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Mönchengladbach
Jugendliche fordern mehr Mitsprache

Mönchengladbach: Jugendliche fordern mehr Mitsprache
Marie-Sophie Neumann ist Sprecherin der Bezirksschülervertretung in Mönchengladbach. Die 16-Jährige, die die zehnte Klasse an der Hans-Jonas-Gesamtschule besucht, setzt sich für die Belange der Schüler ein. FOTO: Maximilian Krone
Mönchengladbach. Die Bezirksschülervertretung und die Grünen im Stadtrat monieren, dass es für Jugendliche zu wenig Möglichkeiten gibt, ihre Interessen gegenüber der Politik zu vertreten. CDU und SPD sehen die Einführung eines Jugendrats skeptisch. Von Maximilian Krone

In anderen Städten wie Düsseldorf gibt es ihn bereits seit Jahren: einen Jugendrat im Rathaus, in dem Jugendliche die Mitglieder sind. Nur in Mönchengladbach gibt es ihn nicht. Das kritisieren nicht nur Bezirksschülervertreter, sondern auch die Grünen im Stadtrat. Besonders die großen Parteien sträuben sich aber, einen Rat aus Jugendlichen zu bilden und sprechen von einem eher abschreckenden Rahmen. Dabei könnte ein solches Gremium laut Schülervertretung für mehr politisches Interesse bei den Jugendlichen sorgen.

"Das Interesse ist in jedem Fall da. Schon heute beschäftigen sich viele Schüler mit Fragen, die die Politik meist nicht erreichen", sagt Marie-Sophie Neumann. Die 16-Jährige ist Sprecherin der Bezirksschülervertretung Mönchengladbach. Toiletten, Müll, Rassismus und das Angebot für junge Leute in Gladbach seien Themen, die Jugendliche besonders beschäftigten.

Meistens seien das aber Themenfelder, die von der Politik nicht oder nur unzureichend und vor allem ohne direkte Beteiligung der Schüler behandelt würden. "Es kommt nicht wirklich jemand auf uns zu, das ist schade", sagt die Zehntklässlerin der Hans-Jonas-Gesamtschule in Neuwerk. "Die Initiative sollte eigentlich von den Parteien ausgehen, die uns zu jugendbezogenen Themen wenigstens einladen könnten", sagt die Schülersprecherin. Besonders die großen Parteien im Stadtrat stehen der Idee eines Jugendrates mit eigenen Kompetenzen aber kritisch gegenüber. Zwar befürworte man die Stärkung der politischen Teilhabe Jugendlicher, sei aber skeptisch, ob ein Jugendrat politisches Interesse niederschwellig und altersadäquat anspreche, heißt es von Petra Heinen-Dauber, jugendpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion im Rat. Sie begründet das mit dem "engen Korsett einer institutionalisierten Gremien-Arbeit".

Auch die SPD hält die Einführung von "extra Gremien und aufwändigen Jugendparlamenten für nicht zielführend". Stattdessen regt Felix Heinrichs, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Stadtrat an, Jugendliche in Projekten und ganz formell im Rahmen der bestehenden Ausschüsse des Rates zu beteiligen. "Dort können wir uns, ähnlich wie im Schulausschuss, beratende Mitglieder vorstellen", sagt er. Ähnlich sieht das auch die CDU, die informelle Arten der Beteiligung - etwa durch Jugend-Arbeitsgemeinschaften in Kooperation mit Schulen und Stadtjugendring - befürworte.

Der Aussage der SPD, dass es bislang keine Forderungen gegeben habe, einen Jugendrat einzuführen, widerspricht indes Lena Zingsheim, Sprecherin der Grünen Jugend in Mönchengladbach: "Die hat es schon vor längerer Zeit gegeben, unter anderem, um der hohen Wahlenthaltung in Gladbach entgegenzuwirken. Die Forderung hat sich hier leider bis zum heutigen Tag nicht durchsetzen können, da es an politischen Mehrheiten fehlt." Daher seien die Grünen weiterhin dafür, ein solches Gremium ins Leben zu rufen. "Es geht darum, nicht über Jugendliche zu entscheiden, sondern vielmehr die Jugendlichen entscheiden zu lassen", sagt Zingsheim. Unterstützung für einen Jugendrat kommt auch von der Linken. Fraktionsgeschäftsführer Erik Jansen moniert, dass die Mehrheitsfraktionen diesen Vorschlag bislang blockiert hätten. "Wir stehen für die Schaffung einer solchen Struktur nach wie vor ein", sagt Jansen.

Grüne wie auch die Bezirksschülervertretung sehen durch einen Jugendrat die Möglichkeit, das politische Interesse zu steigern. "Von allen Altersgruppen sind Jugendliche mit am stärksten gesellschaftlich engagiert, daher spricht alles dafür, ihnen auch deutlich mehr Mitspracherecht in der Politik zu geben und ihre Eigeninitiative zu stärken", betont Zingsheim.

Dem stimmt auch Marie-Sophie Neumann zu. "Natürlich wird schon viel beim Jugendring und in den politischen Nachwuchsorganisationen gemacht, dennoch könnte es mehr Jugendarbeit geben. Zudem sollte es von Parteiorganisationen unabhängig möglich sein, sich an der Jugendpolitik zu beteiligen." Sie könne sich daher einen von Schülern gewählten Jugendrat, ähnlich wie in Düsseldorf, gut vorstellen. Dort funktioniere das Gremium, das regelmäßig Themen diskutiere und Anträge verabschiede, die dann an die Politik gegeben werden, bestens.

Quelle: RP
 
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