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Mönchengladbach
50 Jahre Liebe zum traditionellen Jazz

Mönchengladbach. Die "Old Market Stompers" feiern am 5. März Jubiläum. Von der Ur-Besetzung ist nur Posaunist Manfred Müllers übrig. Von Thomas Grulke

Auf drei Gäste im Publikum freut sich Manfred Müllers ganz besonders. Wenn der Posaunist mit seinen Old Market Stompers beim Jazz-Festival am 5. März im Theater im Gründungshaus (TiG) auftritt, werden drei ehemalige Band-Kollegen genau zuhören. Klaus Dieter George (Klarinette), Gerd Rütten (Bass) und Ludger de Brouwer (Banjo) haben ihr Kommen angesagt. Sie gehörten 1966 zur Gründungsbesetzung der Gladbacher Jazzband, die mit dem Festival im TiG ihr 50-jähriges Bestehen feiert - mit Müllers als einzig verbliebenem Gründungsmitglied und Bandleader.

"Natürlich bin ich ein bisschen stolz, dass es die Band auch nach 50 Jahren noch gibt. Ein solches Jubiläum erleben nicht viele Gruppen", sagt der 71-Jährige. Für ihn war es keine Frage, das Jubiläum wie schon beim 40-Jährigen mit einem kleinen Festival zu feiern. In den Jazzbones, dem Blue Motion Trio und Gitarrist Joscho Stephan treten weitere Topmusiker an, die in der Gladbacher Jazzszene bestens bekannt sind. Jene Szene ist im Verlauf der Jahrzehnte allerdings kontinuierlich zusehends überschaubarer geworden.

"Für unsere Musikrichtung fehlt leider Nachwuchs völlig - sowohl bei den Musikern als auch beim Publikum. Die Fans des traditionellen Jazz sind mit uns alt geworden", sagt Müllers. 1966 habe das noch ganz anders ausgesehen. "Damals war Mönchengladbach eine Hochburg des Jazz und dafür weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Auch bei der Beatmusik gab es eine große, vitale Szene", erinnert sich Müllers. Treffpunkte waren damals der Jazz-Keller "Bügeleisen" an der Waldhausener Straße und die "Budike" am Alten Markt, in der sich auch ein Sextett zu den Old Market Stompers formierte. "Es war nicht schwer, Musiker zu finden. Wir waren alle vom traditionellen Jazz infiziert und haben in der Budike oder zu Hause im Keller geprobt", sagt Müllers.

Ihre ersten Auftritte hatte die Band in Gladbacher Klubs. "Im Bügeleisen gab es jeden Freitag einen Jazzabend. Die Leute haben auf der steilen Treppe Schlange gestanden und gewartet, dass unten im Raum mal wieder ein Platz frei wurde", erinnert sich Müllers. Schnell wurden die Old Market Stompers (OMS) bekannter, fortan traten sie auch am Niederrhein, im Ruhrgebiet oder im benachbarten Ausland auf. Ihre Teilnahme an internationalen Festivals in Holland, Belgien, Frankreich oder Portugal markiert Höhepunkte der Bandgeschichte, ebenso ihr Auftritt 1981 in der Live-Sendung "Mittwochs in Herne", die sowohl im Radio als auch im Fernsehen übertragen wurde. Hinzu kamen zwei Langspielplatten und zwei CDs, die die Band veröffentlichte.

Das alles bewältigten die Musiker neben ihren beruflichen Verpflichtungen. Die Aussicht, Profi-Musiker zu werden, hatten die Stompers nie. "Wir waren von Beginn an realistisch genug, um zu wissen, dass wir von unserer Musik nicht leben konnten. So haben wir immer so viel gemacht, wie es die Arbeit zuließ. Wir blieben Amateure und der Jazz unser Hobby", erzählt Müllers.

Berufliche Orientierungen sorgten dafür, dass das ursprüngliche Sextett nicht lange zusammenblieb. Immer wieder kam es zu Neubesetzungen in der Gruppe, der Schlagzeuger Peter van der Weyden blieb neben Müllers als einziges Gründungsmitglied über 30 Jahre dabei.

Sorge, dass die Old Market Stompers nicht mehr in Sechser-Formation würden auftreten können, hatte Müllers indes nie. "Es gab immer einen großen Pool von Musikern, aus dem wir kurzfristig Aushilfen oder neue feste Mitglieder gewinnen konnten", sagt Müllers. Zur Jubiläumsbesetzung gehören neben ihm Walter Cox (Bass), Winfried Faust (Klarinette/Saxofon), Jürgen Aschoff (Banjo/Gitarre/Gesang), Henk van Grinsven (Schlagzeug) und Rolf Kannen (Trompete/Flügelhorn): In dieser Formation treten sie am 5. März ab 19.30 Uhr im TiG auf. Und danach?

"Wir haben die Freiheit, nur noch das zu machen, was wir wollen", sagt Manfred Müllers, der nicht zu weit in die Zukunft plant.

Quelle: RP
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