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Mönchengladbach
Karneval wurde in der Hauptkirche klassisch

Mönchengladbach. Der MKV lud in die evangelische Kirche Rheydt ein. Burkhard Sondermeier zauberte einen sonderbaren karnevalistischen Kosmos in den sakralen Raum. Es wurde ein stimmungsvoller Abend. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Nach dem Zuspruch in der Session 2015 erklang zum zweiten Mal, präsentiert vom MKV, "Karneval einmal klassisch" mit Burkhard Sondermeier in der Hauptkirche Rheydt. Diesmal hieß es "ex oriente Jux" mit der Fragestellung: Wie könnte Karneval klingen, wenn es ihn in fernen Ländern gegeben hätte, oder gäbe?" Der gute Zweck? Zugunsten der Jugendkirche Rheydt.

Sobald sich Sondermeier an seinen antiquarischen Schreibtisch setzt, verwandelt sich der Raum in einen sonderbaren karnevalistischen Kosmos. Einerseits umgibt ihn dann die mit jeweils wechselnder Besetzung überraschende Camarata Caranaval - ein stets aus Meistern bestehendes Kammerensemble. Diesmal zugegeben etwas Bläser-lastig. Andererseits beschwört er in Geschichten und Anekdoten als Sprecher und auch als mal etwas holpriger, mal leichtfüßigerer Chansonnier, ein Narrentum jenseits des Gewohnten. Wobei "Karneval einmal klassisch" im Rheinland schon zu einer Tradition, einer Institution, geworden ist.

"Opus 14" - zum vierzehnten Mal lotete man aus, wie "Klassisches" mit Karneval zusammenpassen könnte. Wenngleich "klassisch" hier ein Schlagwort für wirklich Vielfältiges ist. So erfreuten sich die Zuhörer an der Musik von Offenbach, Debussy und weniger bekannter Meister wie von André-Ernest-Modeste Grétry und dem iranischen Komponisten Parviz Mahmoud (1910-1996), auch ganz klassisch an Karnevalistischem von Jupp Schmitz oder Willi Ostermann. Auch eigene Werke, Chansons mit Brecht-Weillschem Tonfall, würzten den stimmungsvollen Abend, der bisweilen eine feine Schärfe hinter dem sanften Ton in sich trug.

Bemerkenswertes hat Sondermeier zusammengetragen, entdeckt oder wiederentdeckt, Stücke übersetzt und für sich singbar gemacht. Dabei konnte er sich auf die in weiten Teilen profund spielenden Musiker seiner Camarata verlassen. Johann Peter Taferner (Klarinette) war geschickter Schlangenbeschwörer von Hillers "Die zerstreute Brillenschlange", Igor Kirillov (Klavier, Orgel, Ratsche und Xylophon) erntete Jubel auch als Xylophon-Virtuose. Kristof Dömötör (Alt-Saxophon und Bass-Klarinette) bezwang exquisit "Le Carnaval de Venise" für Saxophon von Louis Adolphe Mayeur.

Ekaterina Ryzhova (Flöten), überzeugte durchweg mit charmantem Ton und Michael Peschko mit der eigens für die Camarata gebauten modularen Mini-Orgel namens "Metropol". Zum Schluss wurde geschunkelt, Schuberts Fantasie in f-Moll für Klavier zu vier Händen wurde zitiert, und man sang eine dann doch etwas gewöhnungsbedürftige Hymne auf Kölle.

Quelle: RP
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