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Missbrauch in Mönchengladbach
Warum auf Überwachungsvideos kaum etwas zu sehen ist

Kindesmissbrauch in Mönchengladbacher KFC-Restaurant: Warum die Fahndungsfotos so schlecht sind
Eine Kamera filmte den Mann, der in Mönchengladbach eine Fünfjährige missbraucht haben soll. Die Qualität der Bilder ist schlecht. Deswegen gibt es wenige Hinweise. FOTO: Polizei Mönchengladbach/RP ONLINE
Mönchengladbach. Ein Mann soll im April in Mönchengladbach eine Fünfjährige auf der Toilette eines Schnellrestaurants missbraucht haben. Die Polizei veröffentlichte Fotos vom mutmaßlichen Täter. Der Mann ist darauf aber kaum zu erkennen. Wie kann das in Zeiten modernster Technik sein? Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Fall. Von Sebastian Bergmann

Gibt es überhaupt eine gesetzliche Pflicht zur Videoüberwachung?

"Eine gesetzliche Verpflichtung zur Videoüberwachung in Filialen von Fast-Food-Ketten besteht nicht", sagt Daniel Strunk, Sprecher der Landesbeauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit NRW. Eine Videoüberwachung durch Private sei vielmehr nur ausnahmsweise und unter Beachtung des Bundesdatenschutzgesetzes erlaubt. Im Fall des Kindesmissbrauchs in der Mönchengladbacher KFC-Filiale hat der Eigentümer also lediglich Gebrauch von seinem Hausrecht gemacht, indem er eine Videokamera installierte. Dazu verpflichtet war er nicht.

Warum ist die Qualität der Überwachungsaufnahmen so schlecht?

Peter Nagel ist Experte für Videoüberwachung und Chef der Firma "proElektra Security" in Mönchengladbach-Rheydt. Er sagt: "Die Qualität der Überwachungsaufnahmen ist in diesem Fall so schlecht, da offensichtlich noch eine analoge Videokamera in dem Fast-Food-Restaurant verwendet wird." Diese sei vermutlich auf dem Stand von 2012, als das Restaurant an der Korschenbroicher Straße eröffnet wurde. "Den Aufnahmen nach zu urteilen, hat die Kamera nur eine Auflösung zwischen 300.000 und 400.000 Pixel. Heutzutage gibt es IP-Überwachungsanlagen mit zwei Millionen Pixel, die in Full-HD auflösen und nur noch etwa 180 Euro kosten", sagt er.

Dass viele Firmen noch analoge Überwachungskameras benutzen, sei ein Problem, sagt Nagel. "Aber selbst da, wo Kameras gesetzlich vorgeschrieben sind, zum Beispiel in Banken, haben die Unternehmen ihre Pflicht bereits erfüllt, wenn sie ein solches System überhaupt besitzen. Da spielt es dann auch versicherungstechnisch keine Rolle, ob die Technik schon 15 oder 20 Jahre alt ist."

Was wünschen sich die Ermittler?

Der Vorsitzende des NRW-Landesverbands Bund Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, sagt: "Für Spielhallen, in denen Videoüberwachung zum Beispiel verpflichtend ist, wird die Debatte über eine Mindestanforderung an die Technik schon länger geführt." Oft wünschten sich die Kriminalbeamten, dass ihnen Bilder von höher auflösenden Kameras zur Verfügung gestellt würden. "Das Thema hatten wir ja schon Anfang des Jahres bei den Vorfällen bei der Kölner Silvesternacht. Wenn wir von dort bessere Bilder gehabt hätten, hätte uns das die Arbeit wesentlich erleichtert", sagt der BDK-Chef.

Warum viele Restaurant- oder auch Tankstellenbesitzer noch veraltete Technik benutzen, kann sich Fiedler nicht erklären. "Da muss man sich die Frage stellen, warum sie überhaupt Kameras installieren. Uns würde es definitiv helfen, wenn auch sie sich neuere Technik anschaffen würden." Ähnlich sieht das Michael Mertens, stellvertretender Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP). Er sagt: "Wir sind meistens schon froh, wenn wir einen Menschen auf den Überwachungsaufnahmen erkennen können."

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