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Eugen Viehof
Knöllchen für Umweltverschmutzer

Eugen Viehof: Knöllchen für Umweltverschmutzer
Eugen Viehof ist der Vorsitzende der Initiative Clean-up, die sich mit vielfältigen Aktionen für Sauberkeit in der Stadt einsetzt. FOTO: Ilgner
Mönchengladbach. Der Vorsitzende der Initiative Clean-up spricht über Sauberkeit auf dem Alten Markt, Kontrollen und die Hilfe von Unternehmern. Außerdem erklärt er, wie es nach dem Aus von Rheingold mit der Sammlung Viehof weitergeht.

Herr Viehof, lange Zeit waren sie mit Ihrem Verein Clean-up MG einziger Vorreiter, wenn es um Sauberkeit in der Stadt ging. Plötzlich ist Sauberkeit ein Thema für alle.

Eugen Viehof Sicherlich habe ich damit nicht gerechnet, dass so ein Schwung in dieses Thema kommt, und dass beide Koalitionspartner sich das Thema im Wahlkampf so groß auf die Fahne schrieben. In der Stadt geht es voran. Es ist auch schön, dass der Verein Clean-up MG inzwischen so anerkannt ist. Die Unterstützung der Stadt und besonders der GEM ist nicht zu unterschätzen, alleine hätte der Verein zum Beispiel nicht die fast 300 Belloboxen installieren können.

Mönchengladbach: Leser decken noch mehr Schmuddelecken auf FOTO: Peter Monschau

Nach all den Jahren trägt Clean-up also Früchte?

Viehof Lange Zeit war der Verein ein Pflänzchen, welches es mit dem Thema Sauberkeit oft schwer hatte. Doch mehr und mehr Bürger engagierten sich und zeigten, dass sie ihre Stadt mögen. Mehr als 300 Paten für Sauberkeit belegen meine These, dass engagierte Bürger in unserer Stadt viel bewegen. Ich hoffe, dass wir in ein paar Jahren die Ernte einfahren können. Schließlich hat der Verein das hohe Ziel, dass Mönchengladbach die sauberste Stadt in NRW wird. Ein hehres Ziel mit immer mehr Unterstützern - und jetzt auch in Politik und Verwaltung.

Warum ist Sauberkeit eigentlich ein so komplexes Thema?

Viehof Heute gibt es alles "to go", ob Kaffee oder Fast Food. Und nach dem Verzehr wird der Müll lästig und vielfach einfach im Stadtbild entsorgt. Ähnlich sieht es auch bei den Belloboxen aus. Mir ist aufgefallen, dass Tüten zwar genutzt und gefüllt werden, aber dann mit Hinterlassenschaft nicht in den Abfallbehältern, sondern achtlos in der Umwelt entsorgt werden. Ich bin zwar kein Freund von permanenten Kontrollen, aber hier muss der Kommunale Ordnungs- und Servicedienst verstärkt einschreiten und solch ein krasses Fehlverhalten ahnden.

So zugemüllt sind die Container in Mönchengladbach FOTO: Josef Bierwisch

Das heißt?

Viehof Zum Beispiel nicht immer nur mit der gelben Karte drohen, sondern konsequent auch mal die rote zeigen, nämlich Knöllchen verteilen. Spätestens wenn die Anstalt öffentlichen Rechts zu arbeiten, zu leben beginnt, hoffe ich auf Verstärkung der Mannschaft des KOS und auf damit auf konsequente Ahndung bei Verstößen.

Für die AöR wird auch ein Beirat gegründet.

Viehof Wenn ich gebeten werde, helfe ich gerne mit. Denn eine lebenswerte Stadt drückt sich nicht allein in Sauberkeit aus. Der Gesamteindruck einer Stadt mit sauberen, gepflegten Fassaden, ansprechenden Plätzen und zuletzt mit nicht zu schreierischer Werbung vermittelt eine Wohlfühlatmosphäre. Nehmen wir zum Beispiel den Alten Markt, der mit nicht zu aufwändigen Maßnahmen optisch jetzt schon viel ansprechender geworden ist.

"Ich ärgere mich": Experten und Bürger zu Sauberkeit & Ordnung FOTO: GEM

Das ist ein spannender Punkt: Wo entlässt man den Bürger in die Eigenverantwortung und wo muss die Stadt in Vorleistung gehen?

Viehof Eine Gemeinschaft braucht Regeln und Leitplanken, innerhalb derer sich Eigenverantwortung gut entwickeln kann.

Also ist in Sachen Sauberkeit alles eine Frage der Erziehung?

Viehof GEM und unser Verein teilen sich hier die Aufgaben. Die GEM ist regelmäßig in Kindergärten und Grundschulen in Sachen Umwelt unterwegs, "Clean ist cool" macht Projekte in den fünften bis zehnten Klassen der weiterführenden Schulen. Es gibt zum Thema Sauberkeit Internet-Rallyes mit Fragen zur Umwelt und Sauberkeit. Mit der jährlichen Internetaktivität und einem anschließenden Kreativwettbewerb werden Kinder und Heranwachsende erzieherisch mit Umweltverhalten konfrontiert.

Ob sich da auch jeder dran halten wird?

Viehof Rabauken, speziell während er Pubertät, wird es immer geben. Aber irgendwann später erinnern sich diese dann an das, was sie in der Schule gelernt haben, und denken neu nach. Jedes Jahr nehmen übrigens 600 bis 800 Schüler an den verschiedenen Initiativen teil. Und das nicht allein, um Geld für die Klassenkasse zu gewinnen.

Clean-up ist eine Bürgerbewegung. Und es gibt viele weitere in der Stadt, wie zum Beispiel die Masterplan-Initiative. Ist das ein Baustein für den Aufschwung in Mönchengladbach?

Viehof Wir sind auf dem besten Weg. Es wird an viele kleinen Dingen gearbeitet, mit vielen kleinen Schritten. Auch beim Masterplan können wir nicht erwarten, dass zum Beispiel die City Ost morgen mit Tausenden Quadratmetern Bürofläche aufwartet. Das braucht Entwicklungszeit, ähnlich wie im Nordpark. Mit dem Masterplan haben wir ein städteplanerisches Konzept für nächste Generationen geschaffen.

Was erwarten Sie vom neuen Baudezernenten Gregor Bonin?

Viehof In Düsseldorf hat er sich meines Wissens einen tollen Namen gemacht. Vielleicht schafft er es, mit solch einem Masterplan auf seinem Schreibtisch schneller Investitionen hier in unserer Stadt zu ermöglichen. Die strategischen Weichen jedenfalls sind gestellt.

Alle ziehen also in die gleiche Richtung: Stadt, Politik und Unternehmen?

Viehof Engagierte Unternehmer sind sich einig: Sie wollen die Stadt nicht regieren, aber sie wollen ihr beiseitestehen und notwendige Entscheidungen mit anschieben.

Davon profitieren die Unternehmen dann auch selber.

Viehof Genau. Eine sich entwickelnde Stadt weckt Interesse auch bei Fachkräften.

Steckt Potenzial vielleicht auch in der Flüchtlingswelle?

Viehof Viele dieser Menschen wünschen sich Beschäftigung. Es ist für sie oft schlimm, den ganzen Tag nichts tun zu können. Vor ein paar Jahren sind wir beispielsweise hier in der Stadt mit Streetworkern auf Menschen zugegangen, die Mitglieder der Randgruppen sind. Seit vielen Jahren halten Letztere Plätze der Stadt sauber. Diese Menschen finden Anerkennung für ihre Hilfe und sind stolz darauf etwas zu leisten. Heute hat Clean-up Wartelisten, weil viele gerne mitmachen wollen.

Könnte man so ein Konzept nicht auch auf Flüchtlinge übertragen?

Viehof Ich würde mir wünschen, dass so etwas zu organisieren wäre. Allerdings muss klar sein, dass dies nicht zulasten von bestehenden Festarbeitsplätzen gehen kann.

Mönchengladbach ist sehr dynamisch. Merken Sie eigentlich, dass sich der Blick auf die Stadt von außen geändert hat?

Viehof Bisher bekomme ich das nur gespiegelt. Aber auf der Expo Real in München werde ich mir mal ein eigenes Bild davon machen können.

Zumindest aber im IHK-Kammerbezirk guckt man genauer auf Mönchengladbach.

Viehof Das glaube ich schon. Schauen Sie nur auf die positive Entwicklung der Arbeitslosenzahlen in unserer Stadt.

Ihre Familie investiert seit langem in Kunst. Als Folge des Skandals um Helge Achenbach gibt es Rheingold ja wohl nicht mehr. Wie geht es weiter?

Viehof Die Rheingold-Gesellschafter hatten schon in 2013 die Kunst aufgeteilt und verwalten diese nun eigenständig. Wir haben unsere Werke in die Sammlung Viehof mit den Werken aus der ehemaligen Sammlung Speck integriert. Über das Paket 5, Achenbach, wird noch gerichtlich entschieden werden.

Wie enttäuscht sind Sie von Helge Achenbach?

Viehof Wir waren sehr befreundet. Dann ist ein solches Erlebnis schon bitter, aber Enttäuschungen gehören auch zum Leben dazu.

RALF JÜNGERMANN UND NICOLE SCHARFETTER FÜHRTEN DAS INTERVIEW.

Quelle: RP
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