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Mönchengladbach
Kinder und Krebs: Unsagbares sagen

Mönchengladbach. Die Beratungsstelle für Krebsbetroffene beim Paritätischen bietet Kindern krebskranker Eltern Gelegenheit zum Gespräch. Von Angela Rietdorf

Da ist sie, die gefürchtete Diagnose: Krebs. Einer von drei Menschen wird im Laufe seines Lebens damit konfrontiert werden. Sie löst viele Gefühle aus - Angst, Unsicherheit, Wut, Verzweiflung. Nicht nur bei den Betroffenen selbst, sondern auch in der Familie. Auch kleine Kinder spüren die veränderte Stimmung der Eltern, selbst wenn sie nicht wissen, was der Grund dafür ist. Die Beratungsstelle des Paritätischen bietet den von Krebs Betroffenen, aber auch deren Kindern Hilfe, Unterstützung und Gelegenheit zum Gespräch im neutralen Rahmen an.

Rund 170 Menschen haben sich im vergangenen Jahr an Verena Jahreis von der Krebsberatungsstelle des Paritätischen gewandt. Sie bekommen von ihr Informationen, Unterstützung beim Beantragen von finanziellen Hilfen, Beratung über gesetzliche Ansprüche, aber auch die Möglichkeit, über ihre Krankheit und die eigenen Gefühle zu sprechen. "Auch einfach `ich habe Angst` sagen zu dürfen, ist wichtig", sagt die Beraterin. Auch an Krebs erkrankte Eltern können mit Verena Jahreis darüber reden, was sie wie ihren Kindern über die Krankheit vermitteln können. Grundsätzlich, sagt die Beraterin, sei es immer besser, mit den Kindern zu reden.

"Die Kinder sollten informiert und ihre Fragen beantwortet werden", erklärt sie. Es sei wichtig, den Phantasien der Kinder mit Informationen zu begegnen. Auch die Therapien und deren Konsequenzen sollten die Eltern erläutern. Zum Beispiel, dass bei der Chemotherapie die Haare ausfallen. Gleichzeitig sei es von großer Bedeutung, die Normalität aufrecht zu erhalten, zum Beispiel, indem man andere Eltern bittet, die Kinder mit zum Training oder zur Musikschule zu nehmen. "Die meisten Menschen helfen gern, gerade, wenn es etwas Konkretes zu tun gibt", betont Verena Jahreis.

Doch auch den Kindern und Jugendlichen selbst, deren Eltern an Krebs erkrankt sind, steht Verena Jahreis als Gesprächspartnerin zu Verfügung. "Kinder haben oft das Gefühl, die Erkrankung der Eltern habe mit ihnen zu tun, sie trügen irgendwie Schuld daran", weiß die Beraterin. Darüber können sie mit ihr reden. Sie können in neutralem Rahmen das Unsagbare sagen, von Schuld, Wut oder Angst sprechen. Manchmal haben sie das Gefühl, dass ihre Hilfe nicht wahrgenommen wird, weil die kranke Mutter kein Wort des Lobes hat. Manchmal sind sie wütend, weil der lange ersehnte Urlaub ausfallen muss. Und natürlich haben sie Angst, dass der Ernstfall eintreten und die Eltern sterben könnten. All das einmal aussprechen zu können, hilft.

In Nordrhein-Westfalen leben derzeit mehr als 35.000 Kinder und Jugendliche, deren Eltern an Krebs erkrankt sind. Und weil Krebs eine Familienangelegenheit ist, werden sich einige der Krebsberatungsstellen in NRW, darunter auch die des Paritätischen Zentrums in der Friedhofstraße 39 in Rheydt, in diesem Jahr intensiv dem Thema "Kinder krebskranker Eltern" widmen. Möglich wird das durch die finanzielle Unterstützung der Aktion Lichtblicke.

Die Krebsberatungsstelle in Rheydt ist erreichbar unter der Telefonnummer 02166- 923940 und zwar am Montag von 10 bis 14 Uhr und am Donnerstag von 15 bis 18 Uhr.

Quelle: RP
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