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Mönchengladbach
Jugendliche "volle Kanne" fördern

Mönchengladbach: Jugendliche "volle Kanne" fördern
Rainer Ostwald FOTO: Reichartz
Mönchengladbach. Betriebsseelsorger Rainer Ostwald lud gestern zu einem Arbeitsgespräch ein. Von Marion Lisken-Pruss

Wie sieht der Arbeitsmarkt in Mönchengladbach aus? Was können die städtischen und kirchlichen Institutionen dazu beitragen, um ihn zu verbessern? Mit diesen Fragen haben sich OB Hans Wilhelm Reiners, Regionaldekan Ulrich Clancett, Superintendent Dietrich Denker, Dominik Kofent (Verdi), David Bongartz (WFMG), Bernd Meisterling-Riecks (Jobcenter), Jochen Maaßen (Kreishandwerkerschaft) und Hermann-Josef Kronen (Volksverein) im Rahmen des "Ersten Mönchengladbacher Arbeitsgesprächs" beschäftigt. Dazu eingeladen hatte Rainer Ostwald von der Katholischen Betriebsseelsorge Mönchengladbach, und rund 50 Vertreter aus Politik, Wirtschaft und sozialen Einrichtungen waren gekommen.

Dass es im Berufsleben nicht nur ums Geld geht, stellte Hermann-Josef Kronen zu Beginn seines Vortrags heraus. "Arbeit bedeutet auch soziale Teilhabe und persönliche Identität", sagte er. Die Jugend- und Langzeitarbeitslosigkeit sah er als große Herausforderungen an. Zwar gebe es einen Fachkräftebedarf auf dem Mönchengladbacher Arbeitsmarkt, doch der könne insofern nicht gedeckt werden, als den Arbeitslosen häufig die berufliche Qualifikation fehlt.

Im Verlauf der Podiumsdiskussion beschrieb Dietrich Denker aus seiner Erfahrung heraus die fehlende Lebenstüchtigkeit von Jugendlichen. "Viele unter ihnen sind nicht ausbildungsfähig", kritisierte er, und nannte als Beispiel die Jugendlichen, die auf Wochenendfreizeiten nicht in der Lage seien, ihre Zimmer zu putzen. "Volle Kanne die Jugendlichen fördern", forderte er deshalb. Einen Vorschlag aus dem Publikum, eine handwerkliche Ausbildung in Modulen und Teilabschlüssen zuzulassen, sah Jochen Maaßen kritisch. "Es gibt Sperrfächer wie Mathe, die die Lehrlinge bestehen müssen", gab er zu bedenken. Darüber hinaus gelten die Ausbildungsverordnungen bundesweit, so dass einzelnen Betrieben kaum Spielraum bleibt.

Ein weiterer Diskussionspunkt waren befristete Verträge und niedrige Löhne, insbesondere in Zusammenhang mit Zalando. Konkrete Lösungsvorschläge gab es keine, doch einige Denkanstöße: zum Beispiel, bei öffentlichen Ausschreibungen auch soziale Einrichtungen zu berücksichtigen, über Bedarf auszubilden, vermehrt auf die sozialen Kompetenzen der Bewerber zu achten und Jugendlichen eine zweite Chance zu geben. Die Initiative, sich ergebnisoffen und gremienübergreifend mit diesem komplexen Thema zu beschäftigen, kam bei den Gästen und Podiumsteilnehmern gut an. Eine Fortsetzung im nächsten Jahr ist geplant.

Quelle: RP
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