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Bauunternehmen aus Mönchengladbach
Jessen stellt neun Anträge auf Insolvenz

Mönchengladbach. Das Mönchengladbacher Bauunternehmen Jessen hat am Donnerstag die rund 70 betroffenen Mitarbeiter über die Insolvenz informiert. Ziel sei die Fortführung der Arbeit. Von Denisa Richters und Dieter Weber

In der Zentrale der H. & J. Jessen Baugesellschaft im Nordpark geht es zu wie in einem Taubenschlag. Dutzende Mitarbeiter stehen in den Gängen, gerade ist eine Betriebsversammlung zu Ende gegangen, die nächste steht wenig später an. In den Büros liegen Akten mit Firmendaten bereit, Geschäftsführer stehen Rede und Antwort, dazwischen Rechtsanwälte - ein Berater sowie die vorläufige Sachwalterin. Jessen ist das wohl bekannteste Bauunternehmen der Stadt. Gebäude der Stadtverwaltung, Büros, Discounter, Wohnhäuser, Grundstücke - sein Portfolio in Mönchengladbach ist groß. Umso überraschender kam die Nachricht: Vergangene Woche hat das Unternehmen für neun seiner insgesamt knapp 20 Gesellschaften Anträge auf Insolvenz eingereicht. Die sind vom Insolvenzgericht angenommen worden.

Als Ursache nennt Geschäftsführer Joachim Bücker, dass die ausreichende Liquidität nicht gesichert gewesen sei. So sei es bei einigen Projekten zu teils wesentlichen Verzögerungen gekommen (zum Beispiel bei Kaufland in Holt zwei Jahre wegen Anwohnerprotesten), ein Großprojekt sei nicht kostendeckend zu realisieren gewesen, "wodurch erhebliche Verluste eingetreten sind". Hinzu komme eine ältere und somit teurere Mitarbeiterstruktur. "In der Summe war das zu viel", sagt Joachim Bücker.

Für fünf der Gesellschaften wurden Insolvenzanträge in Eigenverwaltung gestellt, das heißt, die Geschäftsführer bleiben verfügungsbefugt, die vom Gericht beauftragte Sachwalterin (Nada Nasser von der Rechtsanwaltskanzlei Kreplin & Partner Rechtsanwälte) hat lediglich eine Kontrollfunktion. Dies gilt für die H. & J. Jessen Baugesellschaft mbH & Co. KG sowie die HJJ Verwaltungsgesellschaft mbH als Komplementär, für die bdmp Architekten GmbH & Co. KG mit der bdmp Beteiligungsgesellschaft mbH sowie die "2plus Projekt 11 GmbH".

Regelinsolvenzverfahren wurden für die "4 Event GmbH" und die DMP Verwaltungsgesellschaft mbH beantragt (beide sind nicht mehr aktiv) sowie für die Jessen Bauunternehmung GmbH & Co. KG mit der Jessen Bauunternehmung Verwaltungs GmbH. Dort hat einzig die Sachwalterin Nasser das Sagen. Etwa zehn weitere Firmen sind nicht von der Insolvenz betroffen.

Die Jessen Bauunternehmung ist vor allem für Rohbauleistungen zuständig. Dort sei es in der Vergangenheit immer wieder zu Unterdeckung gekommen, sagt Rechtsanwalt Roman-Knut Seger, die Folge sei "eine vertiefte Unternehmenskrise", ein Verkauf wahrscheinlich. Deshalb wählte man in diesem Fall das Regelinsolvenzverfahren. Anders ist es bei den Firmen in der Eigenverwaltung: Bei der bdmp erbringen Diplom-Ingenieure und Architekten Planungsleistungen - für Jessen oder für Dritte. In der H. & J. Jessen Baugesellschaft sind Generalunternehmung, Projektentwicklung und schlüsselfertige Übergabe gebündelt. Dazu gehören auch Immobilien, etwa an der Sandradstraße, wo zurzeit Kämmerer Kuckels mit seinem Dezernat sitzt. "Das mag angesichts der Entwicklung im Umfeld einen gewissen Wert haben", sagt Joachim Bücker. In direkter Nachbarschaft soll das Maria-Hilf-Areal neu entwickelt werden.

Joachim Bücker und sein Bruder Ulrich haben sich Seger als Berater an die Seite geholt. Der sieht klare Vorteile in dem Verfahren der Eigenverwaltung: "Da die Geschäftsführer nach wie vor operativ aktiv sind und nach außen auftreten, etwa bei Verhandlungen, ist die Wahrnehmung eine andere." Das Unternehmen solle nicht abgewickelt, sondern saniert werden. Dabei gehe es auch um Vertrauen. Ob von den rund 70 Arbeitsplätzen welche abgebaut werden, sei offen. "Die Leistungen in den einzelnen Firmen sollen weiterhin erbracht werden, dafür sind Mitarbeiter nötig", sagt Seger. Die Arbeitsverhältnisse bleiben bestehen, die Arbeitsagentur zahlt Insolvenzausfallgeld.

Laut Nasser müssen nun die Aktiva und die Verbindlichkeiten geklärt werden, eine Verfahrenseröffnung zu Jahresbeginn hält sie für wahrscheinlich. Als weiteres Kontrollgremium wird ein Gläubigerausschuss eingerichtet - neben den Mitarbeitern, Finanziers und Banken werden dort rund 30 Lieferanten und Subunternehmer vertreten. Sie spielen bei dem Verfahren eine zentrale Rolle, gilt es doch, ihre Interessen zu wahren, aber mit ihnen auch Kompromisse zu finden. Ein Insolvenzplan soll die Restrukturierung und Fortführung des Unternehmens ermöglichen. "Die in der Vergangenheit begonnenen Projektentwicklungen bieten" für die fünf Gesellschaften mit Insolvenzantrag in Eigenverwaltung "die grundsätzliche Chance", heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens. Bei den Firmen in der Regelinsolvenz hofft man, einen Investor zu finden.

Quelle: RP
 
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