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Mönchengladbach
Königshäuser, Paraden und eine Kaiserallee

Mönchengladbach: Königshäuser, Paraden und eine Kaiserallee
Wenn die Blasmusik ertönt, stehen die Dahler an der Straße und bewundern die Parade. FOTO: Hans-Peter Reichartz
Mönchengladbach. In Dahl feierten die Schützen das 30-jährige Bestehen der Grenadiere, in Hehn die Innenrenovierung der Wallfahrtskirche, und in Wickrath gibt es ein Goldjubiläum. Alle schätzen den Zusammenhalt in ihren Orten. Dafür singen die Schützen auch schon mal ein Ständchen vor dem Altenheim. Von Eva Baches und Sigrid Blomen-Radermacher

11.45 Uhr im Stadtteil Dahl. Blasmusik ertönt, und die Dahler warten schon am Straßenrand auf ihre Parade, die den Höhepunkt des Schützenfestes bildet. Dann sieht man sie auch schon. Im Gleichschritt ziehen die Musikapelle Die Niederrheiner, Abordnungen befreundeter Bruderschaften wie die St. Konrad Schützenbruderschaft Ohler - Ohlerfeld und der Kleingartenverein Hermges sowie die Sparkasse in Hermges an den Zuschauern vorbei. Bevor es ins Festzelt geht, hält die Parade an und die Gruppen präsentieren sich einzeln den Honoratioren, allen voran das amtierende Königshaus um König Hans Mostler und seinen Ministern Kurt Kochen und Markus Schneider und dem Publikum, das anerkennenden Beifall spendet. "Ich bin jedes Jahr dabei, und mir hat die Parade gut gefallen. Ich finde das Schützenfest wegen der Gemeinschaft wichtig", erzählt Renate Schillings. Auch Sarah Gibietz ist begeistert: "Nur der Nachwuchs fehlt."

Da ist Jungkönig Rene Schmitz ein gutes Beispiel für die Ausnahmen. Es ist sein fünftes Mal als Jungkönig. Er ist quasi in die Bruderschaft hineingewachsen. "Ich bin seit acht Jahren dabei. Mein Opa war auch schon Mitglied. Man bekommt viele Kontakte und die Gemeinschaft ist toll", erzählt er. Ein besonderes Jubiläum feiern in diesem Jahr die Dahler Grenadiere. Sie bestehen seit 30 Jahren. Ein Anlass ein Mitglied besonders zu ehren: Achim Muders ist von Anbeginn dabei. "Die Feierlichkeiten waren sehr schön. Die Frauen der Grenadiere haben sich echt etwas einfallen lassen. Es gab Urkunden, Blumen und alles, was sonst noch dazu gehört", erzählt Sonja Langhell und ist sichtlich gerührt. Ihr Mann ist kommandierender Hauptmann bei den Grenadieren. "Die Parade war toll, und das Zelt ist auch gut besucht. Der Zusammenhalt sollte erhalten bleiben", findet sie. Für den Nachmittag steht Musik von den Niederrheinern und der Band Sound Convoy auf dem Programm. Außerdem gibt es bei der Tombola tolle Borussia-Artikel zu gewinnen.

Die St.-Michaelis-Bruderschaft hat gleich mehrere Gründe zu feiern. Dass die Trachtenkapelle wieder zu Gast ist, ist einer davon. FOTO: Hans-Peter Reichartz

Die Trompeterallee in Wickrath war vorübergehend in "Kaiserallee" umbenannt worden - als passende Bezeichnung für die Paraden und Festzüge anlässlich des Schützen- und Heimatfestes in Wickrath am vergangenen Wochenende. Auch am Sonntagmorgen zogen die Schützen mit den Blaskapellen und Trommlerchor auf ihrem Weg vom Zeltgottesdienst, dem Totengedenken, dem Großen Zapfenstreich am Ehrenmal über die Musik-Serenade am Altenheim auf der Trompeterallee zum Festzelt über die "Kaiserallee". Vor dem Altenheim gab es ein kleines Ständchen, dem die Bewohner auf den Balkonen beiwohnten.

Es ist ein besonders Schützenfest, das die Wickrather Schützengesellschaft in diesem Jahr feiert: Sie wird 50 Jahre alt. Gegründet wurde die Gesellschaft am 10. März 1967 von Hans Maßen. Aus Anlass des Jubiläums wurde bereits vor zwei Wochen vor der Kirche und mit dem Rücken zum Kirmesplatz eine Stele eingeweiht, die alle Majestäten mitsamt ihren Ministern der vergangenen 50 Jahre aufgeführt werden (und noch reichlich Platz gelassen wurde für die zukünftigen). Bernhard Magira, Metallbauer und Mitglied der Schützengesellschaft, erarbeitete die von Stadtsparkasse und Kreiswerken Grevenbroich gesponserte Stele, deren Umriss die Kontur des Wickrather Schlossgartens aufnimmt und das Schloss stilisiert wiedergibt. Zwei Jahre lang wurde das 50. Schützenfest unter Präsident Enrico Odermatt und seinen Schützenfreunden vorbereitet, erzählt Schriftführer Achim Theißen. Die Jubiläumsmajestäten in diesem Jahr sind Hans-Peter Jansen mit Elke und den Ministern Frank Clemens mit Sabine, Tim Sommerlade mit Alessandra und Erich Cohnen mit Birgit, während Mike Wackerzapp Jungkaiser ist, der Nils Rath und Tim Ibald als seine Ritter mitführt.

Könige auf der Kaiserallee - das gibt es nur in Wickrath. bald rollt hier die Tour de France. FOTO: Isabella Raupold

Von Freitagabend an bis Dienstag dauert das Fest. Begonnen hatte es am Freitagabend mit einem Konzert der Coverband "Baff" und den "Rabaue", am Samstag gab es den Festumzug und den Kaiserball, am Sonntag folgte nach dem Frühschoppen der Große Festzug, zu dem auch auswärtige Gäste eingeladen waren. Besondere Auszeichnungen wurden verliehen: das Silberne Verdienstkreuz an Bernhard Lagerin, dem Schützenkönig von 1995 und 2013 sowie Michael Dierig, Schützenkönig von 1991 und 1997 sowie die Schützenmusikerauszeichnung in Bronze an Christian Engels, Saskia Engels und Dietmar Müller. Am Montag folgen der Vogelschuss mit musikalischem Frühschoppen, ein weiterer Festzug mit der Kaierparade und dem Klompenball, bevor das Fest am Dienstag in den Gruppenlokalen ausklingt.

Übrigens: über die Kaiserallee alias Trompeterallee fahren in einer Woche die Rennräder der Tour de France - eine bedeutende Straße also.

Schon vor dem Empfang nach der Eucharistiefeier ist die Stimmung ihn Hehn bei den Gästen gut. Man freut sich auf die bevorstehende Parade und den Königsball. In diesem Jahr hat die St.-Michaelis-Bruderschaft gleich mehrere Gründe zu feiern. Seit 2010 ist die befreundete Trachtenkapelle Prägraten wieder einmal zu Gast im Rheinland. Der verstorbene Pfarrer Leo Eißen stellte den Kontakt zu der Kapelle aus Osttirol her. Sie setzen einen Kontrast zu den Schützen in ihrer Tracht mit Lederhose, Weste und Hemd. Die Damen tragen passend zum Dirndl einen Hut mit großer Feder. "Wir sind jetzt zum vierten Mal dabei, und es macht Spaß. Heute Nachmittag geht es wieder nach Hause", sagt Josef Moser. Ein weiterer Grund zu Feiern ist die Innenrenovierung der Wallfahrtskirche, bei der sich die Bruderschaft selbstverständlich auch engagierte. Dafür werden unter anderem Klaus Weyermanns mit der Dr.-Peter-Louis-Medaille geehrt. "Er hat sich ehrenamtlich um die Elektroinstallationen gekümmert", erzählt König Franz Josef Ungerechts. Religion und Brauchtum werden in Hehn großgeschrieben. Norbert Crynen erhält für seine Verdienste um die Kirche und der Bruderschaft das St.-Sebastianus-Ehrenkreuz. Phillip Dumke, Helmut Poethen und Peter Röhrhoff werden mit dem hohen Bruderschaftsorden ausgezeichnet. Das Königshaus selber hat auch allen Grund zu feiern. Vor 50 Jahren war der Vater von Königs-Ehefrau Irmgard Ungerechts Brudermeister des Königs Hans Esser. Vor zehn Jahren war Franz Josef Ungerechts Bezirksschützenkönig. Und er hat gute Chancen es in diesem Jahr eventuell wieder zu schaffen.

Im August findet in Mönchengladbach der Europaschützentag statt. Dafür bekommt er von Horst Thoren schon einmal die Ehrennadel. "Es ist immer wieder schön. Und meine Söhne sind in diesem Jahr auch mit dabe.", erzählt Schützenkönig Ungerechts stolz. Seine Söhne Benedikt und Sebastian stehen ihm als Brudermeister zur Seite.

Quelle: RP
 
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