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Mönchengladbach
Kaserne bleibt ein Ladenhüter

Mönchengladbach: Kaserne bleibt ein Ladenhüter
Der zentrale Platz der Niederrheinkaserne an der Kaldenkirchener Straße. FOTO: Knappe Joerg
Mönchengladbach. Seit 16 Jahren verrottet die Niederrheinkaserne. Während Sprayer, Skater und die Natur das Gelände erobern, sind Stadt und Bima uneins, wie man einen Käufer findet. Von Andreas Gruhn

Das Tor zur Niederrheinkaserne quietscht, es lässt sich nur schwer öffnen. Der Stein mit der Inschrift ist verwittert und zugewachsen. 16 Jahre freier Verfall, Vandalismus und Metalldiebe haben dem rund zehn Hektar großen Areal im Norden der Stadt zugesetzt. Unsere Redaktion durfte sich nun erstmals seit fast zehn Jahren auf dem Gelände umsehen - ein Areal, das Stand heute keine Perspektive hat. Immer wieder gebe es Interessenten, die das Gelände kaufen möchten, heißt es bei der Bundesanstalt für Immobilienaufhaben (Bima): "In Ermangelung eines Planungskonzeptes ist es jedoch nicht möglich, die Liegenschaft am Markt anzubieten. Aus diesem Grund werden derzeit keine Verkaufsverhandlungen mit Interessenten geführt."

Seit dem Jahr 2000 steht die Niederrheinkaserne, früher als Nicholson-Barracks im Betrieb der britischen Rheinarmee, leer. Damals wurde die Dienststelle des Heeresunterstützungskommandos nach Koblenz verlegt. Damit ging das Areal in den Besitz der Bima über.

Zuletzt hatte es der Bau- und Planungsausschuss im Mai 2014 abgelehnt, einen Bebauungsplan für das Areal aufzustellen. Den sieht die Bima als zwingende Voraussetzungen für Verkaufsverhandlungen an - "nach jahrelangen Gesprächen mit der Stadtverwaltung". Die Stadt wiederum betont, sie habe klare Vorgaben gemacht, welche Nutzung möglich ist. Annette Bonin, planungspolitische Sprecherin der CDU-Ratsfraktion, kritisiert, die "Bima könnte das Gelände ruhig aktiver vermarkten. Erst dann können wir ins Verfahren gehen, einen Bebauungsplan aufzustellen."

Einig sind sich Stadt und Bima lediglich darin, dass auf dem Areal nur eine gewerbliche Nutzung denkbar ist und nicht etwa Wohnungsbau. Dann gehen die Interessen aber auch schon auseinander. Für die Bima zählt einzig der Verkaufspreis, die Stadt möchte an der Stelle aber nicht etwa einen Autohof mit Spielcasino und Erotik-Laden, wie es ein Investor vor rund zwölf Jahren vorhatte. "Die Stadt hat einen Qualitätsanspruch entwickelt. Was immer dort gebaut wird, muss diesem Anspruch gerecht werden", sagt Stadtsprecher Wolfgang Speen.

Den hätte etwa der Online-Händler für Sanitärbedarf Reuter.de zuletzt darstellen können, der sich neben einem Kranunternehmen vor zwei Jahren für das Areal interessiert hatte, nun aber nach Viersen weiterzieht. Da das Gelände von Naturschutzgebiet (Nordwald und Jahrhundertwald) umgeben ist, wäre für Planungspolitikerin Bonin auch eine ganz andere Alternative denkbar: gar nichts zu bauen und das Gelände ins Naturschutzgebiet zu integrieren. Aber auch in diesem Fall müsste ein Käufer den vollen Wert zahlen. Die Bima betont, sie habe das Gelände bereits der Stadt per Erstzugriffsoption angeboten, und zwar ohne vorheriges Bieterverfahren: "Sie hat jedoch kein Interesse am Erwerb der Liegenschaft bekundet."

In jedem Fall müsste ein Käufer damit rechnen, auf dem Gelände einen Kahlschlag tun zu müssen. 17 Gebäude, von der Wachstube mit Gefängniszellen über Wohngebäude, Werkhalle, Kasino mit Bar bis zur Lkw-Halle, müssten wohl abgerissen werden. Einige von ihnen sind einsturzgefährdet, ihre Eingänge musste die Bima zumauern, um ungebetene Gäste vor einem Eindringen in lebensgefährliche Bereiche zu schützen.

Nach Auskunft der Behörde hätte ein Käufer aber zumindest im Boden nicht mit bösen Überresten der militärischen Nutzung zu rechnen: "Die Altlastenuntersuchungen sind abgeschlossen. Aus bodenschutzrechtlicher Sicht besteht kein Handlungsbedarf."

Quelle: RP
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