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Mit Thomas Hoeps
Kultur ist eine der schönsten Formen von Kommunikation

Mit Thomas Hoeps: Kultur ist eine der schönsten Formen von Kommunikation
Dr. Thomas Hoeps. FOTO: Raupold
Mönchengladbach. Dr. Thomas Hoeps, Chef des Kulturbüros, spricht über das Problem, nicht alle 174 Programmpunkte bei der Aktion "Nachtaktiv" erleben zu können, die Rückeroberung des öffentlichen Raums und die Klugheit der Esel.

Mit der Kulturnacht "nachtaktiv" rückt das Kulturbüro momentan verstärkt in den Fokus. Seit wann leiten Sie diese städtische Einrichtung?

Dr. Thomas Hoeps In diesem Jahr mache ich das Dutzend voll: Ich bin seit 2004 dabei. In den ersten zwei Jahren saßen wir noch in der Voltastraße beengt hinter braunen Scheiben. Der Umzug in die Krichelstraße war sozusagen die Belohnung dafür. Im Spätsommer steht der nächste Umzug in die Albertusstraße an. Wir sind dann zwar etwas weiter vom Abteiberg entfernt, rücken aber an Eicken und die Ateliersstipendiaten heran.

Das Kulturbüro bringt viel in Bewegung. Wie ist die personelle Situation?

Hoeps Bei einer Stadt wie Mönchengladbach, die sich so lange im Bereich der Haushaltssicherung und Haushaltssanierung bewegt, ist nirgends mehr Fett dran. Aber wir können stolz sein auf das, was im Kulturbereich passiert. Das geht natürlich nur durch das hohe Engagement der Mitarbeiter, die oft an ihre Grenzen gehen. Man kann allerdings nicht permanent Neues entwickeln, ohne dass das irgendwann Auswirkungen hat. Durch die Übernahme der Musikförderung ist jetzt zwar noch ein Bereich dazu gekommen, aber damit verbessern wir uns auch personell. Zum ersten Mal seit zwölf Jahren gibt es jemanden, der mich vertritt. Und wir haben eine halbe Stelle für Sachbearbeitung. Die Einrichtung der Volontariate war zudem sehr hilfreich.

Sie sind mit großem Enthusiasmus bei der Arbeit. Man hat das Gefühl, Sie könnten noch mehr machen.

Hoeps Mein Traum wäre, eine Werkstatt wie ein Barockmaler zu haben: Wir könnten dann Ideen gemeinsam entwickeln und anschließend in eine ausführende Abteilung geben.

Sehen Sie sich als Initiator der kulturellen Projekte in der Stadt?

Hoeps Initiator ist das falsche Wort. Die Menschen haben Ideen und wollen ihre Vorstellungen realisieren, was Kultur in dieser Stadt sein soll. Ich will ihnen dabei helfen, also eher ein Ermöglicher sein. Wir unterstützen bei der Planung, helfen, Anträge zu stellen, und wir bringen als Vernetzer Menschen zusammen. Aber natürlich werden wir auch initiativ: So haben wir das Pilotprojekt Kulturrucksack nach Gladbach geholt und damit 65.000 Euro an jährlichen Fördermitteln, die überwiegend wieder in die Szene fließen. Das ist wichtig, aber Kulturszene im Grundsatz entsteht nur durch die Menschen, die hier aktiv werden.

Die Kulturnacht "nachtaktiv" steht kurz bevor. Haben Sie sich vorweg schon etwas angesehen und welche Veranstaltungen werden Sie in der Nacht besuchen?

Hoeps Es ist leider keine Zeit, sich vorher etwas anzusehen. Jetzt geht es gerade darum, die Werbung an den richtigen Stellen zu platzieren. Kurz vorher setze ich mich dann mit dem Team zusammen, und wir verteilen so viele Orte wie möglich auf unseren Routen. Ich selbst habe schon gut 20 Veranstaltungen, die ich unbedingt sehen will, werde aber höchstens neun davon schaffen. Das Angebot ist eben extrem stark. Es gibt 174 Veranstaltungen. Die meisten werden in diesem Jahr erfreulicherweise einmal wiederholt, so dass wir auf insgesamt 358 Aufführungen in den vier Quartieren kommen. Dadurch wird es für die Besucher entspannter.

Hat sich das Konzept der vier Quartiere bewährt?

Hoeps Ja. Nach der Kulturnacht 2012 haben wir diskutiert, wie wir verhindern können, dass alles zu sehr ausfasert und das Flair verloren geht. So entstand das Konzept der vier Quartiere Abteiberg, Altstadt, Eicken und Rheydt. Das ist ein Erfolg, die Besucher können mehr erleben und haben weniger Stress. Wir werden auch nach der diesjährigen Kulturnacht analysieren, wie es weitergeht. "Nachtaktiv" ist kein Denkmal, sondern spiegelt das Kulturleben in Mönchengladbach wider und entwickelt sich weiter.

Ateliersstipendiat Niels Coppens will vergessene Gebäude und öffentliche Räume reaktivieren. Zurzeit ist er im Hotel Oberstadt aktiv - ein Impuls für die obere Hindenburgstraße?

Hoeps Auf diese Frage gibt es drei Antworten. Erstens ist eine sinnvolle Nutzung von Leerständen durch kulturelle Aktivitäten immer eine gute Idee. Allerdings haben die Eigentümer oft kein Interesse. Beim Hotel Oberstadt ist das anders. Die EWMG ist die Eigentümerin und sehr hilfsbereit. Das ist leider die Ausnahme. Zweitens ist es wichtig, in der Innenstadt Orte für Leben jenseits des Shoppings zu haben. Ich habe nichts gegen Kommerz, aber der funktioniert auch nur, wenn man in der Stadt Lebensqualität hat. Und drittens ist mit Niels Coppens der richtige Stipendiat zur rechten Zeit am rechten Ort. Er ist offen, liberal und zielgerichtet und hat die Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen. Er schafft den Projektraum, in dem gerade junge Leute ihre Ideen entwickeln können.

Was erwarten Sie von dem neuen Platz vor dem Minto oder der Traumstraße? Und wie stehen Sie zu den Eseln von Rita McBride?

Hoeps Es ist wichtig, dass der Platz ein freier Ort für alle wird. Aus der jungen Szene kommt ja gerade die Bewegung, den öffentlichen Raum zurückzuerobern. Kultur ist dabei eine der schönsten Formen von Kommunikation. Die Esel sind ein Signal in die Stadt hinein und aus der Stadt heraus. Esel sind verdammt klug, weil sie neue Wege rechts und links vom Hauptweg entdecken und damit viel mehr erreichen.

Viele haben sich über die Esel geärgert.

Hoeps Unentspanntheit und Humorlosigkeit verhindern, dass eine Stadt sich weiterentwickelt. Wir sollten mehr querdenken. Esel sind nicht dumm, sie sind nur störrisch, wenn sie jemand zwingen will. Sie stehen für Freiheit und einen starken Charakter. Wenn uns trotzdem jemand auslacht, na und? Wenn wir uns selbst zu ernst nehmen, erstarren wir.

Norbert Krause hat das Thema mit seinen 7000 Eseln aufgegriffen. Wohin man sieht, werden Esel gezeichnet. In der Kulturnacht werden sie im Ratssaal ausgestellt. Haben Sie schon besonders gelungene Exemplare gesehen?

Hoeps Das Ganze ist ein großartiges Projekt, mit dem viele Sympathien geweckt werden. Es ist toll, dass der OB den Ratssaal zur Verfügung gestellt hat. Es gibt viele kreative und witzige Bilder. Zum Beispiel eins von Schülern des sechsten Jahrgangs der Bischöflichen Marienschule, die unter anderem einen lila Wolkenesel gezeichnet haben, der sagt, er habe zu viel Schokolade gefressen.

Die Künstlerförderung c/o ist ein Vorzeigeprojekt, auf das die Künstlerszenen in anderen Städten neidisch blicken. Wie ist der Stand der Dinge?

Hoeps Die Förderung professioneller bildender Künstler zeichnet diese Stadt sicher aus. Das Projekt gibt es seit 1998 und hatte schon einen sehr guten Ruf, als das Kulturbüro es 2010 übernahm. Unsere Vorgänger haben großartige Arbeit geleistet, und es hat sich toll weiterentwickelt. Jedes Jahr ist etwas dazu gekommen wie die Einrichtung des Raums EA 71, die QR-Code-Tour oder der Kunstadventskalender. Auch der parc/ours hat sich hervorragend entwickelt. Momentan sind wir dabei, den Relaunch der Website vorzubereiten, die dann auch für Tablets und Smartphones nutzbar ist.

DIRK RICHERDT, ANGELA RIETDORF UND INGE SCHNETTLER FÜHRTEN DAS GESPRÄCH

Quelle: RP
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