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Mönchengladbach
Kröten wandern durch die Finsternis

Mönchengladbach: Kröten wandern durch die Finsternis
Besonders für die Krötenweibchen ist der Weg zum Laichgewässer beschwerlich, denn oft muss es ein Männchen tragen. Es klammert sich am Rücken fest, weil es zeigen will, dass es sich das Weibchen "gesichert" hat. FOTO: Rainer Hackmann
Mönchengladbach. Bei milden Temperaturen begeben sich Amphibien zu Gewässern. Expertin Ruth Seidel gibt Tipps, wie man ihnen über die Straße hilft. Von Laura Harlos

Wenn es feucht ist und die Temperaturen steigen, machen sich Amphibien wie Kröten und Frösche auf den Weg zu ihren Laichplätzen. Doch die Strecke ist gefährlich, müssen die Tiere zum Teil doch viel befahrene Straßen überqueren. Hier einige Tipps, auf was Menschen bei Kröten achten sollten, und wie man den Tieren bei ihrer Reise über Land und Straße behilflich sein kann.

Wann sind Kröten unterwegs? Es muss dunkel sein. Erst dann beginnen die Kröten mit ihrer Wanderung. "Wir haben die Erfahrung gemacht, dass viele Kröten erst ab sieben Uhr unterwegs sind", sagt Ruth Seidel, Mitglied im Nabu Mönchengladbach und Expertin für Amphibien. Es dürfe nicht zu trocken und den Abend über nicht kühler als fünf Grad sein. "Wenn es zu kalt wird, bewegen sie sich nicht mehr." Heute und morgen dürfte sich das Wetter laut Vorhersage für eine Krötenwanderung eignen. In Richtung Wochenende, wenn die Anzeige auf dem Thermometer wieder unter den Nullpunkt wandert, wird es den Tieren zu frostig.

Wo sind Kröten unterwegs? Betroffene Gebiete in Mönchengladbach sind beispielsweise Wickrathberg, Wanlo, Donk und der Südosten von Rheydt. Sprich überall dort, wo sich Gewässer in direkter Nähe zu Wald befinden.

Wie kann ich den Kröten helfen? "Die Tiere aufheben und auf die andere Straßenseite setzen", sagt Seidel. Dabei rät die Expertin genau zu beobachten, von wo die Tiere kommen, und wohin sie wandern. Die Amphibien starten an ihrem Versteck im Laub, wo sie die kalten Monate überwintert haben. Zum Ablaichen wollen sie anschließend ins Gewässer. Aber nicht zu irgendeinem Teich. Kröten wandern dorthin, wo sie geboren wurden. "Niemand braucht den Kröten Nachhilfeunterricht geben, sie in einem Eimer einzusammeln und anschließend an einem x-beliebigen Teich auszusetzen", warnt Seidel. "Dort würden sie ohnehin nicht bleiben." Nachdem die Kröte die kommende Generation in Form von Laich ins Wasser abgelegt hat, wandert sie wieder in die Landschaft zurück - die Kröte ist nämlich ein Landtier.

Wie soll ich die Kröte anfassen? Experten empfehlen, Handschuhe anzuziehen, bevor man die Tiere anfasst. Hierbei geht es nicht nur um den besseren Griff, sie dienen auch dem Schutz. Denn auf der Haut der Kröten sind Giftdrüsen, das über sie abgesonderte Sekret kann beim Menschen die Schleimhäute stark reizen. "Aber dann keine Angst, Kröten beißen nicht", sagt Seidel.

Darf ich die Kröten auch greifen, wenn sie aufeinander hocken?"Ja, es wäre ohnehin unmöglich, sie zu trennen", sagt Seidel, die mit einer Gruppe vom Nabu jährlich rund 1000 Kröten von der Straße aufsammelt. Männchen würden sich vom Weibchen tragen lassen, weil sie es sich "sichern" wollen. "Es gibt vielmehr männliche Kröten, deswegen wollen sie zeigen, dass sie der Sieger sind und klemmen sich fest unter die Achseln des Weibchens", erläutert Seidel.

Sind auch noch andere Amphibien unterwegs? Auch Frösche und Molche nutzen Zeit und Temperatur für eine Wanderung. "Einen Frosch zu fangen und über die Straße zu bugsieren, ist sehr schwer, weil er weghüpft", sagt Seidel. "Kröten haben viel kürzere Beine als Frösche und sind dadurch deutlich langsamer." Aber auch Teichmolche können Hilfe gebrauchen. Von ihnen sind im Kreis gleich vier Arten unterwegs: der Teichmolch, der Bergmolch, der Kammmolch und der Fadenmolch.

Quelle: RP
 
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