchengladbach berichten, dass der Verein schon vor ein paar Monaten zu einem Kinderfest in dem Stadtteil eingeladen habe. Außerdem sind die Vereinsmitglieder regelmäßig mit Infoständen in der Stadt vertreten. "Wir haben deutschlandweit Informationsstände, weil wir überall Leute haben, die unsere Sache unterstützen. Viele machen Werbung für uns, ohne dass wir es wissen", sagte Sven Lau, stellvertretender Vorsitzender des EZP-Vereins dazu gestern.

Der Verfassungsschutz kann bei den Aktivitäten des Vereins nicht eingreifen, sondern nur beobachten. Dafür stehen ihm rechtliche Mittel zur Verfügung, beispielsweise die Observation von Personen und der Einsatz von so genannten V-Leuten: Anhänger der beobachteten Organisation werden vom Verfassungsschutz angeworben und berichten über interne Planungen. "Erfahren wir von geplanten Straftaten, können wir das natürlich weitergeben", erklärt Maren Brandenburger, Sprecherin des niedersächsischen Verfassungsschutzes, der den Verein in Braunschweig seit Jahren beobachtet. "Jährlich veröffentlichen wir einen Bericht über unsere Ergebnisse."

Die Berichte des Verfassungsschutzes haben bereits zu Polizeiaktionen gegen den EZP-Verein geführt. So wurden die Räume des Vereins in Mönchengladbach und Braunschweig im Januar dieses Jahres bei einer bundesweit angelegten Razzia durchsucht. Gefahndet wurde nach dem Büchlein "Frauen im Schutz des Islam", das Gewalt gegen Frauen rechtfertigt und von der Medienprüfstelle für jugendgefährdende Schriften kurz zuvor auf den Index gesetzt worden war. Aber auch Notebooks und Datenträger wurden laut dem EZP-Prediger Pierre Vogel (Abu Hamsa) beschlagnahmt. Die Durchsuchungen, die das Amtsgericht Stuttgart angeordnet hatte, richteten sich vor allem gegen ihn, Muhammed Ciftci (Abu Anas) und den Mönchengladbacher Sven Lau (Abu Adam).

Dass der Verein im Visier des Verfassungsschutzes steht und ins Kreuzfeuer der Kritik geraten ist, werde die Aktivitäten nicht bremsen, erklärte Lau gestern. "Wir stehen zu unserer Sache. Wir werden von vielen als Terroristen abgestempelt. Aber Terror hat keinen Glauben." Lau, der konvertiert ist, wirbt selbst intensiv für neue Übertritte zum Islam und richtet sich dabei an Prominente wie den DSDS-Star Menowin Fröhlich. Auch Rapper Bushido wurde von Pierre Vogel mehrfach aufgefordert, dem EZP-Verein beizutreten. Stars, die vor allem Jugendliche ansprechen.

In Niedersachsen kann man sich gut vorstellen, dass sich der Verein in NRW vergrößern will. "Die Räume in Mönchengladbach sind ja schon mal größer", sagt Brandenburger. "Mag sein, dass der Verein seine Mitgliederzahl erhöhen will."

Quelle: RP
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