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Mönchengladbach
30 Jahre Atelierhaus Steinmetzstraße 31

Mönchengladbach. Männer mit Schafsköpfen, Brot, Wein und Fisch, Federn und Vögel und die Suche nach der Wahrheit: Den Geburtstag feiern die vier Künstler, die von Anfang an dabei waren, mit einer Ausstellung. Und mit Frikadellen und Gummibärchen. Von Inge Schnettler

Maria Lehnen, Ellen Katterbach, Heiner Koch, Brigitte Zarm: Diese vier haben die Geburtsstunde des Atelierhauses am 15. Juli 1985 erlebt. "Wir sind geblieben, weil es hier so schön ist", sagt Maria Lehnen. Und weil sie sich gut verstehen, und weil ihre Gespräche inspirierend sind - und weil man in den herrlichen Räumen mit den hohen Decken sehr gut arbeiten kann. Und genau das, sind sich alle vier sicher, haben vor 30 Jahren der damalige Museumschef Johannes Cladders und der Kulturdezernent Busso Diekamp gewusst - oder zumindest geahnt. Das Haus an der Steinmetzstraße 31, in dem früher die städtischen Ämter für Gesundheit und und Schulamt untergebracht waren, sollte abgerissen werden. Statt dessen lud die Stadt Künstler ein, sich für die Räume zu bewerben. Die vier waren dabei. Um die Ecke konnten sie im BIS ihre Werke ausstellen. "Das war eine tolle Zeit", sagen sie. Und trauern ihr ein bisschen hinterher. Das BIS steht schon lange wegen Baufälligkeit nicht mehr für große Präsentationen zur Verfügung.

Am bevorstehenden parc/our-Wochenende feiern sie den 30. Geburtstag der "Vier Überlebenden" mit individuellen Präsentationen im jeweiligen Atelier. Bei der Vorbereitung darauf haben sie in Erinnerungen geschwelt, in alten Werken gekramt - und haben Erstaunliches entdeckt. Beispielsweise Maria Lehen, die seit einiger Zeit Männer mit Schafsköpfen malt, einzelne auch mit Wolfsköpfen, hatte völlig vergessen, dass sie sich schon vor 30 Jahren mit dem Schaf an sich befasste. In der Tat. An der Wand in ihrem Atelier hängt ein dunkles Bild mit der Darstellung eines zerrupften Schafs - mit Maske vor dem Gesicht. Zum Geburtstag des Atelierhauses verkauft sie eine Edition mit Schafsmännern unter dem Motto "Finden Sie Ihren Schafsmann für nur 150 Euro." Wahlweise gibt es Wolfsmänner für 30 Euro das Stück.

Ellen Katterbach hat sich schon vor 30 Jahren Gedanken über die Objektivität der Fotografie gemacht. "Das analoge Foto war es nicht, das digitale natürlich erst recht nicht", sagt sie. Ihre Arbeiten basierten immer schon auf Fotos, die von der Zeit vernichtet werden, ihr Bild verlieren. "Alles Organische löst sich auf, auch die Fotografie."

Die Oma von Heiner Koch hat das Brot immer so abgeschnitten, wie die Omas damals das Brot schnitten: senkrecht vor den Leib gehalten und mit dem Messer waagerecht durch - Richtung Körper. "Das Brot hat immer eine große Rolle in meiner Arbeit gespielt", sagt Heiner Koch. "Das hat auch viel mit der Bodenständigkeit der Menschen am Niederrhein zu tun." Die Ausstellung in seinen hellen Atelierräumen ist bereits fix und fertig. Und da gibt es bei weitem nicht nur Brote zu sehen. Unorganisches, Kantiges - auch das macht er.

In Brigitte Zarms Kunst war schon vor 30 Jahren die Feder zu finden. "Im Laufe der Zeit ist sie zu meinem Hauptthema geworden, obwohl ich mir das damals nicht habe vorstellen können", sagt sie. Inzwischen ist es auch der ganze Vogel, der sie fesselt. Zum 30-Jährigen hat sie 30 Vögel geschaffen, die sie zum Preis von - na klar - 30 Euro verkauft.

Am parc/our-Wochenende ist das Atelierhaus von 13 bis 18 Uhr (Samstag) und 11 bis 18 Uhr (Sonntag) geöffnet. Maria Lehnen hält Frikadellen, Salate, Gummibärchen und mehr bereit. Der Geburtstag aller bisherigen Atelier-Künstler wird noch einmal groß gefeiert. Ab 7. November stellen sie in den Räumen des Kunstvereins MMIII aus.

Quelle: RP
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