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Mönchengladbach
Karneval fürs Ohr

Mönchengladbach: Karneval fürs Ohr
Für jeden war etwas dabei bei der Blindenkarnevalssitzung - besonders der BSV hat sich über die auf sie abgestimmten Künstler gefreut. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Bei der Blindenkarnevalssitzung der KG Uehllöeker in Neuwerk stehen traditionell Büttenreden, Komiker und Gesang im Vordergrund. Und wenn ein Gag doch mal von der Optik lebt, ist schnell jemand zur Stelle, um die Pointe zu erläutern. Von Vivienne Kara

Eigentlich ist ja Karneval ein großes Wimmelbild - und jede Sitzung ein farbenfroher Augenschmaus. Doch es gibt eine, die aus dem Rahmen fällt - veranstaltet von der KG Uehllöeker und dem Blinden- und Sehbehindertenverein (BSV). "Die Veranstaltung ist sehr auf Blinde und Sehbehinderte ausgerichtet", sagt Wolfgang Mertens, ehemaliger Vorstand des BSV. Büttenreden, Komiker sowie Gesang und Musik stehen im Vordergrund - also mehr das Wort als das Visuelle.

Mit ein paar Minuten Verspätung zogen die Uehllöeker und BSV-VorsitzenderRudolf Hansen im ehemaligen Haus Ohlenforst ein. Der in blau-weiß gehüllte Festsaal machte den feierfreudigen Karnevalisten besondere Freude. Nach längerer Zeit und mehreren Ortswechseln wurde die Sitzung nämlich wieder in der altgewohnten Gaststätte abgehalten. "Macht euch auf ein tolles Programm gefasst!", rief Hansen, der bereits seit 23 Jahren Vorsitzender des Vereins ist.

In diesem Jahr wurde die Sitzung stellvertretend von Uehllöeker-Mitglied Heinz-Hermann Deussen moderiert, der kurzfristig einsprang. Trotz einiger Versprecher und Missverständnisse wurde die Sitzung gut gemeistert. Nicht nur die Mitglieder des BSV freuten sich über den ausgelassenen Abend, auch die der Uehllöeker waren glücklich, an der Sitzung teilzunehmen. "Die Sitzung ist gelebte Tradition", schwärmte Präsident Willi Kleuser.

Zum 68. Mal fand die Sitzung bereits statt - sie gilt gewissermaßen als Auftakt zur heißen Sitzungsphase. "Zunächst hat der Verein ganz klein im Blindenheim angefangen. Mittlerweile sind wir schon 130 bis 140 Personen", sagte Hansen stolz. Aber nicht nur Sehbehinderte und Blinde sind herzlich willkommen, auch Familie und gute Freunde des Vereins sind immer wieder gerngesehene Gäste. Und natürlich waren auch die Neuwerker Eulen mit dabei (der Name Uehllöeker bezieht sich auf die Eulen, die früher in den Neuwerker Weiden saßen). "Hier ist keiner mehr auf der Sie-Ebene", betonte Hansen und berichtete von der vertrauten Geselligkeit jedes Jahr.

Falls es übrigens doch einmal etwas zu sehen gab, waren gute Freunde immer dabei, um den Blinden oder Sehbehinderten den jeweiligen Gag zu erläutern. Eine weitere Besonderheit: "Die Künstler treten honorarfrei auf und kriegen nur ihre Kostenvergütung", erzählte Volker Theisen, Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft.

Das unstrittige Highlight des Abends waren die beiden Prinzenpaare, die der Blindenkarnevalssitzung eine Stippvisite abhielten. Prinz Michael II. und seine Prinzessin Niersia Monica wurden mit tosendem Applaus und toller Stimmung im Haus Ohlenforst begrüßt. Aber auch das Kinderprinzenpaar Anna-Leonie Pütz und Philipp Schmitz sorgte für gute Stimmung. "Also so gut hat noch nie jemand 'Halt Pohl' mit uns gerufen. Da muss ich jetzt wirklich mal ein Lob aussprechen", würdigte Prinz Philipp die jecken Neuwerker.

Aber nicht nur mit ihrem gemeinsamen Gesangsauftritt unterhielten die Prinzenpaare, auch Orden verteilten sie natürlich. Ein Kinderorden ging jeweils an Inge Fischer sowie Dieter Peter und Heinz-Hermann Deussen. Das große Prinzenpaar verlieh einen Orden an Manfred Wachten. Später am Abend erhielt auch Dagmar Schmidt den Orden der KG Uehllöeker.

Aber auch die Künstler begeisterten die Karnevalisten. Unter anderem die Kölsch-Fraktion, Iris Criens und Anna Bodewein unterhielten das Publikum. Es wurde gelacht, geschunkelt und gesungen. Für jeden war etwas dabei - und besonders der BSV hat sich über die auf sie abgestimmten Künstler gefreut.

Quelle: RP
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