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Jugendliche nehmen Amphetamine und Cannabis
Joints werden gefährlicher, Kiffer jünger

Hintergrund: Das sollten Sie über Cannabis wissen
Hintergrund: Das sollten Sie über Cannabis wissen FOTO: dpa, ABIR SULTAN
Mönchengladbach. In Mönchengladbach steigt die Zahl der jungen Menschen, die Amphetamine und Cannabis konsumieren. Schon Zwölfjährige wissen, wo es den Stoff gibt. Nach Holland braucht dabei niemand mehr zu fahren - die Drogen gibt's nicht selten in Schul-Nähe. Von Gabi Peters

Die Zahl der Heroinabhängigen stagniert in Mönchengladbach seit Jahren auf hohem Niveau. Ganz anders sieht das bei den Konsumenten von Cannabis und Amphetaminen aus: Hier geht die Kurve nach oben -und das schon seit etwa fünf Jahren. Und noch etwas sticht dabei hervor: Es sind vor allem sehr junge Menschen, die Joints rauchen oder Amphetamine schlucken. "Die meisten sind 14 bis 20 Jahre alt", sagt Achim Brasseler, Leiter der Drogenberatungsstelle Mönchengladbach. 129 Konsumenten in diesen Altersklassen haben sich alleine im vergangenen Jahr in seiner Beratungsstelle gemeldet. Ein Mädchen war erst 13 Jahre alt, "wir hatten auch schon einmal zwei Zwölfjährige in der Beratung", sagt Brasseler. Und das sind nur die bekannten Fälle. "Die Dunkelziffer dürften diesem Bereich sehr groß sein", sagt Dörte Schall, stellvertretende Vorsitzende und Jugenddezernentin.

Eltern sollten den Cannabis-Konsum nicht mit dem Satz "Och, haben wir früher doch alle mal gemacht" abtun. Die Droge ist härter geworden. "Früher lag der THC-Gehalt weit unter zehn Prozent, heute bis zu 30 Prozent", erklärt Brasseler. "viele wissen gar nicht, was sie da konsumieren."

Oft sind es die Eltern, die sich in solchen Fällen ratsuchend an die Drogenberatungsstelle wenden. "Viele kommen aus ganz normalen bürgerlichen Verhältnissen. Ihnen ist aufgefallen, dass mit ihrem Kind irgendetwas nicht stimmt", berichtet Brasseler. Weil der Suchtfaktor bei Cannabis größer geworden und die Droge besonders gefährlich sei, wenn sich das Gehirn noch entwickle, würden sich auch die Auswirkungen schneller zeigen, sagt Vorsitzende Nicole Wilms. "Von 100 Klienten, die wir in eine Reha schicken, sind heute 50 Cannabis- und Amphetamin-Konsumenten", sagt Brasseler. Und: "Vor 20 Jahren wäre ich noch für verrückt erklärt worden, wenn ich versucht hätte, auch nur einen Haschisch-Abhängigen dort unterzubringen.

Amphetamine und Cannabis sind auch in Mönchengladbach leicht zu haben. Um diese Drogen zu kaufen, müsse heute niemand mehr nach Holland fahren, sagt Brasseler. Die Kinder und Jugendlichen wüssten, wo sie den Stoff bekommen: an Schulen, auf öffentlichen Plätzen. . . Nach Polizeieinsätzen sind viele Orte bekannt geworden. Am Platz der Republik wurden Dealer festgenommen, die ganz offen auch an Minderjährige Drogen verkauften. In der Nähe einer Schule gab es Haschisch in einer Teestube, außerdem in einem Kiosk an einer vielfrequentierten Straße.

Einen Weg aus der Drogenspirale zu finden, ist ein großes Ziel in der Beratungsstelle an der Waldnieler Straße. Bei den Jugendlichen, bei denen die sozialen Bindungen noch intakt seien, funktioniere die abstinenzorientierte Beratung, berichtet Brasseler. Die Chancen auf einen Ausstieg aus dem Drogenkonsum sind in diesen Fällen also gut.

Damit Kinder und Jugendliche erst gar nicht zu Rauschmitteln greifen, bietet die Beratungsstelle mehrere Präventionsprojekte an. Dafür wurden und werden auch Multiplikatoren geschult. So war es vergangenes Jahr möglich, rund 3000 Jugendliche in der Stadt zu erreichen.

Sponsoren ist es zu verdanken, dass die Drogenberatungsstelle ein regelmäßiges Freizeitprogramm für Kinder aus Suchtfamilien anbieten kann. Auch das ist ein Präventionsprojekt. Denn laut Statistik werden 30 Prozent der Kinder von drogensüchtigen Eltern selber süchtig.

Relativ neu in der Drogenberatung Mönchengladbach ist das Phänomen der kombinierten Spiel- und Drogensucht. Wer Stunden, manchmal sogar Tage lang am Computer zum Beispiel in Gruppen spiele, will konzentriert bleiben. "Um fit zu sein, greifen manche dann zu Amphetaminen", berichtet Brasseler. Wie Dörte Schall sagt, denke man gerade darüber nach, wie man mit diesen Online-Drogensucht-Fällen umgehe.

Quelle: RP
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