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Mönchengladbach
Jedes dritte Kind wächst in Hartz-IV-Familie auf

Mönchengladbach: Jedes dritte Kind wächst in Hartz-IV-Familie auf
Kinder aus Hartz-IV-Familien beenden ihre Schullaufbahn häufig ohne Abschluss. Das führt fast immer zur Arbeitslosigkeit. FOTO: Hans Peter Stiebing
Mönchengladbach. In Mönchengladbach steigt die Zahl der Leistungsempfänger. Bei den unter Dreijährigen liegt die Quote am höchsten, nämlich bei 36,6 Prozent. In NRW steht nur Gelsenkirchen noch schlechter da. Von Gabi Peters

Trotz neuer Gewerbeansiedlungen und damit neu geschaffener Arbeitsplätze hat Mönchengladbach immer noch ein Strukturproblem. 38.200 Menschen können ihr Leben nicht aus eigenen Mitteln finanzieren. Sie beziehen Sozialgeld. Mit einer Quote von 18,7 Prozent liegt die Stadt damit im NRW-Vergleich zusammen mit Duisburg auf Platz 3 hinter Gelsenkirchen und Essen. Zum Vergleich: In Viersen liegt die Quote bei 8,7 Prozent, im NRW-Schnitt bei 11,7 Prozent. Schon in der 2015 veröffentlichten Armutsstatistik des Statistischen Landesamtes war Mönchengladbach hinter Gelsenkirchen und Düren die drittärmste Stadt in NRW.

Noch dramatischer sehen die aktuellen Zahlen bei Kindern und Jugendlichen aus, die in Mönchengladbach in Hartz-IV-Familien aufwachsen. Bei den unter 15-Jährigen liegt die Quote bei 33,4 Prozent, bei unter Dreijährigen sogar bei 36,6 Prozent. 2014 waren es noch 31 bzw. 35 Prozent. Das geht aus den Zahlen hervor, die das Jobcenter jetzt für 2015 veröffentlicht hat. Mit der Hilfequote von 36,6 Prozent bei den unter Dreijährigen nimmt Mönchengladbach sogar Rang 2 im NRW-Vergleich ein.

Kinder werden mit Erreichen des 15. Geburtstages zu "erwerbsfähigen Leistungsberichtigten" und später oft zu Arbeitslosen. Häufiger Grund: fehlende Schul- und Ausbildungsabschlüsse. Auch das ist ein großes Problem in Mönchengladbach. Von den rund 11.500 gemeldeten Arbeitslosen, die Sozialgeld beziehen, haben fast 2700 (23,3 Prozent) keinen Schulabschluss und rund 8100 (23,3 Prozent) keine Berufsausbildung.

Für junge Arbeitslosen unter 25 Jahren wurden bereits im Jahr 2014 Schülerteams eingerichtet, die schulpflichtige und ausbildungssuchende junge Menschen betreuen. Ziel ist es, alle Schüler, die in Hartz-IV-Familien leben, durch Berufsberater, die in engem Kontakt mit den Schulen und den Schulsozialarbeitern stehen, passgenau zu beraten und beim Übergang von der Schule in den Beruf frühzeitig zu begleiten. Denn die Mönchengladbacher Quote der Schüler ohne Schulabschluss ist nicht nur erschreckend hoch, laut Prognose wird sie sich im Schulentlassjahr 2015/16 auch noch einmal erhöhen. Im vergangenen Jahr beendeten 8,1 Prozent aller Schulabgänger ihre Schulkarriere ohne Abschluss. Diese Zahl soll sich auf 8,4 Prozent steigern. Vorausgesagt werden 500 Schüler mit Hauptschulabschluss und 240 ohne Hauptschulabschluss. Landesweit beträgt der Anteil an Jugendlichen ohne Schulabschluss gerade einmal bei fünf Prozent.

Von den 7690 (28,9 Prozent) ausländischen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (1400 davon sind jünger als 25 Jahre) haben insgesamt gut 800 keinen Schulabschluss und 2300 keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Quelle: RP
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