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Mönchengladbach
Jüchener Waffennarr zu einem Jahr auf Bewährung verurteilt

Mönchengladbach. Gestern musste der Waffennarr (53) zum ersten Mal vor dem Mönchengladbacher Schöffengericht auf der Anklagebank Platz nehmen. Dass es bei dem Verfahren um Waffen ging, konnte man sofort im Gerichtssaal sehen. Auf zwei Tischen waren kleine Waffen, Waffenteile und daneben ein schweres Maschinengewehr, also eine Kriegswaffe, aufgebaut. Von Ingrid Krüger

Am 20. März 2014 war im Keller der Wohnung des 53-Jährigen eine größere Waffensammlung gefunden worden. Eine Waffenbesitzkarte besaß der Angeklagte nicht. Die Waffen waren nicht besonders gesichert. Laut Anklage hatte der Mann damit in seinem Keller eine Gefährdungslage geschaffen. Neben vielen Waffenteilen und kleinen Waffen sollen in der Sammlung auch sechs Langwaffen und fünf Kurzwaffen im funktionstüchtigen Zustand dabei gewesen sein, so die Anklage. Der 53-Jährige, der noch nie aufgefallen war, zeigte sich sofort geständnisbereit. Vor 30 Jahren habe er als Sammler angefangen. "Mich interessierte vor allem, wie solche Waffen funktionieren. Ich wollte sie säubern und restaurieren", beteuerte der Angeklagte. Er habe die Waffen doch im verschlossenen Keller aufbewahrt. Nur er habe den Schlüssel besessen. Einige Waffen habe er auch ausprobiert. "Doch ich habe nur Platzpatronen verwendet. Ich habe mich nicht getraut, mit scharfen Waffen zu schießen", gab der Angeklagte zu. Die Platzpatronen habe er auf einem Trödelmarkt gekauft. Ersatzteile habe er sich in Belgien besorgt. Seine Familie habe Bescheid gewusst. Er habe doch niemandem geschadet, erklärte der leidenschaftliche Bastler. "Mach, was du willst, aber lass mich damit in Ruhe", habe seine Frau zu ihm gesagt. "Ich wusste schon, dass das nicht korrekt war, was ich da machte", gab der Mann zu.

Ein Sachverständiger hatte das ganze Waffenarsenal begutachtet. Seiner Ansicht seien die Waffenteile vor allem als Schrott ohne historischen Wert anzusehen. Waffen, an denen geschweißt worden sei, könne man nicht ohne weiteres zum Einsatz bringen, da könne auch plötzlich eine Explosion erfolgen.

Der Angeklagte hatte sich ein Kriegswaffen-Tagebuch beschafft, bevor er zum Sammler wurde. Damit sei es nun endgültig vorbei, so der Jüchener. Jetzt sammle er nur noch Nähmaschinen. Am Ende forderte der Staatsanwalt für den 53-Jährigen eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten mit Bewährung. Das Schöffengericht verurteilte den Waffennarren wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu einer einjährigen Haftstrafe mit Bewährung. Der 53-Jährige akzeptierte das Urteil sofort.

Quelle: RP
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