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Mönchengladbach
Kohlekraftwerk Gekko: NEW zieht endgültigen Schlussstrich

Mönchengladbach. Der Aufsichtsrat des Versorgers hat entschieden, die Anteile zu verkaufen und den Stromliefervertrag zu kündigen. Von Ralf Jüngermann

Bei der Grundsteinlegung für das Steinkohle-Kraftwerk in Hamm am 29. August 2008 sagte die Festrednerin: "Ich bin überzeugt, die Innovation und die Investition in die Zukunft macht sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten - denn Energiepolitik ist eine sehr langfristig angelegte Politik - bezahlt. Hier wird eine verlässliche Energieversorgung garantiert, und zwar über einen sehr, sehr langen Zeitraum hinweg." Die Festrednerein war Angela Merkel - die mit ihrer Energiewende zwei Jahre später entscheidenden Anteil daran hatte, dass die 23 Stadtwerke ihre Beteiligung an dem Kraftwerk schwer bereut haben.

Erbaulich ist an dem Kraftwerk, das eine Pannenserie sondergleichen hinter sich hat, längst nur noch der Name: Gekko. Die NEW zieht nun einen endgültigen Schlussstrich unter die unglückselige Beteiligung: Der Aufsichtsrat beschloss, dass der Versorger zum 31.12.2015 seinen Anteil von 0,98 Prozent für 2,65 Millionen Euro an den Betreiber RWE verkauft und auch aus dem Stromliefervertrag aussteigt. Investiert hatte die damalige NVV rund 20 Millionen Euro.

Andere Stadtwerke zahlen noch mehr als die NEW für ihren Fehler. Der hiesige Versorger hatte seine Beteiligung zurückhaltend dimensioniert und zudem von Anfang an hohe Rückstellungen gebildet. Darum mache sich der Ausstieg nun auch weder für die Kunden bei den Strompreisen noch bei der Stadt bei den Ausschüttungen bemerkbar, versichert NEW-Vorstand Frank Kindervatter. Die NEW sei auch dank mehrerer neuer Geschäftsfelder hervorragend aufgestellt. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Peter Schlegelmilch berichtet, der Aufsichtsrat habe sich von Branchenexperten ausgiebig zu den möglichen Szenarien beraten lassen. "Jetzt komplett auszusteigen, ist die richtige Entscheidung. Davon bin ich absolut überzeugt", sagt Schlegelmilch.

Kindervatter indes will gar nicht erst versuchen, die Beteiligung schönzureden oder schönzurechnen. Eines aber ärgert ihn an der Kritik dann doch. Zum damaligen Zeitpunkt habe niemand die Energiewende und ihre Folge erahnen können. Und niemand, schon gar nicht Miteigentümer RWE, habe den Mönchengladbacher Versorger zur Beteiligung gedrängt. Kindervatter: "Damals haben viele Stadtwerke händeringend nach Möglichkeiten einer Beteiligung gesucht. Uns allen erschien das als wichtige, künftige Ertragsquelle."

Quelle: RP
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