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Mönchengladbach
JHQ: Freizeitpark für 1,5 Milliarden Euro ?

Das JHQ wird zur Flüchtlingsunterkunft
Das JHQ wird zur Flüchtlingsunterkunft FOTO: Dieter Weber
Mönchengladbach. Die Verhandlungen über einen 70 Hektar großen Freizeitpark, der Dimensionen wie Disney World haben soll, gehen weiter. Die arabischen Investoren waren diese Woche in Gladbach. Einziger Konkurrent ist eine holländische Stadt. Von Ralf Jüngermann

Sie haben das nötige Geld, sie haben ein Konzept, sie haben einen hervorragenden Architekten - und sie haben Interesse am Standort Mönchengladbach. Die arabischen Investoren, die einen gigantischen "Seasons"-Themenpark im JHQ bauen und betreiben wollen, waren diese Woche in Mönchengladbach, um bei den Spitzen von CDU und SPD für ihre Idee zu werben. Und die waren anschließend sehr angetan. "Das Projekt könnte nicht nur die Stadt, sondern die ganze Region einen großen Schritt nach vorne bringen", sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende Felix Heinrichs. Sein CDU-Kollege Hans Peter Schlegelmilch formuliert diesen Anspruch: "Alle Beteiligten sollten sich fragen: Wie kann man das möglich machen? Und nicht: Wie bekommen wir das kaputt?"

Was der Investoren-Fonds aus Dubai umsetzen will, übertrifft alles, was auch im größeren Umkreis von Gladbach jemals gebaut wurde. 1,5 Milliarden Euro soll der Bau kosten. Vier Themenwelten sind geplant, zu jeder Jahreszeit eine, mit spektakulären Wintersport-Angeboten, Wildwasserkanal und Klettern. Hunderte Mitarbeiter wären nötig, um den Freizeitpark zu betreiben. Für die braucht es Unterkünfte auf dem Gelände. Und für die Besucher gleich mehrere Hotels. Auch eine Shopping-Mall für die Besucher gehört zum Konzept. Dafür, dass all das spektakulär und innovativ inszeniert wird, spricht das Architekturbüro, das die Investoren ausgewählt haben. Der Salzburger Architekt Dr. Volkmar Burgstaller hat mit seinem "Hangar 7", in dem Flugzeuge. Helikopter und Formel 1- Fahrzeuge zu sehen sind, für Aufsehen gesorgt. Ein Architekt aus seinem Büro war bei dem Termin Anfang der Woche in Mönchengladbach dabei.

Die arabischen Geldgeber halten Mönchengladbach für einen idealen Standort. Denn in drei Fahrstunden erreicht man mehrere große Ballungsräume, auch in den Benelux-Ländern, die besonders affin für Freizeitparks sind. Entsprechend ist der einzige Konkurrent für das Projekt keine Stadt in Deutschland, sondern eine niederländische. Dort ginge planungsrechtlich wohl manches leichter.

Die Investoren hatten Mönchengladbach nach einem Kontakt auf der Immobilienmesse Expo Real fast schon abgehakt. Im Nachgang gab es nämlich von der Verwaltung einen dreiseitigen Brief, in dem viele Fragen des Investors kurz und bündig - und zwar ablehnend - abgehandelt wurden. Tatsächlich ist laut gültigem Ratsbeschluss aktuell weder Einkaufen noch Wohnen auf dem Gelände denkbar. "Doch in so einem abgeschlossenen Zusammenhang ist das eine andere Debatte. Das sollten wir uns auf jeden Fall genau anschauen", sagt Schlegelmilch. Der Stadt könnte das Projekt viel Gewerbesteuer in die Kasse spülen und viele Arbeitsplätze bringen. Andersherum erwarten die Araber keinerlei Investitionen der Stadt. "Sie brauchen Planungsrecht", sagt Felix Heinrichs. Das könne die Stadt indes nicht allein herstellen. "Das ist kein Gladbacher Projekt, sondern eines der Region, wenn nicht des Landes", sagt Heinrichs. Darum brauche man die Hilfe der Landestöchter NRW Invest und NRW Urban. Das Gelände sei groß genug, um gleichzeitig einen Freizeitpark und die Erstunterbringungseinrichtung für Asylbewerber dort unterzubringen, sagt der SPD-Fraktionsvorsitzende. Auch das Festival, das Marek Lieberberg gerne im JHQ installieren möchte, sei gleichwohl möglich. "Lieberberg kennt die Freizeitpark-Pläne. Vielleicht sind sogar Synergien möglich", sagt Hans Peter Schlegelmilch.

Binnen eines Jahres soll klar sein, ob die Vorstellungen des Investors und der Stadt prinzipiell überein zu bringen sind. Die Gespräche laufen kurztaktig weiter. Bis zum Herbst wollen die Araber den Projektfahrplan präzisieren. Verwaltung und Politik ebenfalls dann zu überwindende Hürden benennen und bewerten. "Es ist sicher noch ein sehr weiter Weg zurückzulegen. Zum jetzigen Zeitpunkt kann das Projekt noch aus vielen Gründen scheitern", sagt Hans Peter Schlegelmilch. Felix Heinrichs ist sicher, dass die Stadt so oder so profitiert: "Der Standort ist im Gespräch - und zwar äußerst positiv. Immer mehr mögliche Investoren erkennen den Wert des JHQ. Das Areal ist ein echtes Pfund für die Stadt."

Quelle: RP
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