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Serie Denkanstoss
Karneval? Jetzt erst recht!

Mönchengladbach. Pfarrer Klaus Hurtz beschreibt, warum man sich gerade in diesen Tagen vom närrischen Frohsinn treiben lassen sollte. Denn die fünfte Jahreszeit kann uns zurück zur alten Lebensfreude verhelfen. Von Klaus Hurtz

Wenn die ganze Welt ein Narrenschiff ist, kann man dann noch Karneval feiern? Mir scheint, gerade in einer solchen Situation sollten wir alle Register des Karnevals ziehen! Denn die närrischen Tage können uns das geben, was man mit keinem Geld der Welt kaufen kann, das wir alle aber zum Leben brauchen wie das tägliche Brot: die Lebensfreude! Mit ihr wird das Schwere leicht und das Trübe licht; und man kann wieder mit Kraft und Hoffnung in die Zukunft gehen. Denn im Druck des Alltags vergessen wir allzu schnell, was unbedingt zum Menschsein gehört, der Karneval kann uns mit "viel Spaß an der Freud" erinnern!

Er schenkt uns das Schunkeln. Ob auf der Straße oder in der Festsitzung, immer wieder gibt es Gelegenheiten, sich bei den Nachbarn unterzuhaken, um sich dann miteinander im Takt des Liedes oder der Musik hin und her zu wiegen. Dieses Wir-Gefühl braucht von Zeit zu Zeit jeder Mensch, denn wir sind keine Einzelkämpfer, sondern wir sind auf Gemeinschaft angelegt! Natürlich ist jeder von uns ein einzigartiges Individuum, doch nur im Miteinander können wir uns im Großen wie im Kleinen entwickeln, können Probleme lösen und Besonderes leisten; wir Menschen brauchen einander!

Er schenkt uns das Lachen. Ob wir eine Büttenrede hören oder einen Festwagen sehen, Grund zum Lachen gibt es im Karneval allenthalben; denn auch Kostüme, Liedtexte, Zwischenrufe und vieles andere mehr können uns zum Lachen bringen. Und sollte es jemanden geben, der von all dem unbeeindruckt bleibt, so wird dieser bald merken, dass das Lachen selbst ansteckend ist; Lachen verführt zum Lachen. Die täglichen Nachrichten und Sorgen, die auf uns niederprasseln, lassen uns oft das Lachen vergehen, doch damit wird die Welt dunkel und schwer und wir verzagen. Das Lachen gibt uns die Leichtigkeit und Unbeschwertheit zurück, um mutig für das Leben zu streiten; wir Menschen brauchen das Lachen.

Er schenkt uns die Maskerade. Das ist es doch, das den Karneval so bunt sein lässt, die unzähligen Kostüme. Und man staunt immer wieder, wer welche Verkleidung für sich wählt. Es macht nicht nur Spaß, sondern es ist auch spannend, in andere Rollen zu schlüpfen.

Natürlich leben wir in einer freiheitlichen Gesellschaft, und doch sind wir durch unsere Entscheidungen privat oder beruflich festgelegt. Der Karneval zeigt uns, dass wir mehr Facetten besitzen, als wir gemeinhin entfalten; denn wir Menschen brauchen den Reichtum der Seele.

So verhilft uns der Karneval zur alten Lebensfreude! Und pünktlich zu den Tollen Tagen hat unsere Stadt endlich auch einen neuen Propst bekommen; da er ein Kind des Niederrheins ist, kennt er sich mit der Fünften Jahreszeit sicherlich bestens aus. So sei ihm und uns allen zugerufen: "Halt Pohl" und "All Rheydt"!

DER AUTOR IST PFARRER VON ST. MARIEN RHEYDT.

Quelle: RP
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