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Kolumne Mensch Gladbach
Jugend beteiligen - nur ein bisschen?

Kolumne Mensch Gladbach: Jugend beteiligen - nur ein bisschen?
FOTO: Blazy Achim
Mönchengladbach. Während andere Städte seit vielen Jahren Jugendparlamente oder Jugendräte haben, tut sich die Politik in Mönchengladbach schwer damit. Dabei können frische Impulse die Stadt weiterbringen. Von Denisa Richters

Erinnern Sie sich noch? Als in diesem Jahr erst die Landtags- und dann die Bundestagswahl anstanden, rückte bei den Wahlkämpfern plötzlich wieder die Jugend in den Fokus: Die einen forderten, das Wahlalter auf 16 herabzusetzen, alle machten sich für mehr und bessere Ausbildungsplätze stark, für bessere Schulen sowieso, auch Jugendtreffs, Digitales, hinzu kamen Podiumsdiskussionen mit Jugendlichen und folgte all das, womit man sich sonst noch als jugendnah geben kann.

Interessant aber wird es, wenn die Jugendlichen nicht mehr nur als Wähler auftreten, sondern aktiv in der Politik mitmischen wollen - und das im Rathaus. Wenn sie fordern, dass ein Jugendparlament oder ein Jugendrat eingerichtet wird und ihre Altersgruppe angehört werden muss, sobald wichtige Weichen in der Stadt gestellt werden. Bei direkter Betroffenheit dürfen Vertreter solcher Gremien sogar mitentscheiden, Anträge stellen, manche Städte stellen der Jugend sogar einen eigenen Etat zur Verfügung. Und warum auch nicht? Im schlimmsten Fall dauert ein Verfahren etwas länger, im besten gibt es frische Impulse, auf die etablierte Politiker nicht gekommen wären.

Doch bei diesem Thema fällt die Politik gerne in einen Abwehrreflex, der eigentlich nicht zu erklären ist. Aktuell ist das gut in Mönchengladbach zu beobachten: Die SPD hat Bedenken, was ein Jugendparlament betrifft, schlägt ein Kompromiss-Konstrukt vor, auf das wir später noch kommen. Die mit ihr regierende CDU setzte dafür im Gegenzug eine Sicherheitskommission als Bedingung. Als dieser Traum mangels ausreichender Unterstützung der SPD platzte, war auch die Idee der minimalen Form von Jugendbeteiligung fast komplett dahin.

Das ist übrigens keine Mönchengladbacher Spezialität. In Düsseldorf beispielsweise wurden solche Vorstöße einst in ungewohnter Einigkeit von schwarz-gelber Ratsmehrheit und rot-grüner Opposition regelmäßig abgeschmettert. Dies würde nur zu Frustration bei den Jugendlichen führen, hieß es. Man warnte auch vor Unbeständigkeit des Gremiums durch viele Wechsel. Schüler hätten ja wenig Zeit und so weiter. Irgendwann platzte wie durch ein Wunder der Knoten der Ablehnung dann doch. Nun feierte der Jugendrat sogar sein Zehnjähriges. Gewählt wird er alle zwei Jahre - von der Altersgruppe, die er vertritt. Und er hat einige Beispiele seines Erfolgs vorzuweisen: Skaterpark, Handyverbot in Schulpausen, eine App mit speziellen Beratungsangeboten für Jugendliche, Integration minderjähriger Flüchtlinge. Seine Mitglieder sind selbstbewusst, fühlen sich ernstgenommen und lernen früh, wie wichtig es ist, sich einzubringen, um etwas zu ändern.

Und in Mönchengladbach? Steht jetzt besagter merkwürdige Kompromiss im Raum: Nach Aachener Vorbild soll ein Jugendbüro entstehen, das einige Projekte umsetzen und nur punktuell mit der "erwachsenen" Politik arbeiten kann. Es ist aber kein eigenes Gremium im Rathaus, sondern ist angegliedert ans Sozialdezernat. Zugegeben: Der Ansatz ist besser als nichts. Aber klar ist auch: Die Ratspolitik tangiert dieses Konstrukt so gut wie gar nicht. Könnte das sogar das Ziel sein?

Mönchengladbach hat gerade einen guten Lauf, wie es so schön heißt. Eine Stadt bleibt aber nur dann dynamisch, wenn sie den Jungen und deren Bedürfnissen ausreichend Raum gibt, wenn die Älteren hinhören und sich von Ungewohntem begeistern lassen. Nur wer mitgestalten darf, wird sich dauerhaft mit seiner Stadt identifizieren.

Ein jugendliches Wochenende!

Quelle: RP
 
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