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Mönchengladbach
Konzert eines Ausnahme-Pianisten

Mönchengladbach. Enrico Noel Czmorek ist erst 14 Jahre alt und zeigte beim Zykluskonzert im Schloss Rheydt brillante Virtuosität. Von Gert Holtmeyer

Die Zykluskonzerte im Schloss Rheydt bieten jungen Künstlern eine Gelegenheit zum Auftreten. Das Alter des 2003 in Budapest geborene Enrico Noel Czmorek ist nun aber doch eine Ausnahme. Würden die Leistungen des 14-jährigen Pianisten von einem Hochschulabsolventen geboten, wäre durchaus Anerkennung angebracht. Aber im Rittersaal trat ein Gymnasiast der Klasse acht auf, der neben dem Schulbesuch an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz unterrichtet wird. Dort wird er noch nicht einmal als Klavier-Jungstudent geführt, dazu muss er erst einmal 16 Jahre alt werden.

Um schon in jungen Jahren so ausgezeichnet Klavier spielen zu können, sind nicht nur Talent und Fleiß erforderlich. Da muss das familiäre Umfeld stimmen. Enrico, der schon mit acht Jahren beim Béla-Bartók-Klavierwettbewerb reüssierte, kommt aus einer Musikerfamilie; schon früh bekam er mannigfaltige künstlerische Anregungen. Und nicht nur das. Als der Sohn zehn Jahre alt wurde, beschlossen seine Eltern, nach Deutschland umzuziehen. Nicht, weil sie für sich selbst einen beruflichen oder privaten Tapetenwechsel wünschten. Sie ordneten ihre eigene Lebensplanung gezielt einer optimalen Förderung ihres Sohnes unter. Aber wie lassen sich die aktuellen Leistungen des 14-Jährigen einordnen? Er verfügt über eine perfekte, schlackenlose Geläufigkeit, überhaupt über eine fabelhafte Technik. Sein Spiel ist bewundernswert sicher und zeichnet sich durch eine brillante Virtuosität aus.

Werke von Joseph Haydn und Felix Mendelssohn-Bartholdy, darunter das Venetianische Gondellied, spielte er sehr ansprechend. In Haydns Klaviersonate Es-Dur (Hob. XVI: 52) betonte er weniger das spielerische, stärker das dramatische Element. Überhaupt scheint ihm das Dramatische, das kraftvolle Zupacken besonders zu liegen. So gelangen ihm besonders eindrucksvoll die Werke osteuropäischer Komponisten. Harte Schläge durchdrangen das Prélude cis moll (op. 3 Nr. 2) von Sergej Rachmaninow. Überzeugend erklang aus dessen Moments musicaux (op. 16) Schwermütiges (Nr. 3) und Energisches (Nr. 4).

Das Virtuose und das Tragische brachte er auch bei Chopin zusammen, unter anderem bei der Revolutionsetüde. Die spielte er mit der gebotenen Schnelligkeit und Härte. Glänzend gelangen auch die virtuosen Bearbeitungen des Hummelflugs (Rimski-Korsakow/Rachmaninow) und des Nussknacker-Marschs (Tschaikoswky/Pletnev).

Für den begeisterten Beifall bedankte sich der junge Pianist mit "Resolution", einem Jazztitel, den er selbst arrangiert hatte.

Quelle: RP
 
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