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Serie Denkanstoß
Kommunion und Krieg

Mönchengladbach. Am kommenden Sonntag gehen viele Kinder in Mönchengladbach zum ersten Mal zur Heiligen Kommunion. In den meisten Familien wird der Weiße Sonntag gefeiert. Onkel und Tanten kommen von weit her. Ihre Geschenke stapeln sich auf den Tischen, und das Kommunionkind kann besser als in der Schule die Geldbeträge zusammenzählen. Ich bin vor 60 Jahren zur Erstkommunion gegangen, und ich denke gerne an den Tag zurück. Sein Geheimnis habe ich versucht, mir zu bewahren. Immerhin bin ich Pastor geworden. Von Albert Damblon

Dennoch schiebt sich bei mir heute etwas anderes in den Vordergrund. In den 60 Jahren nach meiner Erstkommunion habe ich in meiner Heimat keinen Krieg erlebt. Dagegen begann der Zweite Weltkrieg neun Jahre, nachdem meine Mutter zur ersten hl. Kommunion gegangen ist. Als mein Vater Erstkommunion feierte, war der Erste Weltkrieg gerade einmal ein Jahr zu Ende. Die Generationen davor waren 1870 gegen Frankreich in den Krieg gezogen. Dagegen habe ich bisher ohne Krieg leben dürfen. Denn im Jahr meines Weißen Sonntags machten sich sechs Länder Europas auf den Weg, um endlich Frieden und Freiheit auf dem Kontinent zu wahren. Die Länder Europas sollten zusammenwachsen.

Die europäische Gemeinschaft mag manche Probleme mit sich bringen, eines aber ist sicher: Seit 60 Jahren hat sie den Frieden in Europa ermöglicht. Deshalb verstehe ich nicht, wie in Deutschland eine angebliche Alternative die europäischen Völker auseinandertreiben will. Ein Zurück zum Nationalstaat wird gefordert. In ihm stehen die deutschen Interessen wieder an erster Stelle. Dabei weiß inzwischen fast jedes Schulkind, dass der Nationalismus zu den Kriegen 1870, 1914 und 1939 geführt hat.

Kommunion hat viel mit Frieden zu tun. Gottes Einladung gilt für die Menschen, die den Frieden unbedingt halten wollen. Wer nicht friedensbereit ist, sollte seine Haltung am Tisch Jesu überdenken. Das Brot des letzten Abendmahls, das den Kindern am Weißen Sonntag zum ersten Mal gereicht wird, ist auch die Verpflichtung, der Bitte Gottes zu folgen und um den Frieden zu ringen, übrigens nicht nur in Europa. Ich wünsche unseren Erstkommunionkindern mehr als 60 Jahre Frieden.

DR.ALBERT DAMBLON IST SEELSORGER IN ST.BENEDIKT

Quelle: RP
 
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