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Mönchengladbach
Ab sofort wird blaugemacht

Mönchengladbach. Eine fahrradbetriebene Würstchenbude ohne Würstchen - das ist die Blaumacherei von Norbert Krause. Drei Wochen ist der Künstler damit unterwegs und färbt Klamotten blau. Mit der Aktion wirbt er für das Textiltechnikum. Von Inge Schnettler

Woher kommt eigentlich der Ausdruck "blaumachen"? Norbert Krause kann es erklären: "Am Niederrhein wurde immer schon gerne gefärbt. Traditionell nutzte man hierfür Färberwaid. Um aus diesem den Indigo-Farbstoff zu gewinnen, wurden die Blätter zu einem Brei verarbeitet und im späteren Verlauf mit Urin versetzt. Da Bier den Harndrang fördert, lag blau sein und blaumachen nicht nur sprachlich nah beieinander." Später wurde der Färberwaid durch Indigo ersetzt. Keine Angst, wenn der Konzeptkünstler in den kommenden drei Wochen mit seiner Blaumacherei unterwegs ist, wird er den Farbstoff nicht mit Urin versetzten. Davon distanziert er sich ausdrücklich. "Ich verwende stattdessen Natronlauge und Natriumdithionit", sagt er. Beides findet sich in Powerentfärbern, die es in jedem Drogeriemarkt gibt. Das macht es einfach.

Die Blaumacherei: Das ist eine fahrradbetriebene Würstchenbude ohne Würstchen, die Krause gemeinsam mit den Freimeistern zusammengebastelt hat. Vor Regen und Sonne schützt ein rot-weiß-gestreifter Schirm, der das komplette Vehikel überspannt. Auf einer Kochplatte bereitet der Künstler aus Indigo und den besagten Zusätzen einen Sud zu, der auch ohne die Beigabe von Urin mächtig stinkt. "Ich habe mir aus diesem Anlass eine Erkältung zugelegt", sagt Krause. "Ich rieche nichts." Glück hat der Mann. Wer also ein T-Shirt, ein paar Strümpfe oder sonstwas blau gefärbt haben möchte, wende sich vertrauensvoll an den jungen, aufstrebenden Unternehmer. Er wird's schon richten. (Die Termine sind im Info-Kasten o. r. zu finden.)

"Das ist eine lustige Angelegenheit - soll aber auch erzieherisch wirken", sagt Kulturdezernent Dr. Gert Fischer. Denn geboren wurde die Idee im Textil-Technikum im Monforts-Quartier an der Schwalmstraße. Da staunte Norbert Krause bei seinem ersten Besuch nicht schlecht über die vielen mit Färbemitteln gefüllten Fläschchen im raumtrennenden Glasregal. Die Hochschule Niederrhein verfügt über einen wahren Farben-Schatz. Mit mehr als 10.000 Farbpigmentproben hat sie die weltweit größte bekannte Sammlung dieser Art. Etwa 2000 werden im Textiltechnikum gezeigt.

"Als Herr Wiegmann mir die Bedeutung der vielen Farben erklärte, war mein Interesse geweckt", sagt Norbert Krause. Er entschied, sich der Farbe Blau anzunehmen. Die Idee "Blaumacherei" war geboren. "Blau ist die Farbe, die am günstigsten herzustellen war und ist", sagt Dr. Karlheinz Wiegmann. Der Direktor des Museums Schloss Rheydt, der 2013 die Farbsammlung der Hochschule in einer Ausstellung zeigte, weiß alles über Farben. "Textilien schwarz zu färben, war immer schon sehr teuer", berichtet er beispielsweise. Deshalb seien das kleine Schwarze und der schwarze Anzug bis heute besonders kostbare Kleidungsstücke für die besondere Gelegenheit.

"Früher war das Leben grau", sagt Gert Fischer. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts kamen die synthetischen Farben nach Europa. "Da wurde die Kleidung bunt." Und damit auch das Leben. Die Aktion von Norbert Krause wird die Stadt mit viel Blau überziehen. So wünschen es sich die Leute vom Textiltechnikum, der Kulturdezernent, der Landschaftsverband, der die Aktion unterstützt, und natürlich der Künstler selbst. Krause nimmt auf jeden Fall zertifizierte Baumwollbeutel mit, die er - blau eingefärbt natürlich - anbietet. Außerdem wird er Buttons mit blauem Stoff beziehen. Und alles, was in seinen Farb-Kochtopf passt, färbt er mit Indigo - garantiert ohne Urin-Zusatz ein. Jetzt wird blaugemacht in Mönchengladbach. Und wie!

Am Sonntag, 19. Juni, ist das Textil-Technikum an der Schwalmstraße 301 von 13 Uhr bis 17 Uhr geöffnet. Im Mittelpunkt an diesem Sonntag steht natürlich die "Blaumacherei". Darüber hinaus führt Christian Schumacher durch die Ausstellung. Auch können die im Technikum gewebten Geschirrtücher erworben werden - mit Herkunftsgarantie. Der Eintritt kostet fünf Euro, ermäßigt 2,50 Euro.

Quelle: RP
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