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Mönchengladbach
Kita-Streik: Jetzt gibt es doch Geld zurück

Mönchengladbach: Kita-Streik: Jetzt gibt es doch Geld zurück
Für die Kinder gab es gestern im Ratssaal Gummibärchen von Sozialdezernentin Dörte Schall (rechts), für die Eltern die Nachricht, dass sie wohl ihren Beitrag für einen Monat erstattet bekommen. FOTO: Isabella Raupold
Mönchengladbach. Die Eltern sollen die Beiträge von einem Monat erstattet bekommen - aller Voraussicht nach. Das vermag viele nur bedingt zu besänftigen. Besonders die Eltern der künftigen Schulkinder sind sauer. Gestern gab es mehrere Demos. Von Ralf Jüngermann

Hüpfende Kinder im Ratssaal der Abtei. Erzieherinnen, die mit roten Triller-Pfeifen der Gewerkschaft Verdi im Innenhof Lärm machen. Mittendrin Eltern mit Schildern, die bei allem Verständnis für die Erzieherinnen genug vom Streik haben. Und eine Sozialdezernentin, die Gummibärchen verteilt. Rund um die Sitzung des Jugendhilfeausschusses war gestern so viel Trubel, dass die Nachricht des Tages in Sachen Kita-Streik fast ein bisschen unterging: CDU und SPD wollen den Eltern einen Teil ihrer Beiträge erstatten lassen. Noch ist das nicht endgültig beschlossen. Denn die Stadt soll erst ausrechnen, um wie viel Geld es insgesamt geht. Außerdem soll die Bezirksregierung der überschuldeten Stadt grünes Licht für die freiwillige Ausgabe geben. Doch beides scheint keine echte Hürde zu sein. Den Betrag wird sich die Stadt alleine schon von dem Geld leisten können, das sie seit Wochen wegen des Streiks spart. Entsprechend kann auch niemand aus Düsseldorf etwas dagegen haben. "Die Signale, die wir empfangen, stimmen mich sehr zuversichtlich", sagte Sozialdezernentin Dörte Schall gestern. Schon in der Sitzung des Hauptausschusses heute in einer Woche gibt es wohl Klarheit, spätestens eine Woche später im Rat kann der Beschluss auch formal auf den Weg gebracht werden.

Das vernahmen die Eltern gestern zwar wohlwollend. Ihren Unmut vermag es jedoch kaum zu mildern. "Das ist für diejenigen, die es betrifft, gerecht. Aber es nützt den Kindern nichts. Und um die geht es uns", sagte Katrin Huppertz. Sie war eine der Mütter, die gestern im Rathaus-Innenhof kurz vor der Sitzung demonstrierten. Der lange Streik hat besonders tiefe Spuren bei denen hinterlassen, deren Kinder nach dem Sommer in die Schule wechseln. "Die Straßenbegehung mit der Polizei, das letzte Sommerfest, der Besuch in der Apotheke - all das fällt unwiederbringlich aus. Das ist kein schöner Abschied von der Kindergarten-Zeit", sagt Tatjana Scheller. Dass sie nicht in ihre Gruppen dürfen, ist den meisten Kindern schwer zu vermitteln. "Viele Kinder sind schlecht drauf. Gerade die älteren bekommen ja mit, dass ihre Zeit in der Kita zu Ende geht", sagt Tatjana Scheller. Dass sie allerdings tatsächlich die Fragen stellen, die andere Eltern ihren Kindern auf Schilder gemalt hatten ("Sind wir zu böse für den Kindergarten?"), darf bezweifelt werden. Obwohl die Ziele der unterschiedlichen Demonstrantengruppen unterschiedlich waren, gab es viel Verständnis. "Ich kann die Erzieherinnen wirklich gut verstehen. Nur ist der Streik halt das falsche Mittel, weil er die Falschen trifft: die Kinder", sagt Katrin Huppertz. Dass ein Streik in der Kita andere Folgen hat als bei der Bahn oder der Post, wissen die Erzieherinnen: "Bei uns bleiben keine Pakete liegen. Bei uns geht es um Kinder, Aber was sollen wir denn tun?", fragt Monika Kohnen. Das sieht Mechthild Schratz von der Gewerkschaft Verdi genauso. Sie bedankt sich bei Eltern und Kindern für die Geduld: "Ihr seid klasse!" Und fordert die Arbeitgeber auf, endlich ein akzeptables Angebot zu machen.

Streik der Erzieherinnen und Erzieher

Im trubeligen Ratssaal kämpfen die Mitglieder des Ausschusses meist vergebens um Gehör. Nicht nur wegen der Lautstärke der über 100 Zuhörer, sondern auch, weil es einfach nicht spannend ist zu verfolgen, wie sich Grüne auf der einen und CDU und SPD auf der anderen Seite sich beharken, obwohl die sich offensichtlich in der Sache einig sind, nur unterschiedliche Vorstellungen vom Weg zum Ziel haben. Die beste Figur macht dabei Sozialdezernentin Dörte Schall, und zwar nicht wegen der Gummibärchen, die sie an die Kinder verteilt. Sie fasst am Ende alle Positionen und die Gefühlslage so zusammen: "Die Erstattung ist wichtig und richtig. Aber entscheidend ist, dass der Streik schnell zu Ende geht. Die Kinder brauchen ihre Kitas."

Quelle: RP
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