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Mönchengladbach
Jackson: Tränen zum Abschied
Mönchengladbach: Jackson: Tränen zum Abschied
Mit herzlichen Worten verabschiedete Oberbürgermeister Norbert Bude den Generalmusikdirektor. Der Brite Graham Jackson war in Mönchengladbach in neun Jahren mit seiner Familie heimisch geworden, er war dem Brauchtum aufgeschlossen, outete sich als Borussia-Fan ( FOTO: Andreas Baum / Raupold/Ilgner/KN
Mönchengladbach. Samstag fliegt der scheidende Generalmusikdirektor Graham Jackson zurück nach England. Beim Abschied hörte der sehr beliebte, schwer erkrankte Musiker vielfach großes Lob und gab den Dank an sein Mitarbeiter-Team weiter. Beim letzten Konzert weinten Zuschauer vor Rührung. Von Dirk Richerdt

Drei von vier Durchgängen des letzten Sinfoniekonzerts der Saison hat Generalintendant Michael Grosse besucht. Für einen Intendanten rekordverdächtig. Der Grund: Grosse findet es "wichtig, in beiden Städten unseren Generalmusikdirektor Graham Jackson zum Abschied zu würdigen".

Das tat er erstmals am Dienstagabend in Krefeld, Mittwoch dann im Konzertsaal in Rheydt und schließlich Donnerstag in der Kaiser-Friedrich-Halle. "Mit Herrn Jackson geht eine substanziell hochinteressante und aufregende Ära zu Ende", sagte der Intendant. Grosse dankte dem gerührten Jackson am Dirigentenpult für seinen "vorbildlichen Einsatz", so für seine Initiative für die Einrichtung "Composer in Residence".

Der Komponist, der davon eine Spielzeit lang profitiert hatte, Stefan Heucke, saß in einer vorderen Reihe beim Konzert in der Kaiser-Friedrich-Halle. "Ich habe "immer seine einfache, direkt auf den Kern der Komposition gerichtete Art geschätzt", sagte Grosse und urteilte: "Graham Jackson ist ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle." Einer, der immer an die Kunst und nicht an sich selbst gedacht habe. Da war der Geehrte den Tränen nahe.

Jackson fand wieder zum Lächeln zurück, als Grosse auf den Fußball zu sprechen kam. "Ich bin gespannt, wofür Jacksons Herz schlagen wird, wenn Borussia 2013 wieder international spielt und dann auf einen englischen Klub trifft", schürte Michael Grosse Spannung. Unvergessen sind Jacksons Besuche im Borussiapark, stilecht angetan mit Fan-Insignien wie dem Borussenschal.

"Was für ein grandioses Konzert!", zeigte Oberbürgermeister Norbert Bude nach dem Schlussakkord der "Symphonie fantastique" und anhaltendem Applausgewitter seine persönliche Begeisterung. Bude erinnerte in seiner Funktion als Aufsichtsratsvorsitzender der Bühnen an Jacksons Lebensstationen, vor allem an die neun Jahre, die er hier mit seiner Familie verbracht hat. Hier habe Jackson viele Freunde gefunden und zum Beispiel "keine Berührungsängste mit dem Karneval gezeigt". "Die Karnevalskonzerte des MKV, die Jackson geleitet hat, waren legendär", bestätigte auch der Intendant. Bude dankte dem Chefdirigenten der Niederrheinischen Sinfoniker besonders für seinen Einsatz für Kinder und Jugendliche, für "Leidenschaft und Engagement".

Noch nie sei er neun Jahre lang an einem Ort gewesen, bekannte Graham Jackson. "2003 kamen wir mit vier kleinen Kindern hierher, jetzt haben wir vier Teenagers", ergänzte er. "Wir fühlen, dass wir Niederrheiner geworden sind", folgte das Bekenntnis des britischen Musikers, der in Gladbach gewohnt hat.

Nach dem Sinfoniekonzert in Rheydt hatten der Verein "Freunde des Theaters" und die Mitglieder des Orchesters, des Opernchores und weitere Mitarbeiter im Theatercafé Linol in einer internen Feier den GMD verabschiedet. Die Theaterfreunde schenkten Jackson einen sogenannten Beethovenstuhl. Dies ist ein ganz spezieller Klavierstuhl, der den 44-jährigen Dirigenten an seine Zeit in Mönchengladbach und besonders an die "Freunde des Theaters" erinnern soll. Orchestervorstand Leo Niederehe erinnerte daran, "dass wir ungefähr 500 Abende zusammen musiziert haben", und bekräftigte: "Wir haben uns immer bei Ihnen aufgehoben gefühlt!" Zum Abschied überreichte der Kontrabassist Jackson die Partitur zur Verdi-Oper "Don Carlo", die er hier erarbeitet hat.

Die persönlichsten Worte fand der Geehrte selbst und ganz am Schluss seiner langen Danksagungs-Kette: An seine Frau Adrienne gerichtet äußerte Graham Jackson: "Du warst immer für mich da, du bist immer für mich da, und du wirst immer für mich da sein! Danke!" – Da schluchzten auch etliche im Auditorium mit dem Ehepaar, das sich oben auf dem Podium in den Armen lag.

Quelle: RP/rl
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