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Mönchengladbach
IT-Experte kämpft gegen seltene Nervenerkrankung

Mönchengladbach. Der Gründer der Guillain-Barré-Syndrom-Initiative, Albert Handelmann, feiert am 9. März seinen 70. Geburtstag. Von Dirk Richerdt

Sein Berufsleben war für Albert Handelmann wunschgemäß angelaufen. Es begann mit der Lehre zum Kfz-Mechaniker, setzte sich fort mit Weiterbildung auf den Gebieten der Elektronik, Radar- und Computertechnologie bei der Bundesluftwaffe, danach folgte die Arbeit für ein amerikanisches IT-Unternehmen und als Fachlehrer im technischen Bereich. Bis er mit 51 Jahren von einer seltenen Erkrankung des Nervensystems, dem Guillain-Barré-Syndrom (GBS), betroffen wurde. "Dabei handelt es sich um eine Entzündung der peripheren Nerven, die zu Lähmungserscheinungen führt", sagt der seit 1980 in Gladbach lebende Handelmann.

Mehr als drei Jahre benötigte er für Therapie und Reha, dann wurde er, halbwegs genesen, aktiv, um nun anderen von GBS betroffenen Patienten beizustehen. Der 1946 in Hildesheim Geborene rief 2001 die "GBS Initiative" ins Leben. Heute, berichtet Handelmann, zählt der Verein, der neben der Hauptstelle in Gladbach auch eine Geschäftsstelle in Berlin hat, an die 1000 Mitglieder. Seinem Einsatz ist maßgeblich zu verdanken, dass es in Deutschland inzwischen ein Netzwerk ehrenamtlicher Helfer gibt, die am Guillain-Barré-Syndrom leidende Patienten in Krankenhäusern besuchen und sie mit wichtigen Informationen versorgen. Handelmann, der aufgrund seiner beruflichen Kontakte über gute Englischkenntnisse verfügt, übersetzte wissenschaftliche und Patienten-Broschüren ins Deutsche. Bis vor einem Jahr war Albert Handelmann noch Bundesvorsitzender dieser Patienten-Hilfsorganisation in Deutschland, und er freut sich schon darauf, im September zum nächsten internationalen GBS-Gruppentreffen nach San Antonio (Texas) zu fliegen. "Dort werden meine Frau und ich wieder viele gute Bekannte aus aller Welt treffen", sagt Handelmann, der Mitglied der Internationalen Stiftung GBS/CIDP (USA) ist. Ein anderer bekannter Gladbacher, Prof. Dr. Günter Krings (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesinnenminister, ist Schirmherr der Deutschen GBS-Initiative.

Vor gut fünf Jahren verlieh der Bundespräsident Albert Handelmann das Bundesverdienstkreuz am Bande, das der damalige Oberbürgermeister Norbert Bude ihm am 21. Januar 2011 überreichte. "Ich betrachte mein Engagement als Selbstverständlichkeit und wollte eigentlich gar keine Auszeichnung", erinnert sich Albert Handelmann zurück. Doch es gab hartnäckige Fürsprecher für diese Ehrung, besonders aus der Gewerkschaft ver.di, der Handelmann nicht angehört.

Am 9. März wird der Fachbuchautor, der gern historische Bücher liest und auf Reisen geht, 70 Jahre alt. "Vor Ausbruch meiner Erkrankung 1997", erzählt er, "hatte ich auch begeistert Squaredance praktiziert. Das geht leider nicht mehr."

Quelle: RP
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