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Serie Denkanstoss
Jede Lebensspur bleibt

Mönchengladbach. Zur Würde der Person gehört auch der angemessene Umgang mit den Toten. Von Klaus Hurtz

Der hl. Josef zählt zu den Heiligen, über deren Leben wir nicht wirklich allzu viel wissen. Immerhin dürfte unstrittig sein, dass er gelebt hat; und die in den Evangelien berichteten Ereignisse in der Kindheit Jesu weisen auf einen wichtigen Grundcharakterzug von ihm hin: Auf veränderte Situationen findet er überraschend schnell eine prägnante, richtige Antwort, auch wenn er manchmal dazu der Hilfe des Himmels bedarf.

Vielleicht förderte sein Beruf diese Eigenschaft. Gemeinhin denken wir uns Josef als Zimmermann, aber dies ist eine Engführung und kann uns auf eine falsche Fährte locken. In der Heiligen Schrift wird er als "Tekton" bezeichnet, was damals alle Tätigkeiten beim Hausbau umfasste, wozu auch die Grundgerätschaften gehörten, die man unbedingt zum Leben brauchte (Tür, Schwelle, Schemel, Pflug, Joch u.ä.). Ein Tekton wusste mit Holz und Steinen umzugehen; in vielen Gleichnissen Jesu ist auf diese Weise die Welt des hl. Josefs präsent. Er war eben ein "Allroundhandwerker", der sich immer wieder den verschiedensten Herausforderungen stellen musste und nach guten, vernünftigen Lösungen suchte.

Daher bin ich überzeugt, dass ihm sehr gefällt, wenn wir heute den Trostraum St. Josef, Grabeskirche, seiner neuen Bestimmung übergeben. Natürlich bleibt es eine Wunde, dass wir in einer Gesellschaft leben, die meint, Kirchenraum nicht mehr in dem Maße zu benötigen. Doch umso mehr müssen wir uns dieser neuen Herausforderung stellen und eine angemessene Antwort auf die veränderte Situation finden. Denn im Schwinden des Gottesraumes hat sich auch in einem anderen Bereich ein dramatischer Wandel vollzogen: In unserer Begräbniskultur.

Eigentlich war bis vor wenigen Jahrzehnten den Menschen bewusst, dass zur Würde der Person auch und gerade der angemessene Umgang mit den Toten gehört; dass jedes Leben, so kurz oder problematisch es gewesen sein mag, eine kostbare unauslöschliche Spur hinterlässt; dass es ein Zeichen der Liebe ist, den Seinen einen Ort der Trauer zu schenken; dass unsere Verstorbenen letztlich nur in der Hand Gottes geborgen sind. Doch dieses Wissen scheint sich immer mehr zu verlieren, immer mehr Menschen meinen, dass sich besser ihr Leben in der Anonymität des Todes auflöst. Wind soll die Asche verwehen, Gras über das Leben wachsen.

Die Überlieferung sagt uns, dass der hl. Josef in den Armen von Jesus und Maria gestorben ist. Wer so einzigartig von dieser Welt scheiden darf, der wurde zum Patron der Sterbenden erkoren; und so wird bis heute der hl. Josef um eine gute Sterbestunde angerufen. Deswegen wird ihm besonders eine gute Bestattungskultur wichtig sein, und es ist an uns Christen, sie in der heutigen Welt zu gewährleisten. Denn auch das wussten frühere Generationen besser als wir Heutigen: Sterben und Tod, Zeit und Ewigkeit schenken dem Leben hüben wie drüben Sinn und Würde, Einzigartigkeit und Bestand. Und genau diese Botschaft feiern wir doch am Fest Christi Himmelfahrt: Jede Lebensspur bleibt, weil sie sich immer in den Himmel hinein weitet!

DER AUTOR IST PFARRER VON ST. MARIEN RHEYDT.

Quelle: RP
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