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Mönchengladbach
Klassische Musik für Flüchtlinge

Mönchengladbach. Der Verein "Live music now" entsandte fünf Musiker in die Unterkunft auf der Krall'schen Wiese. Von Christian Oscar Gazsi Laki

Drei junge Männer verlassen sichtlich zufrieden die Kantine der Flüchtlingsunterkunft Krall'sche Wiese am Volksgarten. Doch die Ursache dafür ist in diesem Fall nicht etwa ein besonders wohlschmeckendes Mittagessen. Sie haben soeben ein Konzert gehört, mit einem hochkarätigen Ensemble, ja wahren jungen Hoffnungsträgern ihrer Zunft. Mit Gesten, Mimik und ein paar wenigen Worten Englisch zeigen sie ihre Freude: "It was great!", "Good music", Daumen hoch! Einer von Ihnen erzählt motiviert, dass er selbst Musik mache, er zeigt eine gittarenhafte Bewegung - er spielt Balama. Wobei und wann er wohl die letzte Gelegenheit hatte sein Instrument - eine türkische Laute - zu spielen?

Dank des Vereins "Live music now" Köln in Zusammenarbeit mit der Flüchtlingsarbeit des Paul-Schneider-Hauses der evangelischen Friedenskirchengemeinde MG (vvertreten durch Pfarrerin Antje Brand) konnten die drei und noch einige andere Bewohner des Asylheimes - es waren leider doch nicht so viele wie die Organisatoren, trotz engagiert gerührter Werbetrommel, erwartet hatten - nun zwar nicht selbst Musik machen, aber zumindest guter Live-Musik lauschen.

Das Xenon Saxophonquartett, bestehend aus Lukas Stappenbeck (Sopransaxophon), Moritz Groß (Alt), Adrian Durm (Tenor) und Benjamin Reichel (Bariton) entführte die Zuhörer, unter ihnen auch Kinder, die offenbar viel Spaß an der Musik hatten, in eine klangliche Welt, die fernab von Sorgen und Nöten des Alltags in der Unterkunft, mit einem gut ausgesuchten Programm direkt ins Blut ging. Grieg, Pedro Iturraldes (*1929) "Suite Hellenique", Gabriel Piernés "Introdution et variations sur une theme populaire" und Piazzolla - mit viel Charme und frischer Unkompliziertheit moderierten die jungen Musiker ihr Programm. Zuvor - ein Highlight in gewisser Weise - durchschritten sie noch musizierend, die Gänge des Heimes, machten so kurz entschlossen auf das Konzert aufmerksam.

Schon etwas gespenstisch, durch die leeren Gänge zu schreiten. Wenige neugierige Blicke aus halb geöffneten Türen bezeugten, es blieb doch nicht ganz unbemerkt. Aber die hohe Motivationsschwelle der Bewohner ist sicherlich verständlich, zugleich gibt es im Moment auch nicht übermäßig viele Bewohner in der Unterkunft. Hingegen war von den vier Saxophonisten - die bereits auch schon in Köln in einem Flüchtlingsheim gastierten - einhellig zu hören, dass es ihnen auch schon sehr viel bedeutet, wenn fünf Menschen im Publikum sitzen - insgesamt waren es natürlich mehr - die mitgehen und sich begeistern lassen.

Genau das ist auch das Anliegen der 1977 durch den großen Violinisten Menuhin gegründeten gemeinnützigen Organisation "Live music Now". Menschen in medizinischen und sozialen Einrichtungen durch Konzerte zu erfreuen. Angelica von Buzay-Lutteroth vom Verein freute sich sichtlich, dass einige der Anwesenden wirklich - zwar vereinzelt zaghaft - aber dann doch ihre Freude über die Musik deutlich zum Ausdruck brachten. Auch für die Musiker selbst, die zuvor von einer Jury im Rahmen eines Vorspiels ausgesucht werden, kann es mehr als bereichernd sein vor "ungewöhnlichem Publikum" wie es in der Broschüre des Vereins heißt, aufzutreten. Dies sei "eine wichtige Erfahrung auf dem Weg zu menschlicher und künstlerischer Reife".

Quelle: RP
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