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Mönchengladbach
Jochen Schweizer - der Mann, der Erlebnisse verkauft

Mönchengladbach. Der Extremsportler, Unternehmer und Motivationsredner sprach über seinen Neuanfang nach dem wirtschaftlichen K. O. Von Angela Rietdorf

Die Älteren kennen ihn als Extremsportler und Bungee-Guru, die Jüngeren als Investor aus der Vox-Erfolgsshow "Die Höhle der Löwen". Jochen Schweizer ist ein Mann mit einem abenteuerlichen Leben voller Herausforderungen, großer Erfolge, schwerer Niederlagen und neuer Chancen. Davon erzählte er jetzt im Hugo-Junkers-Hangar, wohin der Kreisverband der mittelständischen Wirtschaft (BVMW) seine Mitglieder eingeladen hatte.

Viele Unternehmer waren der Einladung gefolgt, und Schweizer berichtete vor vollen Reihen von den Ereignissen, die ihn zum Unternehmer, Erlebnis-Händler und TV-Promi machten. "Mein Leben war immer unsicher", sagte der 58-jährige. "Chancen und Unsicherheit bedingen einander. Erfolg und Scheitern auch." Angefangen hat Schweizer als Kayakfahrer in den 70ern. Kein Alpenfluss war zu wild, kein Wasserfall zu gefährlich: "Kayakfahren war meine Religion." Bis es zu einem Unfall kam, den kein Kayakfahrer zuvor überlebt hatte: Schweizer stürzte im Kayak einen Wasserfall hinab, blieb mit der Spitze des Bootes im Boden stecken, während eine meterhohe Wassersäule auf seinen Rücken drückte. Er konnte das enge Kayak nur verlassen, weil er es schaffte, sich selbst die Beine zu brechen. Das rettete ihm das Leben, brachte ihm ein Jahr Reha ein und machte ihn berühmt.

Er machte als Stuntman in Willy Bogners Film "Feuer, Eis und Dynamit" mit. Durch den spektakulären Sprung im Film wurde das Bungeespringen in Deutschland populär. "Ich wurde zum Helden durch einen Gummiseilsprung, den jeder hätte machen können", sagt er. "Und plötzlich wollten alle Bungee springen." Zuerst vermittelte Schweizer nur privat Bungeesprünge, doch dann erkannte er das Potenzial und eröffnet immer neue Sprunganlagen. Auch an spektakulären Orten wie dem Wiener Donauturm oder dem Floriansturm in Dortmund, dessen Schaft er kaufte und als gewaltige Werbefläche vermarktete. Und hier geschah das Unvorstellbare: Das unzerreißbare Seil riss. Es gab einen tödlichen Unfall, ein junger Mann starb. Schweizer schloss alle Sprunganlagen. Als Unternehmer war er am Boden: Die Werbeverträge wurden gekündigt, der Cashflow brach zusammen, seine Agentur ließ sich nicht verkaufen. Eine wirtschaftliche Katastrophe, aber er betont: "Das Leid der Eltern, die ihren Sohn verloren haben, ist unvergleichlich viel schlimmer als mein Kampf ums wirtschaftliche Überleben."

Er verkaufte alles, was er hatte, und schaffte es, sich mit den Gläubigern zu einigen. Die Firma war schuldenfrei, er mittellos. Und nun hatte er eine Idee: im Internet mit Erlebnissen handeln. Dafür musste er Investoren gewinnen, aber das gelang ihm nicht. Schließlich programmierte er gemeinsam mit einem Freund die Webseite selbst - und hatte mit etwas Verzögerung Erfolg. Im Dezember 2004 machte er 180.000 Euro Umsatz mit seiner Idee. Zehn Jahre später waren es 18 Millionen Euro. Heute ist er Chef eines Unternehmens mit 500 Mitarbeitern und einer der Investoren, die in der Show "Die Höhle der Löwen" die Ideen von jungen Gründern zerpflücken oder fördern.

Und er ist Motivationsredner, der sein Publikum dazu auffordert, sich nicht von seinen Ängsten beherrschen zu lassen. "Manchmal ist Angst sinnvoll, aber die meisten Ängste sind irrational und begrenzen uns nur. Ängste hindern uns daran, frei zu sein", sagt er. "Wenn man etwas Neues versuchen will, muss man abspringen." So wie er wieder und wieder.

Quelle: RP
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