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Mönchengladbach
Kein Platz für die Regenbogenschule?

Mönchengladbach: Kein Platz für die Regenbogenschule?
Fröhliche Kinder verschiedenen Glaubens. FOTO: Angela Rietdorf
Mönchengladbach. 40 Kinder aus 25 Nationen und vier Religionen besuchen jeden Samstag die Regenbogenschule von St. Egidio. Von Angela Rietdorf

Sommerfest in der Regenbogenschule: Rund um den bunt angemalten Container im Garten des Venner Jugendheims wird gefeiert - Kinder, Eltern, jugendliche Betreuer reden, lachen, tanzen, singen, essen. Die Haut der Kinder ist weiß, braun oder schwarz, die Mütter tragen Kopftuch oder auch nicht. Es sind Christen, Muslime, Hindus und Jesiden dabei. Die Stimmung ist fröhlich, die Atmosphäre familiär.

Die Kinder sind vor kurzem aus einem siebentägigen Sommerlager in der Eifel zurückgekehrt, elf jugendliche Betreuer haben sie begleitet. "Es ist immer schön", sagt Lina, 23 Jahre alt, und seit acht Jahren in der Regenbogenschule der christlichen Gemeinschaft St. Egidio aktiv. "Aber diesmal war es besonders gut, weil es kaum Streit gab." Das sei das Tolle an der Regenbogenschule: "Ganz bunte Kinder, die trotzdem harmonisch leben." Dieses bunte Miteinander findet nicht nur im Sommerlager, sondern an jedem Samstag in Venn statt. Dann werden die vierzig Kinder in allen Stadtteilen abgeholt. Im Container werden Hausaufgaben gemacht, dann wird gespielt, geredet, gegessen. "Den Kindern geht es oft nicht gut, es gibt Probleme in der Schule oder in den Familien", sagt Felix (19). "Aber hier ist ein perfekter Ort für alle."

Doch dieser perfekte Ort, der Container, der auch schon in die Jahre gekommen, im Sommer heiß und an manchen Stellen feucht ist, wird nicht mehr lange existieren. Jedenfalls nicht an diesem Platz. Das Jugendheim und damit auch der Container werden in absehbarer Zeit verschwinden und einem Neubaugebiet Platz machen. "Wir wissen nicht, wann, aber wir wissen, dass wir raus müssen", sagt Gabi Brülls von der Gemeinschaft St. Egidio, die die Regenbogenschule bereits 1985 ins Leben rief. Seitdem haben viele Kinder dort Unterstützung, Zuneigung und Freundschaft erfahren und das, was sie erfahren haben, auch weitergegeben. Zum Beispiel, indem sie alte Menschen im Altenheim besuchen. "Es entsteht ein Klima, das sich verselbstständigt", sagt Gabi Brülls. "Die Kinder lernen, offen zu sein und andere willkommen zu heißen." Auch die fünfzehn bis zwanzig jugendlichen Betreuer, die regelmäßig am Samstag mit dabei sind, sind von dem Projekt überzeugt. "Ich sehe das nicht als Zeitopfer", sagt Lina. "Ich gebe etwas, aber ich bekomme auch ganz viel zurück." Also keine Arbeit, die man erledigen und abhaken möchte, sondern hochmotiviertes Engagement. "Wir würden gern noch eine zweite Regenbogenschule gründen", sagt Felix. "Das ist unsere Vision." Vorerst aber muss die bereits existierende Regenbogenschule neue Räumlichkeiten vorzugsweise in zentraler Lage finden. "Am besten wäre ein Haus mit einem Garten zum Spielen", sagt Felix. Auf jeden Fall benötigen die jungen Leute von Sant´ Egidio einen großen Raum, etwa 30 bis 40 Quadratmeter für die Hausaufgabenbetreuung und bei schlechtem Wetter auch zum Spielen.

Zwei bis drei kleinere Räume würden als Gruppenräume, Büro oder Materiallager gebraucht. Eine Zeit lang sei die alte Schule an der Knopsstraße im Gespräch gewesen, aber nun sei ein Investor interessiert an diesem Gelände. "Aber wir brauchen ein Gebäude", sagt Gabi Brülls, "und zwar nicht nur samstags nachmittags, sondern dauerhaft." Die jugendlichen Betreuer seien so voller Engagement. "Sie möchten die Stadt verändern und werden momentan durch die Raumfrage ausgebremst." Das soll so nicht bleiben.

Wer Ideen zur Unterbringung der Regenbogenschule hat, kann unter der Email-Adresse "mailto:sant.egidio@t-online.de" Kontakt aufnehmen.

Quelle: RP
 
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