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Mönchengladbach
Der Rosenkavalier: Verwandlungen im Seelenraum

Mönchengladbach. Zur Frühstücksmatinee kamen etwa 100 Interessierte ins Theatercafé Linol. Von Dirk Richerdt

Es ist eine Oper der Frauen, der Frauenstimmen. Das wurde bei der Matinee zur Oper "Der Rosenkavalier" im Theatercafé nicht erst deutlich, als Dramaturgin Ulrike Aistleitner das Terzett von Marschallin, Sophie und Octavian in einer Einspielung mit Karajan aus dem Jahr 1956 abspielen ließ.

Denn Octavian ist eine Hosenrolle, der jugendliche Liebhaber der reifen Fürstin Werdenberg singt in Mezzosopranlage. Eigentlich sollte Eva Maria Günschmann bei der Matinee, zu der 100 Besucher kamen, zusammen mit Sophie Witte (Sophie) und Lydia Easley (Feldmarschallin) dieses schöne Terzett über erfüllte Liebe unter einem Firnis aus Melancholie vortragen. Doch die Mezzosopranistin war erkrankt. Daher gab es keine Live-Kostproben, statt dessen Passagen aus der Konserve.

Den "Rosenkavalier" zu produzieren bedeutet für mittelgroße Bühnen einen Riesenkraftakt. So verwundert nicht, dass diese 1911 in Dresden uraufgeführte Oper hier in den zurückliegenden drei Jahrzehnten nur einmal, 1999/2000, inszeniert wurde.

Mit Mascha Pörzgen ist eine erfahrene Regisseurin damit betraut, sie hat hier bereits "Eugen Onegin" (2002) und "Die Zauberflöte" (2004) erarbeitet. Die unaufhaltsam verrinnende, die Menschen einander und sich selbst entfremdende Zeit ist der rote Faden der Handlung. Zwar ist der in Wien spielende "Rosenkavalier" in der Zeit der Kaiserin Maria Theresia angesiedelt, aber er vermittelt auch Vorahnungen des Ersten Weltkriegs. "Wir lassen diese Zeitebenen ineinanderfließen", erklärte Mascha Pörzgen.

Die Adelsgesellschaft des Rokoko ist dem Verfall preisgegeben. An diese Zeit klammert sich die Feldmarschallin, die ihre Verlustängste durch Liebschaften mit jüngeren Männern zu überwinden trachtet. Doch am Ende kann sie Octavian nicht halten und nimmt das Unvermeidliche in Kauf. Ebenso wie ihr Cousin, der verarmte Baron Ochs, auf die junge Sophie verzichten muss.

Ochs hat sich für seine Brautwerbung mit Octavian den Falschen ausgesucht. Die jungen Leute verlieben sich. Das altwienerische Idiom des von Hugo von Hofmannsthal verfassten Textbuchs wird per Übertitelung vermittelt. "Es ist ein kluger, kraftvoller und sehr poetischer Text", urteilt Mascha Pörzgen.

Die Oper beginnt, so die Regisseurin, "mit einem komponierten Liebesakt, das war ein rechter Skandal bei der Uraufführung". Die einschließlich zwei Pausen etwa vier Stunden beanspruchende Aufführung leitet Generalmusikdirektor Mihkel Kütson. Frank Fellmann hat, so Pörzgen, "einen Seelenraum der Marschallin gebaut, in den wir im zweiten Aufzug den Palais des Emporkömmlings Faninal und im dritten Akt das Wiener Beisl mit all seinen Intrigen hineinbauen."

Premiere: Sonntag, 24. Januar, 18 Uhr.

Quelle: RP
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