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Mönchengladbach
Kleine Modellwelt fasziniert kranke Kinder

Mönchengladbach. Seit 15 Jahren begeistert eine liebevoll gestaltete Modelleisenbahnanlage die kleinen Patienten in der Kinderklinik des Eli. Von Angela Rietdorf

Das kleine Mädchen steht vor der Vitrine und sieht so gespannt und konzentriert den vorbeifahrenden Modelleisenbahnzügen zu, wie es eben nur Dreijährige fertig bringen. Mit großen Augen folgt sie den Bewegungen der Züge, sieht sie im Tunnel verschwinden, am Bahnhof halten, die Brücke überqueren. Die Rotoren des Windrades drehen sich, der Springbrunnen auf dem Marktplatz sprudelt, der Güterzug wird mit Kohle beladen. Das kleine Mädchen ist völlig in die Miniaturwelt versunken. Wahrscheinlich hat sie auch vergessen, dass sie in einem Krankenhaus ist. Ihre Eltern jedenfalls, die mit der Anmeldung beschäftigt sind, vermisst sie nicht.

Seit 2001 steht in der Eingangshalle der Kinder- und Jugendklinik des Elisabethkrankenhauses in Rheydt eine Modelleisenbahnanlage. Sie fasziniert Kinder und Eltern gleichermaßen, sorgt für Ablenkung und Abwechslung und ist auch Belohnung für kleine Helden, denen Blut abgenommen oder ein Zugang gelegt wurde. Dass die kleine Welt mit ihren unglaublich vielen liebevoll ausgearbeiteten Details dort steht, ist wie so vieles einem Zufall zu verdanken. Professor Dr. Wolfgang Kölfen, Chefarzt der Klinik, behandelte vor mehr als fünfzehn Jahren einen kleinen Jungen, der von seinem Vater, einem begeisterten Modelleisenbahner, erzählte.

Chefarzt Kölfen und Eisenbahnfan Matthias Armbruster lernen sich kennen - das Ergebnis dieser Bekanntschaft ist jetzt in der Halle zu besichtigen. Viel Zeit und Begeisterung hat Ingenieur Armbruster, der inzwischen wieder mit seiner Familie in Süddeutschland lebt, in die Modellanlage investiert. Allein sie dauerhaft funktionsfähig zu halten, ist aufwendig und geht nur, weil Armbruster regelmäßig nach Rheydt kommt und zudem ein weiterer Modelleisenbahnbegeisterter sich in der Zwischenzeit um die Anlage kümmert. Die Abnutzung durch den häufigen Betrieb ist groß. Aber es geht nicht nur um den Erhalt, die kleine Welt wird auch ständig umgebaut, aktualisiert, an die Jahreszeit angepasst. Im Winter belebt zum Beispiel ein Weihnachtsmarkt den kleinen Ort in der Modellwelt. Diesmal hat Matthias Armbruster bei seinem Besuch einen perspektivischen Fotohintergrund und einen neuen Zug mitgebracht. Einen Sonderzug mit kindgerechten Motiven und der Aufschrift "2001 -2016 Modellbahn Kinderklinik Mönchengladbach". "Die Modelleisenbahn wird für die Kinder nie langweilig", sagt Professor Kölfen. "Es gibt immer etwas zu entdecken."

Er hat die Anlage in ein kleines Belohnungssystem integriert, das er "Tapfere Helden" nennt. Die kleinen Patienten bekommen, wenn sie besonders tapfer waren, eine Goldmünze, mit der sie die Anlage in Bewegung setzen können. Aber die Modelleisenbahn funktioniert auch gut als Ablenkung. "Ich habe erlebt, wie ein Vater mit einem an Neurodermitis leidenden Kind vor der Anlage stand", erzählt Matthias Armbruster. "Solange die Züge fuhren, war das Kind ruhig. Schließlich schlief es auf dem Arm des Vaters ein." Oder der Junge, Patient im Krankenhaus, der stundenlang vor der Anlage saß und sie abzeichnete. Er war so fasziniert, dass er sich zu Weihnachten eine eigene Modellbahn wünschte - und auch bekam.

Quelle: RP
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