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Mönchengladbach
Karneval zwischen Event und Tradition

Mönchengladbach: Karneval zwischen Event und Tradition
Bei den beiden Hausfrauennachmittagen im Holter Festzelt feiern jeweils rund 2000 Damen. Keine andere Veranstaltung ist größer. FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. Es gibt ganz große und ganz kleine Veranstaltungen. Alle haben ihre Anhänger. Die Gesellschaften verfolgen verschiedene Konzepte. Von Christian Lingen

Streng genommen, ist die Karnevalssession schon viele Woche alt. Schließlich sprangen am Elften im Elften auf dem Kapuzinerplatz gleich zwei Hoppedize aus der Kiste. Die beiden Prinzenpaare sind proklamiert und die ersten Sitzungen haben auch schon stattgefunden. Doch so richtig los geht es erst heute. Auf die Jecken der Stadt warten in fast jedem Stadtteil Veranstaltungen. Die reichen vom kleinen Biwak über gemütliche Sitzungen im Pfarrheim bis hin zu Großveranstaltungen mit bis zu 2000 Gästen im Festzelt. Vergleichen kann man sie eigentlich nicht so richtig. Denn jede Gesellschaft hat ihr eigenes Konzept. Das zeigen sowohl die Programme als auch die Räumlichkeiten und Besucherzahlen. "Einhundert Gäste kamen zur Sitzung" muss nicht heißen, dass es leer war. Es kann auch bedeuten: "Die Sitzung war ausverkauft". Wir erklären, worin die Unterschiede bestehen.

Warum gibt es so große Unterschiede bei den Besucherzahlen?

Grundsätzlich gilt es zu unterscheiden zwischen großen und kleinen Veranstaltungen. So feiert die KG Immer lustig Holt unter anderem zwei Hausfrauennachmittage mit jeweils rund 2000 Damen im Festzelt. Die KG Alles onger ene Hoot Hardterbroich hingegen feiert im Pfarrheim mit etwas mehr als einhundert Gästen. In beiden Fällen sind die Sitzungen damit ausverkauft. Die Karnevalsgesellschaften achten darauf, dass Besucherzahlen und Räumlichkeiten zueinander passen. Leere Hallen möchte schließlich niemand.

Welche Konzepte gibt es bei den Programmen?

Es gibt Gesellschaften wie die KG Wenkbülle und die KG Immer lustig Holt, die ihre Programme hauptsächlich mit den großen Namen des Kölner Karnevals gestalten. Brings, Kasalla oder die Kölner Rheinveilchen sind bei diesen Gesellschaften nichts Besonderes, sondern der Normalfall. "Das Publikum will große Namen auf der Bühne sehen. Dafür sind die Gäste dann auch bereit, etwas mehr Eintritt zu bezahlen. Bei Borussia oder einem Konzert von Helene Fischer tun sie es auch. Im Karneval ist nicht jeder dazu bereit - höchstens, wenn man Stars bietet", sagt Michael Körffer, der Präsident der KG Wenkbülle. Der Großteil der Gesellschaften setzt auf ein gekauftes Programm mit preiswerten Künstlern, die aber nicht schlechter sind. Und dann gibt es Gesellschaften wie die KG Schwarz-Gold Rheydt. Die gestaltet rund 90 Minuten Programm aus den eigenen Reihen. "Wir verfolgen den traditionellen, ursprünglichen Karneval. Das kommt beim Publikum gut an. Es muss nicht immer nur Musik sein. Die Mischung macht's", sagt Thomas Schmitz, der Präsident der Schwarz-Goldenen.

Was ist am wirtschaftlichsten?

Das lässt sich nicht genau sagen. "Wir finanzieren unsere Sitzungen zum größten Teil über die Eintrittsgelder", sagt Hans-Peter Jansen, Ehrenpräsident der KG Immer lustig Holt. "Jede Sitzung ist ein Risiko. Kommen keine oder zu wenig Gäste, bleibt man im schlimmsten Fall auf den Kosten sitzen", sagt Michael Körffer. Das gilt generell für alle Veranstaltungen. Die beste Werbung ist daher Mundpropaganda. Die Holter Sitzungen zum Beispiel ziehen Gäste aus dem Umland an. Die KG Botterblom Giesenkirchen oder die KG Poether Pothäepel begrüßen im Publikum viele Vertreter anderer Vereine und füllen damit einen großen Teil ihrer Säle.

Was kommt beim Publikum am besten an?

Das ist reine Geschmackssache. Es gibt Karnevalisten, die mögen große und kleine Veranstaltungen gleich gerne. Andere besuchen lieber die ganz großen Sitzungen. Und es gibt Karnevalisten, die den Event-Karneval, wie er in Holt und bei den Wenkbülle stattfindet, als "die Kommerzialisierung des Karnevals" bezeichnen. Recht haben am Ende alle und niemand. Denn was der Karneval braucht, ist die Mischung aus allem. So kann jeder entscheiden, wohin er gehen möchte. Das Ziel aller Gesellschaften ist nämlich das Gleiche: den Mönchengladbacher Karneval weiterentwickeln, in seinem Bestand sichern und dem Publikum Spaß und Freude bereiten.

Wie wird die Zukunft aussehen?

Das weiß natürlich niemand so genau. Die Tendenz geht jedoch dorthin, dass der Event-Karneval mit Partycharakter und viel Musik auf der einen und der Karneval mit Auftritten aus den eigenen Reihen auf der anderen Seite beim Publikum am besten ankommen. Deshalb gestalten auch immer mehr Gesellschaften eigenes Programm. Sitzungen mit preiswerten Künstlern und teils unbekannten Namen haben es immer schwerer. Der Mönchengladbacher Karnevalsverband fordert seit Jahren zu Kooperationen zwischen Gesellschaften auf. Die gibt es zwar hier und da, doch richtig funktioniert hat bislang kaum eine.

Quelle: RP
 
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