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Aktion Fit Für 10
Krebs: Bärbel Schleszies und ihr Marathon

Aktion Fit Für 10: Krebs: Bärbel Schleszies und ihr Marathon
Bärbel Schleszies (links) und ihre Schwester Claudia Haupts: Beide sind bei "Fit für 10" aktiv. Schleszies hatte Brustkrebs, Haupts braucht dank des Trainings keine Schmerztabletten mehr. FOTO: Nein
Mönchengladbach. Drei Operationen, 16 Chemo-Behandlungen, 28 Bestrahlungen: Bärbel Schleszies hatte Brustkrebs und kämpfte erfolgreich gegen die Krankheit an. Mit "Fit für 10" gelingt ihr der Start in ein neues Leben. Immer an ihrer Seite: Schwester Claudia Haupts, die jede Nordic-Walking-Einheit mitmacht. Von Dieter Weber

Dies könnte die Geschichte einer Schwerkranken sein, die Leid, Operationen, Chemotherapie und Bestrahlungen über sich ergehen lassen musste. Es könnte auch eine Story über zwei Schwestern sein, die in der Not enger zueinander finden und seitdem viel gemeinsam machen. Es könnte auch beschrieben werden, welche Bedeutung der Sport im Genesungsprozess hat, wie er Kraft, Mut und Selbstvertrauen vermitteln kann. Diese Geschichte kann unterschiedlich erzählt werden. Der Reihe nach.

Bärbel Schleszies (47) kann eigentlich ganz zufrieden auf ihr Leben blicken. Sie ist verheiratet, hat zwei Söhne und vier Schwestern. Sie wohnt in einem schicken Haus in Venn. Sie ist beruflich erfolgreich und hat, weil sie es ihrem Marathon laufenden Mann Raimund (48) nachmachen wollte, vor zwei Jahren bei einem Zehn-Kilometer-Lauf das Ziel passiert. Bis zum 17. September 2013 lief - mit den üblichen Auf und Abs im Alltag - alles in gewohnten Bahnen. Dann, nach einer ärztlichen Untersuchung, kam die bestürzende Diagnose: "Sie haben Brustkrebs!"

Mit einem Mal war alles anders, die bisher weitgehend heile Welt drohte einzustürzen. Was folgte, war der besondere Marathon der Bärbel Schleszies: Ihn kennzeichneten drei Operationen, 16 Chemo-Behandlungen, 28 Bestrahlungen. "Und diesen Marathon musste ich sofort in einem völlig untrainierten Zustand laufen", erzählt sie. Da kommt Claudia Haupts (50) ins Spiel. Sie ist die Schwester und diejenige, die ihr Halt gibt, Bärbel Schleszies durch die Krankheit begleitete, ihr neben Ehemann und den Söhnen zur Seite stand, wenn Not und Sorgen groß waren. Und die ihre Schwester dann aufbaute, wenn sie niedergeschlagen war, weil die Behandlungen an ihren Kräften zehrten. "Wenn du gesund bist, machen wir noch mehr gemeinsam", hat Claudia Haupts ihrer Schwester versprochen, als diese wegen der Therapien am Boden war.

Nachdem das Allerschlimmste vorbei war, las Bärbel Schleszies im Januar in der Rheinischen Post die Schlagzeile: "Der Startschuss in ein neues Leben." Sie stand über dem Aufruf für "Fit für 10", der Gemeinschaftsaktion von Rheinischer Post, NEW und Stadtsparkasse. "Da hat es bei mir Klick gemacht. Ich wusste gleich: Das trifft es, genau das brauchst du jetzt", sagt sie. Weil sie keinen Mut zum Laufen hatte, meldete sie sich für Nordic Walking an. Mit ihrer Schwester Claudia, die als ehemalige Leistungsturnerin nach mehreren Bandscheiben-Vorfällen auch wieder etwas Sport machen wollte. Schleszies: "Meine Schwester erhielt ziemlich schnell die Zusage, bei mir blieb sie zunächst aus. Da habe ich jeden Tag gebibbert und darauf gewartet."

Beide Schwestern kamen ins Team. Sie besuchten das Einführungsseminar von Lehrtrainerin Conny Kerkhoff, machten dann bei ihr und den Betreuern die Technikkurse - und trainieren seitdem für sich und bei den regelmäßigen Treffs. Schon bald spürten sie die ersten positiven Veränderungen: Beide haben wieder sportliche Ziele, genießen die Bewegung in der Natur, spornen sich gegenseitig an und melden auch Erfolge. "Als wir das erste Mal zehn Kilometer absolviert haben, brauchten wir noch knapp anderthalb Stunden. Jetzt sind wir schon deutlich schneller", sagt Bärbel Schleszies. Mit jeder Trainingseinheit lässt die Vennerin ihre Krankheit ein Stück weiter zurück. Und wenn es regnet und ihre Haare nass werden, dann lacht sie heute darüber: "Was macht das schon. Vor gut einem Jahr hatte ich gar keine Haare mehr."

Und Claudia Haupts, die eigentlich nur ihre Schwester beim Weg zurück begleiten wollte, ist noch aus einem anderen Grund glücklich: "Acht Jahre lang muste ich wegen meines Rückens Schmerztabletten nehmen. Seitdem ich Nordic Walking mache und regelmäßig trainiere, habe ich die Tabletten komplett absetzen können."

Quelle: RP
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