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Mönchengladbach
Kasachstans Medizinerinnen lernen im Maria Hilf

Mönchengladbach. Der erste Eindruck: Die Medizin in Kasachstan ist weiblich geprägt. Der zweite Eindruck: Die medizinische Versorgung in dem zentralasiatischen Land ist auf dem Weg zu einem mit Deutschland vergleichbaren Standard. Der dritte Eindruck: Es fehlen dort Ärzte, besonders auf dem Gebiet der Endoprothetik. Von Angela Rietdorf

Eine sechsköpfige Delegation aus Kasachstan, begleitet von einer Dolmetscherin, war zu Gast in den Kliniken Maria Hilf auf dem Gelände des Franziskus-Hauses. Die Ärztinnen, allesamt ärztliche Direktorinnen von Krankenhäusern oder Polykliniken, informierten sich über die Gesundheitsversorgung in Deutschland. Im Krankenhaus Maria Hilf lag der Schwerpunkt des Besuchs auf der Organisation der Zentralen Notaufnahme. Zuvor stellte Professor Dr. Andreas Lahm, Geschäftsführer des Krankenhauses, das medizinische Angebot und die Organisationsstruktur des gesamten Hauses vor. Er konnte eindrucksvolle Zahlen präsentieren: rund 37.000 stationäre Fälle jährlich, 108.000 ambulante Behandlungen, 2.300 Mitarbeiter, 766 Betten und 20 Fachkliniken an insgesamt zwei Standorten. Insbesondere die Endoprothetik, die Implantation künstlicher Gelenke wie des Knie- oder Hüftgelenks, stieß auf großes Interesse seitens der Besucherinnen aus Kasachstan. Ob das Krankenhaus auch Auslandspatienten aufnehme, wollte man wissen und wie hoch die Kosten einer Operation seien. In Kasachstan herrsche ein großer Mangel an Ärzten dieses Fachgebiets. Professor Lahm bezifferte die OP-Kosten auf 2500 bis 4500 Euro. Wenn sich Patienten von Kasachstan aus auf den Weg an den Niederrhein machen, werden sie aber vermutlich recht wohlhabend sein: Eine allgemeine gesetzliche Krankenversicherung wie in Deutschland gibt es dort noch nicht. Sie soll erst 2017 eingeführt werden. Die medizinische Versorgung in dem zentralasiatischen Land ist auf einem guten Weg, leidet aber unter dem Mangel an Ärzten. Und der ist paradoxerweise dem Ölreichtum des Landes geschuldet. "Die dort tätigen Konzerne zahlen sehr gut und werben Ärzte als Betriebsärzte ab", übersetzt Dolmetscherin Irina Orlikova die Erklärungen der Besucherinnen. Meistens ziehe es die männlichen Mediziner in die Unternehmen, die Ärztinnen blieben in den Krankenhäusern. Fortschrittlich ist der Einsatz digitaler Medien: In Kasachstan wird die Einweisung und Terminvergabe in Krankenhäuser online abgewickelt. Auch die Laborergebnisse werden so übermittelt. Das ist schnell und effizient. "Aber bei uns aus Datenschutzgründen nicht möglich", stellt Lahm fest.

Bei der Führung durch die zentrale Notaufnahme kommt es zu einer überraschenden und herzlichen Begegnung: Eine der Krankenschwestern kommt aus Kasachstan. Die Abläufe und die zur Ersteinschätzung eingesetzten Computerprogramme kennen die Ärztinnen. Wenn auch noch nicht überall umgesetzt, geht die Entwicklung dort in die gleiche Richtung. Ob die kasachische Medizin auch mit einem jährlichen fünfprozentigen Zuwachs an Notfallpatienten zu kämpfen hat, weil sich immer mehr Menschen die Wartezeit beim Arzt ersparen wollen, bleibt offen.

Quelle: RP
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