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Mönchengladbach
Kothausener spielen Chaos-Familie

Mönchengladbach: Kothausener spielen Chaos-Familie
Horst Maaßen (rechts) verkörpert die Rolle des Friedhelm. Er ist der einzige "Normale" in der Familie und muss sich von seinem Bruder Hubbi (gespielt von Rainer Giggezs) irre Erfindungen zeigen lassen. Dabei möchte er in der Szene einfach nur seine Steuererklärung machen. FOTO: Jörg Knappe
Mönchengladbach. Das Dorftheater spielte am Wochenende das Stück "Für die Familie kann man nichts" und begeisterte die Zuschauer. Von Lena Köhnlein

Eine Schwester, die sich nicht wäscht, und ein Bruder, der sich in die Computer der Bundesregierung einhackt? Das sind nur zwei der vier Geschwister, mit denen Friedhelm zu kämpfen hat. Vor allem jetzt, als er seiner neuen Flamme zeigen möchte, dass sie eine "ganz normale" Familie sind. Das geht allerdings gehörig nach hinten los, als auch noch eine Leiche im Haus der Familie auftaucht.

In der ausverkauften Halle des TSC Rheindahlen zeigte das Dorftheater Kothausen am Wochenende das Stück "Für die Familie kann man nichts", eine Komödie in drei Akten von Hans Schimmel. Die Zuschauer waren begeistert und kamen aus dem Lachen kaum heraus. Vor allem die Rolle von Hermine, gespielt von Hilla Klenzendorf, sorgte für heitere Stimmung. Denn Hermine hat vor einem halben Jahr beschlossen, nicht mehr zu duschen, um ihre "Aura" besser zur Geltung zu bringen. Seitdem riechen die Familienangehörigen die Schwester bereits, wenn sie zur Türe hereinkommt. Ein Gutes hat es aber: "Die Fliegen sind jetzt alle nur noch in ihrem Zimmer", sagt Bruder Hubbi, beziehungsweise stottert er, denn der liebenswerte Erfinder - der bislang noch nichts Nützliches erfunden hat - bekommt kaum einen Satz heraus.

Eine herausragende Rolle hatte Wolfgang Jahn: Er spielte eine Leiche. Eine Leiche? Die liegt doch eigentlich nur rum, mögen jetzt viele denken. Nicht so "Albert" - wie die Familie den Toten kurzerhand tauft. Er wird herumgerollt, getragen, geschubst und modelliert - dabei zeigte der Schauspieler keinerlei Regungen. Ins Haus brachte den Toten Willi, der einen neuen Job als Leichenwagenfahrer angenommen hat. Nur doof, dass die Leiche just in dem Moment auf dem Sofa auftaucht, als Hermine eine Zauberformel ausprobiert und natürlich denkt, sie hätte die Leiche ins Wohnzimmer gezaubert. Eines ist klar: Die Leiche muss weg.

Nach (mit Pausen) drei Stunden Verwirrungen und rabenschwarzem Humor fällt der Vorhang, und es heißt für die Besucher: wieder zwei Jahre warten auf das Laientheater. Denn nur alle zwei Jahre gibt es ein Stück der Kothausener. Neun Monate harte Arbeit liegen hinter den Mitgliedern. Seit 14 Jahren gibt es die Theatergruppe. Seinen Ursprung hat das Theater in einer Karnevalsveranstaltung, die es seit Jahrzehnten in Kothausen gibt. Die Resonanz war gut. So gut, dass zwei Leute bei einer Fahrradtour auf die Idee kamen, dass sie auch ein Theaterstück auf die Bühne bringen könnten. Eine Gruppe war schnell gegründet. Doch wie anfangen? "Wir waren zwei Jahre in der Planung", sagt Horst Maaßen. Unter anderem hätten sie sich von anderen Theatervereinen beraten lassen. "Wir wussten ja gar nicht, wie man sowas anfängt. Wir hatten eine Idee, aber kein Konzept", erinnert er sich. Nach zweijähriger Gründungsphase ging es los: 2004 brachten sie das erste Stück auf die Bühne. Das hat gut gepasst, denn just in diesem Jahr gab es ein Jubiläum im Dorf - noch ohne Rahmenprogramm. "Ich habe gesagt: ,Ihr braucht kein Programm, wir machen euch das Theaterstück'", sagt Maaßen. Es kamen so viele Leute, dass nicht einmal alle Platz gefunden hätten, erinnert er sich. Dass es eine Fortsetzung geben würde, war somit schnell klar.

Quelle: RP
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