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Mönchengladbach
Jeder Fünfte Mitglied im Sportverein

Mönchengladbach. Der Stadtsportbund informierte über den Zustand und die Pläne der Vereine. Von Karsten Kellermann

Das Jahr 2015 stand beim Stadtsportbund (SSB) im Zeichen der personellen und strukturellen Neusortierung. "Wir haben uns in allen Bereichen professionalisiert", resümiert Axel Tillmanns das erste Jahr seiner Geschäftsführertätigkeit. Es gibt eine neue Satzung, die Ausrichtung der Dachorganisation des städtischen Sports ist anhand eines Leitfadens klar definiert und eng an den Bedürfnissen der Vereine orientiert. So wurden 2015 knapp 600 Übungsleiter aus- und fortgebildet, 2014 waren es noch 264. "Die Neuausrichtung trägt schon erste Früchte", sagte Tillmanns. Es gibt auch neue Kooperationen, unter anderem mit Schulen und der Sozialholding, um Synergieeffekte zu schaffen.

Bei der Mitgliederversammlung, die turnusmäßig alle drei Jahre stattfindet, ging es Präsident Wolfgang Rombey, der wie sein Vize Christof Wellens nun fix für drei Jahre inthronisiert ist, um Offenheit. Sein Vortrag war eine Art Seelenschau der größten Bürgerbewegung der Stadt - und ein Eingeständnis: Die 207 im SSB organisierten Sportvereine haben in der Summe 118.264 Mitglieder. Danach sind 46 Prozent aller Gladbacher im Sportverein. "Der Pferdefuß ist, dass diese Quote über 75.000 Borussen-Fans enthält", sagte Rombey. "Rechnet man diese ab, bleiben circa 46.000 Mitglieder in den anderen 206 Vereinen." Das bedeutet: Tatsächlich sind nur 18 Prozent der Bürger im Sportverein organisiert. Also nicht nahezu jeder Zweite, sondern nur knapp jeder Fünfte.

"Im Vergleich zum Landesdurchschnitt von 25 Prozent liegen wir am unteren Ende der Skala", gestand Rombey. Zudem: Seit 1995 hat der Stadtsportbund angesichts der demografischen Entwicklung 10.000 Mitglieder verloren. Zwar ist der Rückgang im Kinder- und Jugendbereich weniger dramatisch als bei den Erwachsenen, doch definierte Rombey die Aufgabe der Dachorganisation des Gladbacher Sports eindeutig: "Der Trend der sinkenden Mitgliederzahlen muss gestoppt werden", sagte Rombey.

Das Problem ist: Es ist längst nicht mehr selbstverständlich, dass die Menschen Sport im Verein betreiben. Das Angebot ist gewachsen, die Flexibilität, die Ansprüche. Und die Gesellschaft hat sich verändert. Der Mittelstand, die klassische Klientel des deutschen Sportvereins, schrumpft, gerade in Mönchengladbach.

Allerdings gibt es dennoch viel Potenzial für die Vereine, Mitglieder zu rekrutieren: Kinder und Jugendliche aus prekären Lebensverhältnisse, auch Kinder mit Migrationshintergrund. Und Senioren. Rombey erinnert an die soziale und integrative Kraft des Sports: Es kann ein Geben und Nehmen sein.

"Es gibt für die Vereine viele Fördermittel, die längst nicht ausgeschöpft sind. Wir können die Vereine beraten und ihnen helfen, an diese Pakete heranzukommen", sagt Axel Tillmanns. So gibt es beispielsweise ein Bildungs- und Teilhabepaket, durch das Vereine pro jugendliches Mitglied einen Zuschuss von bis zu zehn Euro pro Monat erhalten können. Damit kann in vielen Fällen der Mitgliedsbeitrag gedeckt werden. "Die Vereine müssen sich für solche Ideen öffnen, viele Vereine rechnen nur mit den Mitgliederbeiträgen, das ist aber zu kurz gedacht", sagt Tillmanns.

Quelle: RP
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