| 00.00 Uhr

Mönchengladbach
Julia Zipprick und Band: Jazzabend mit Wechselbädern

Mönchengladbach. Um ein Haar hätte Julia Zipprick bei ihrem Auftritt im BIS ohne ihr Kleid vor dem Publikum stehen müssen. Hatte die Sängerin doch vor Aufregung glatt dieses wichtige Textilstück zu Hause vergessen, wie sie am Anfang ihres Konzerts berichtete. Doch dank eines netten Bandmitglieds, das extra umkehrte, um das Kleid für sie zu holen, war so weit der Abend gerettet. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Hingegen schien sich doch hartnäckig ein ganz kleiner Wurm an diesem Abend breitzumachen. Denn da war die mit Bleistift zusammengeschriebene Setlist, wie Zipprick sichtlich genervt und doch charmant frotzelte: "Ich kann das nicht lesen". Das Unheil nahm kein Ende - als wäre das nicht genug, ärgerte Zipprick auch noch die Technik mit übersteuerndem Fiepen.

Ganz Profi, bewies sie aber zusammen mit ihrer Band, dass sie sich nicht so leicht aus der Ruhe bringen lässt. Auch davon nicht, dass leider nicht gar so viel Publikum den Weg zu dem Konzert gefunden hatte. Und die fünf Musiker schienen irgendwie etwas mehr Zeit zu brauchen, um den richtigen "Flow" zu finden. Martin Sasse, Klavier, Johannes Behr an der Gitarre, Jochen Schaal am Kontrabass und nicht zuletzt der Schlagzeuger Leif Battermann erzeugten zusammen mit Zipprick ein klangliches Ambiente, das sich an Höhepunkten angenehm zwischen Jazz und deutschem Chanson bewegt. Einmal den Groove gefunden, gestalteten sie, auch dank treffsicherer Soli der Musiker, stimmungsvolle Momente. Einiges von ihrer Debüt-CD "by my side" bewegte sich in die Nähe von Jazzstandards, sorgte so für Abwechslung zu den bisweilen ironischen, ja frechen eigenen Songs.

Gesanglich setzt Julia Zipprick auf die sogenannte "Complete VocalTechnique", die sie auch selbst unterrichtet. Eine Methode, die sich auf die Lehren der Dänin Catherine Sadolin stützt. Bei Zipprick klingt das so: Sie bedient sich verschiedener Modi, mal bemüht sie sich um jazzige Wärme, mal um schrille Schärfe, mal um mädchenhafte Leichtigkeit oder fast übertriebene Natürlichkeit. Das klingt dann auch schon mal etwas roh. Ergebnis: eine relativ warme Mittellage, aber häufiger kantige Höhen. Das ist mal interessant, mal gewöhnungsbedürftig, aber immer sympathisch unangepasst und vor allen Dingen offen und ehrlich.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Mönchengladbach: Julia Zipprick und Band: Jazzabend mit Wechselbädern


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.