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Mönchengladbach
Jetzt wächst die Stadt auch beim Land

Mönchengladbach: Jetzt wächst die Stadt auch beim Land
FOTO: Gerhard Seybert
Mönchengladbach. Laut NRW-Statistik hat Gladbach jetzt wieder 260.000 Einwohner, nach Zählweise der Stadt sogar noch 6500 mehr. Der Ausländeranteil steigt - aber in erster Linie, weil viele Deutsche wegziehen. Außerdem wird die Bevölkerung männlicher. Von Jan Schnettler

Es ist noch gar nicht lange her, da war der Abgesang laut und deutlich zu vernehmen: Mönchengladbach war, wie die gesamte Bundesrepublik, im Schrumpfen begriffen. Die unheilvolle Kombination aus Demografie (weniger Geburten als Todesfälle) und negativem Wanderungssaldo (weniger Zuzüge als Fortzüge) führte dazu, dass die Einwohnerzahl viele Jahre lang in Folge sank. Doch der Trend ist mittlerweile umgekehrt - im Übrigen schon, bevor das Credo der "Wachsenden Stadt" Fuß fasste. Die Gladbacher Bevölkerung wächst wieder - und das sogar nach beiden Zählweisen. Denn es gibt seit dem Zensus von 2011 zwei verschiedene Einwohnerzahlen: eine der Stadt, die andere des Landes. Und zum Stichtag 31. Dezember 2015 lag die Zahl - nach beiden Systemen - erstmals wieder bei oder über der Marke 260.000.

Warum gibt es zwei Zählweisen? Das Land beruft sich bei seiner Zählung auf die Fortschreibung des Bevölkerungsstandes, der beim Zensus zum Stichtag 9. Mai 2011 ermittelt wurde. Die Stadt legt eigene Zahlen zugrunde, die sie anhand der Fortschreibung des Einwohnermelderegisters erhebt. Letztere liegen in der Regel um rund 6000 Bürger höher. Beide sind also "lediglich" Hochrechnungen - und gleichermaßen politisch bedeutsam, hängt von der Einwohnerzahl doch nicht zuletzt die Höhe der Zuweisungen ab, die die Städte und Gemeinden im Rahmen des Länder- und des kommunalen Finanzausgleichs bekommen. Ein Schelm, der Böses denkt: Die Zensus-Zahlen von 2011 lagen in 298 von 396 Kommunen in Nordrhein-Westfalen unter den zuvor gültigen.

Wie haben sich die Mönchengladbacher Einwohnerzahlen entwickelt? Für die Stadt hatte Gladbach Ende 2015 genau 266.585 Einwohner, 3464 mehr als Ende 2014. Das Land sah Gladbach zum selben Stichtag bei 259.996 Einwohnern, 3143 mehr als Ende 2014. Für die Zeit davor gilt, für beide Zählsysteme: Von 2004 bis 2011 war die Einwohnerzahl Stück für Stück gesunken, seit 2012 steigt sie wieder. Besonders markant ist dabei der Sprung von 2014 auf 2015 - im letzten Jahr ist Gladbach also besonders schnell und stark gewachsen. Damit liegt die Stadt im Landestrend - 2015 zogen so viele Menschen nach Nordrhein-Westfalen wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik.

Und es sind 263.979 mehr Menschen nach NRW gezogen als das Land verlassen haben - das Land ist also quasi um ein Mönchengladbach größer geworden.

Womit hängen die Anstiege zusammen? Ausschließlich mit Zuwanderung. Denn die Zahl der Geburten lag in Gladbach in den letzten Jahren stets um 750 bis 1200 per anno unter der der Todesfälle.

Was heißt Zuwanderung in diesem Fall? Entgegen landläufiger Meinungen sind es mitnichten "nur Ausländer", die in die Stadt ziehen. So geht gut die Hälfte der Zuzüge auf Umzüge innerhalb Nordrhein-Westfalens. Schaut man in die Landesstatistik - die für alle folgenden Angaben maßgebend ist - für 2015, erkennt man: Von den 15.146 Zugezogenen im vergangenen Jahr waren 7353 Deutsche (48,5 Prozent), 7793 Ausländer (51,5 Prozent). Vor zehn Jahren hatte der Anteil aber noch deutlich zugunsten der Deutschen gelegen. Und: Behält man auch den Saldo der Fortzüge im Blick, verändert sich das Bild weiter. Demnach zogen 2015 insgesamt 7662 Deutsche aus Mönchengladbach fort, aber nur 3635 Ausländer. Es stimmt also, dass der Ausländeranteil in der Stadt zunimmt - aber nicht so sehr wegen des Zuzugs aus dem Ausland, sondern weil mehr Deutsche aus Gladbach wegziehen. 2015 wies Gladbach ein Wanderungssaldo von plus 3849 auf - bestehend aus einem Minus von 309 bei den Deutschen und plus 4158 bei den Ausländern.

Wo kommen die Zugezogenen her? Wie gesagt: Deutsche waren 2015 mit 7353 die mit Abstand größte Volksgruppe unter den Zugezogenen. Dahinter folgen mit Rumänien (695), Polen (665), Bulgarien (577) drei osteuropäische Länder, dann das bürgerkriegsgebeutelte Syrien (442) sowie Spanien (334) - Letzteres dürfte nicht zuletzt dem "Santander-Effekt" geschuldet sein. Auch bei diesen Zahlen gilt es im Übrigen, ein differenziertes, vollständiges Bild zu zeichnen - denn es sind gleichzeitig auch viele Polen (357), Rumänen (303) und Bulgaren (180) wieder zurück in ihre jeweiligen Heimatländer gezogen. Es ist also mitnichten so, dass Gladbach markant "rumänischer", "polnischer" oder "bulgarischer" würde. Kaum erwähnenswert waren 2015 hingegen die Werte der Türken, die vor zehn Jahren unter den Zuzügen noch Platz zwei hinter den Polen eingenommen hatten. Auch die "Maghreb-Staaten" stechen aus der Statistik keineswegs hervor.

Wachsen die übrigen Städte und Kommunen im Umland auch? Von den elf kreisfreien Städten im Regierungsbezirk Düsseldorf ist seit 2011 nur Remscheid nicht gewachsen. Einige wuchsen stärker (Düsseldorf um 22.500), einige schwächer (Oberhausen nur um 700), Gladbach steht mit einem Anstieg um 5200 vergleichsweise gut da. Krefeld beispielsweise wuchs im gleichen Zeitraum nur um 3280, von 221.864 auf 225.144. Auch die Landkreise profitierten: Der Rhein-Kreis Neuss wuchs um 12.300 Bürger, der Kreis Viersen um 1700, der Kreis Heinsberg um 4400. Mit seiner Entwicklung steht Mönchengladbach also keineswegs allein da, sondern eher exemplarisch für den Gesamttrend.

Wie hoch ist der Frauenanteil? 132.484 von 259.996 Mönchengladbachern Ende 2015 waren weiblich - 50,9 Prozent. Das entspricht genau dem Landesdurchschnitt. Aber Mönchengladbach ist "männlicher" geworden: 2014 lag der Frauenanteil noch bei 51,2 Prozent, 2011 sogar noch bei 51,5 Prozent. Auch das ist im Einklang mit den Landeswerten. Das lässt die Schussfolgerung zu, dass der Männeranteil unter den Zuziehenden höher ist.

Quelle: RP
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