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Mönchengladbach
Killer Ladies toben durch Fabrikraum

Mönchengladbach. Der Musiker und Künstler Martin Kircher entwarf den Performance-Abend "Umkleide II". In einem ehemaligen Umkleideraum des Werkzeugmaschinen-Unternehmens Monforts setzten Künstler ihre kreativen Ideen um. Von Sigrid Blomen-Radermacher

Von eleganten roten Absperrseilen geschützt, steht ein klassischer weiblicher Akt still und starr ganz hinten im Raum. Nur daran, dass ihre Augen sich öffnen und schließen, erkennt man, dass es sich um eine lebende Skulptur handelt. Ihr Name: Angelika Fojtuch. Sie steht in einem Raum, der nach künstlerischer Intervention förmlich schreit: im Umkleideraum der ehemaligen Werkzeugmaschinenfabrik Monforts.

Im Rahmen der Ensemblia fand dort unter Leitung des Mönchengladbacher Künstlers und Musikers Martin Kircher ein "Abend der Performance" statt. Dieses Kooperationsprojekt des städtischen Kulturbüros mit der Marketing-Gesellschaft Mönchengladbach stand unter der Idee, dass die Performance-Kunst in Mönchengladbach noch entwicklungsfähig sei.

Das Genre ist nicht neu. Seit den 1960er-Jahren hat es sich entwickelt und lebt aus dem Zusammenspiel zwischen dem Raum der Aufführung, dem Körper und der Aktion des Künstlers sowie dem Zuschauer. Performance ist nicht Theater, nicht Konzert, ist vergänglich, flüchtig, ein offener Prozess, der nie exakt wiederholbar ist. Durch den engen körperlichen Kontakt zum Zuschauer, der eben nicht in einem Zuschauerraum sitzt, sondern hautnah und mittendrin steht, kann Performance-Kunst intensiver wirken als ein Bild an der Wand.

Die "Hautnähe" spüren die mehr als 100 Besucher des Monforts-Quartiers deutlich. Es ist ein breites Spektrum sehr unterschiedlicher Ansätze dieser Kunstform, das dort dargeboten wurde. Neben Angelika Fojtuch, Rosa Sijben, Norbert Krause und Martin Kircher sind die Berliner Daniel Löwenbrück, Michael Barthel und Krube sowie die Kölnerin Tina Tonagel zur Aktion eingeladen.

Was sie vorführen, ist mal beklemmend - etwa wenn die "Killer Ladies" brüllend und aggressiv durch den Raum stampften, Fäden von einem zum anderen Ende spannten, die das Gefühl von Enge vermittelten, mit Scheren ihre Bekleidung zerschneiden und Dinge durch den Raum werfen. Mal wird es schmerzhaft laut, wenn Krube seine akustische Performance zelebriert. Dann wieder wird es subtil, als Tina Tonagel ein "Konzert" aus tropfenden Kerzen veranstaltet: Die Wachstropfen lösen einen Ton aus, die Neigung der Kerzen sorgt für einen Rhythmus und unterschiedliche Tonhöhen.

Michael Barthel performt eine witzige, an die Dada-Bewegung erinnernde Performance aus Sprache und Gesang. Daniel Löwenbrück arbeitet sich an Liegestützen ab. Immer wenn er erschöpft zusammensinkt, löst er einen elektronischen Kontakt aus, der schallendes Gelächter (aus Lautsprechern) zum Ergebnis hat. Rosa Sijben, wie Fojtuch ehemalige Atelierstipendiatin , zeigt eine Videoarbeit, in der sie mit virtuellen und realen Wirklichkeiten spielt - amüsant und intelligent zugleich.

In einer Pause sitzt Norbert Krause am Tisch und öffnet einen Glückskeks nach dem anderen, ein Bezug auf den Gruß "Glück auf!" der Arbeiter in Umkleideräumen des Ruhrgebiets. Ruhepol des Abends bleibt der Akt - ganz hinten im Raum und unerschütterlich standsicher.

Quelle: RP
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