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Mönchengladbach
Freifunk: Kostenfreies W-Lan für Gladbach bis Ende 2015

Kostenfreies Wlan für Mönchengladbach bis Ende 2015
In immer mehr Fenstern in Mönchengladbach hängt dieses Zeichen: Von dieser Wohnung aus sendet ein Freifunk-Router kostenfreies W-Lan. FOTO: Reiner Gutowski
Mönchengladbach. Der Verein "Freifunk" möchte alle Hauptstraßen Mönchengladbachs bis Ende des Jahres mit kostenfreiem W-Lan versorgen. Und das könnte klappen, denn immer mehr Gladbacher schließen sich der Gruppe an. Die Politik dagegen reagiert zurückhaltend: Es sei "ok, wenn die Bürger das selbst regeln". Von Laura Sandgathe

Für die Mitglieder der Community "Freifunk Mönchengladbach Niersufer" läuft es derzeit ziemlich rund. Seit Anfang des Jahres die Presse auf sie aufmerksam geworden ist, können sie sich vor Anrufen und Mails kaum retten. "Früher bekam ich etwa ein Mal im Monat eine Mail von jemandem, der sich für unser Projekt interessierte und bei uns mitmachen wollte", sagt Reiner Gutowski von Freifunk. "Heute bekomme ich jeden Tag Mails und Anrufe."

Die Karte von Freifunk Mönchengladbach zeigt, wo in der Stadt schon überall Router für kostenfreies W-Lan aufgestellt sind. FOTO: Screenshot freifunk-moenchengladbach.de

Freifunk hat es sich zum Ziel gesetzt, alle wichtigen Hauptstraßen und Plätze in Gladbach mit kostenfreiem W-Lan zu versorgen - und das bis Ende 2015. "Wenn Ende November die Weihnachtsmärkte öffnen, wollen wir, dass unser W-Lan-Netz steht", sagt Gutowski. Und weil das Interesse der Gladbacher immer größer wird, könnten die Freifunker ihre Ziele tatsächlich erreichen. Innerhalb von nur einem Monat hat sich die Zahl der Freifunk-Router von zehn auf 20 verdoppelt. Der Rheydter Marktplatz ist schon vollständig mit kostenfreiem W-Lan versorgt. "Um die Hindenburgstraße zu versorgen, fehlt uns nur noch ein Mitstreiter", sagt Reiner Gutowski.

Eine Karte auf der Homepage der Community zeigt, wo in der Stadt schon überall Router von Freifunk stehen.

Hier gibt es kostenfreies W-Lan in Gladbach

Auch die Große Koalition hatte sich das Thema kostenfreies W-Lan für Gladbach auf die Fahnen geschrieben - doch nun scheint es, als würde sich dieses Projekt auch ohne das Zutun der Politik realisieren. Mit dem Konzept der Freifunker tun sich die Politiker allerdings schwer. Denn Freifunk nutze, um das Problem der Störerhaftung zu lösen, eine Rechtslücke. "Wenn jemand über das Freifunk-Netz zum Beispiel illegal Musik herunterlädt, haftet nicht derjenige, der seinen Internetanschluss zur Verfügung gestellt hat", sagt Gutowski. Derjenige, der im Internet Illegales macht, haftet aber auch nicht - und Freifunk als Provider ebenso wenig.

"Es ist jedem Bürger selbst überlassen, ob er sich Freifunk anschließt", sagt Felix Heinrichs, Fraktionsvorsitzender der SPD. Die Stadt brauche jedoch einhundertprozentige Rechtssicherheit. Günter Krings, der für die CDU Mönchengladbach im Bundestag sitzt, sieht die Sache genauso. 

Überblick: Hier gibt es städtisches Gratis-W-Lan

Die von CDU und SPD geforderte Rechtssicherheit könnte bald geboten werden, denn das Bundeswirtschaftsministerium hat am Donnerstag einen Gesetzentwurf zu dem Thema vorgelegt. Das neue Gesetz sieht vor, dass Privatleute, die kostenloses W-Lan anbieten, stets die Namen ihrer Nutzer kennen müssen. Geschäftsleute müssen sich dagegen von den Nutzern versprechen lassen, dass über ihr W-Lan keine rechtsverletztenden Aktivitäten passieren. Dies ginge zum Beispiel über ein Häkchen, das der Nutzer setzen muss, bevor er das öffentliche W-Lan nutzen kann.

Wird dieses Gesetz verabschiedet, müssten auch die Freifunker ihr Konzept überdenken. Denn sie kennen bislang nicht die Namen derjenigen, die ihr freies W-Lan nutzen und sichern sich auch nicht durch eine Registrierung oder ähnliches ab. Doch bis es soweit ist, wollen Gutowski und seine Mitstreiter weiter aktiv sein - auch ohne die Unterstützung der Politik.

"Die Politik muss sich nicht überall einmischen. Wenn die Bürger das Thema kostenfreies W-Lan selbst regeln, ist das gut", sagt Heinrichs von der SPD. Gutowski sieht das, wenn auch von seinem Standpunkt aus, ähnlich, und sagt: "Die Politik brauchen wir jetzt schon nicht mehr." Statt auf die Politiker zu warten, macht er lieber Werbung bei Einzelhändlern, Cafés und Restaurants. Und auch an dieser Front ist er erfolgreich: Das Café Hoffmanns an der Webschulstraße und auch das Café Mokka in der Stephanstraße haben Interesse signalisiert, einen Router aufzustellen.

(lsa)
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